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Der Israelit · 1868-03-18 · Heft 12 (18.3.1868) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 12 (18.3.1868)
Date
1868-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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204 packte ihn der Reiter und warf ihm eine Schlinge um den Hals; in demselben Augenblicke drangen Ahron, Thumann und mehrere bewaffnete Diener des Grafen in den Hof. „Hilfe, Hilfe! Fritz, zu Hilfe!" rief der Wirth. Der Angerufene stürzte vor die Thür und feuerte im Dunkeln sein Pistol auf die Eindringlings ab. Mit lautem Aufschrei sank Ahron zu Boden. Zu gleicher Zeit aber wurde der Räuber ergriffen, und während man sich der übrigen Bewohner des Hauses bemächtigte, brachte man Ahron in die Wohnstube und untersuchte seine Wunde. Die Kugel war ihm in die Schulter gedrungen. Unterdeß hatte Abraham in Todesangst die Stimmen und den Schuß gehört, ohne zu wissen, was vorging; er wäre gern hinausgeeilt, aber die Thüre des Zimmers war von Außen geschloffen. Da wurde sie geöffnet und herein trat der Amtmann des Grafen, der die Wirthin gezwungen hatte, ihn zu Abraham zu führen und das Zimmer aufzuschließen. Er schritt auf den vor Angst und Sorge halbtodten Abraham zu und rief: „Wünschen Sie Sich Glück, Herr Veitelsohn, Sie sind gerettet!" Abraham sank in die Knie und dankte mit heißen Thränen dem Allmächtigen. Dann fiel er dem Amtmann um den Hals und weinte und lachte und jubelte. Der Amtmann machte sich von seiner Umarmung frei und führte ihn hinunter in die Wohnstube. Da lag Ahron auf der Bank an der Wand; man hatte nach dem Dorfe St. geschickt, um den Leibarzt des Grafen rufen zu laffen. Erstaunt erkannte Abraham den Verwundeten; fragend sah er den Amtmann an. Der aber sprach: „Diesem jungen Manne verdanken Sie Ihr Leben, Herr Veitelsohn!" Als Abraham das hörte, fing er laut an zu schluchzen: „Herr mein Gott," sprach er, „wie sind so wunderbar Deine Wege! O, ich verdiene nicht Deine Gnade k Aber schenke mir mein Leben noch einmal, indem Du diesen da rettest!" Dann schlich er sich an den regungslos daliegenden Ahron und hauchte einen Kuß auf besten heiße Stirne und benetzte sie mit seinen Thränen. Unterdeffen kam der Arzt, der mit Leichtigkeit die Kugel herauszog. Er erklärte die Wunde für ungefährlich. Noch in derselben Nacht wurde Ahron aufs Schloß geschafft, wo ihm ein gutes Bett in einem freundlichen Zimmer bereitet ward. Die Räuber wurden einstweilen in dem Schloßthurm untergebracht, um am andern Tage nach Hannover transportirt zu werden. Im Keller des Wirthshauses im Walde wurden viele geraubte Maaren aufgefunden, und im Garten fand man gar manche Leiche verscharrt. Viele Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit wurden dadurch ans Licht gebracht. Abraham kehrte in Begleitung des wacker» Corpora! Thumann nach Hannover zurück, wo er denselben aufs Reichlichste belohnte. Frau und Tochter aber sandte er hinaus nach Schloß St., damit sie daselbst den Verwundeten pflegten, der bei solcher Pflege einer raschen Genesung entgegenging. Unterdeß wurde den Räubern der Proceß gemacht; Hans Peter entging jetzt doch der Tortur nicht; schon beim ersten Grade derselben verrieth er alle seine Mitschuldigen, die, noch zehn an der Zahl, sämmtlich zur Hast gebracht wurden. Nach Jahr und Tag war der Proceß vollendet, und das Uri heil wurde von König Georg III. bestätigt. Am Hochgerichte, wo jetzt daS Schlößchen Monbrillant steht, wurden Hans Peter, Fritz und der Sternenwirth aufs Rad geflochten; die Raubgenoffen wurden durch den Strang vom Leben zum Tode gebracht. Corpora! Thumann nahm seinen Abschied und erhielt eine Civilversorgung. Der Gedanke an Mutter und Schwester beunruhigte ihn nicht mehr, seitdem er dazu beigetragen hatte, den Verführer zu entlarven und der gerechten Strafe zuzuführen. Als Ahron vollkommen genefin nach Hannover zurückkehrte, wurde er als Theilhaber in das Geschäft der Brüder Veitelsohn ausgenommen. Nicht lange darauf ward Rahel die Seine. Abraham Veitelsohn war seit jener Zeit wie umgewandelt. Er war nicht mehr stolz auf sein Geld und zog sich bald ganz vom Geschäfte zurück; dagegen ward er ein Vater der Armen, ein Helfer der Bedrängten, ein eifriger Förderer des Talmudstudiums. Mehr als achtzig Jahr nach den soeben erzählten Begebenheiten, im Sommer des Jahres 48. machte ein junger Student seinen ersten größer» Ausflug in die Welt. Geboren in der flachsten Gegend Deutschlands, wollte er das Harzgebirge kennen lernen und fuhr bis Hildesheim mit dem Dampfwagen. Von da aus ging er zu Fuß durch die Ausläufer des Harzes, nach Goslar zu. Ermüdet kehrte er in einem Wirthshause ein, das den schrecklichen Namen „Zur Mörderhöhle" führte. Während er in der schattigen Laube sich an einem Glase Bier erquickte, erkundigte er sich nach dem Ursprünge des sonderbaren Wirthshausnamens, und da erfuhr er von einem ebenfalls anwesenden Glaubensgenoffen die Geschichte vom „Wirthshaus im Walde", die er soeben dem freundlichen Leser mitgetheilt hat. — Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Vcrlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf * S chnellpressendruck von I. Gottsleben in Mairy. I

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