Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1868)
- Date
- 1868-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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202 Ueberzeugung zu würdigen und werde sie auch zu jeder Zeit beschützen. Herr Grün aus Maros-Ujvär nahm hierauf im Namen der Konferenz-Minorität von Sr. Excellenz dem Herrn Kultusminister in nachstehenden Worten Abschied: „Wir sind Freunde des Beisammenbleibens; aus der Tiefe unseres Herzens wünschen wir die Einigkeit. Feierlich versprechen wir, die erhabenen Intentionen Ew. Excellenz, die eigentlich die Vereinigung unserer moralischen und geistigen Jnteresien anstreben, aus vollem Herzen zu unterstützen und die Realisirung derselben auf der gemeinsamen Basis des Fortschrittes und der Religiosität mit vereinten Kräften fördern zu wollen, nachdem wir tief überzeugt sind, daß echte Religiosität mit allg. Bildung nicht kollidire. Wir könnten uns hiebei auf Beispiele berufen, doch müßten wir ja in diesem Falle faßt fämmtliche gefeierte Namen Europas und unseres theuern Vaterlandes der Reihe nach aufzählen." Hierauf wurde die Konferenz-Minorität huldvoll entlasten. Pesth, 4. März. Der erste jüdische Docent habilitirte sich in diesen Tagen an der hiesigen Universität in der Person des Dr. Bocke. In Samson bei Debreczin lebt ein beinahe hundertjähriger Greis, der nicht nur geistig frisch, sondern auch körperlich so gesund und kräftig ist, daß noch keiner seiner Sinne sich abgestumpft hat. Er besitzt ein scharfes Gehör und liest die kleinste Schrift ohne Brillen. Gang und Haltung ist wie die eines öOjähriges Mannes. Sein Gedächtniß ist noch so gut, daß er alle seine zahlreichen Enkel, Urenkel und deren Kinder bei Namen kennt. Aus den Zeiten Maria Theresias, der Kaiser Josef, Leopold und Franz weiß er viel zu erzählen, wie er denn überhaupt mittheilsam ist. Er ist mosaischen Glaubens und eine in der ganzen Umgegend feit Menschengedenken unter den Namen Weiß Jtzig bekannte und beliebe Persönlichkeit. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, daß dieser Patriarch von seinen in die Hunderte gehenden Nochkommen, welche noch jetzt in zweifelhaften Fällen sich stets an ihn um Rath wenden, in großen Ehren gehalten wird. (Frbl.) Holitsck. Am 24. Februar d. I. ging ein 60jähriger Jude, Namens Löwy Hohenberg aus Holitsch in Ungarn, in dem benachbarten Dorfe Unin hausiren; Nachmittags gegen 4 Uhr wurde dieser von dem im benannten Dorfe wohnenden Josef P ech o in dessen Wohnung gelockt, mit dem Bemerken, ihm etwas verkaufen zu wollen. Der arme Hausirer, «ichtS Arges ahnend, ging doch leider seinen letzten Weg. Kaum in der Stube angekommen, wurde er von dem Josef Pecho auf die grausamste Art und Weise ermordet. — Der Mörder, ein ausgedienter Hustar, erwürgte vorerst den schwachen Löwy, brachte ihm dann mehrere Wunden am Kopfe bei, doch all' dies war ihm noch zu wenig, jetzt erst wurden ihm die Füße abgehackt und die Hände gebrochen; die so gräßlich verstümmelte Leiche begrub der Mörder in seiner Kammer. Zwei Tage nachher nahm er die Leiche aus der Kammer und vergrub sie in dem auf seinem Hofe befindlichen Düngerhaufen. Nach gepflogener Aufsuchung des vermißten Löwy fiel der Verdacht sogleich auf den wahren Mörder, wo auch die Leiche in dem Düngerhaufen aufgesunden wurde. Mittlerweile war aber der Mörder sammt seinem wahrscheinlich mitschulgen Weibe nächtlicher Weise entflohen. Der Ermordete hatte eine Baarschaft von 15 fl. bei sich gehabt, war ein sehr armer Mann und Vater von sechs Kindern. England. London. Wie man vernimmt, soll Lionel Nathan v. Rothschild zum Pair ernannt werdea. lll London, 3. März. Die bis jetzt noch bestehenden Schranken, welche nicht nur die Aemter und Benesicien der verschiedenen Colleges der Universität Oxford, sondern auch den höheren wissenschaftlichen Grad des Magister Artium jedem verschließen, der nicht seine Uebereinstimmung mit den 39 Artikeln der englischen Staatskirche ausgedrückt, werden einer dem Parlamente vorliegenden Bill zur O« ,nung der Universität unbedingt für alle Confessionen c'ufgehoben. Donau für st enthümer. Bukarest. Das „Echo Danubien" veröffenrr licht folgende Austreibungs-Ordre eines Unterpräfecten: „Unter-Präfectur von Racova, Deport. Vaslui. Auf Ihr Referat unter Nr. 789 antworte ich Ihnen, daß Sie die Ordre 6151 nochmals lesen wollen, woraus Sie sehen können, daß nach dem Befehl des Prafecten Nr. 3269 man mit Dringlichkeit die Vertreibung der Juden aus den Gemeinden verlangt. Ich lade Sie daher ein, diese Ordre ohne Verzug auszuführen und uns sofort das Resultat mitzutheilen. Demetre Earco." Entsetzlich I! Schweden. Stockholm. Die Söhne des verstorbenen Martin Lewinsohn aus Gothenburg gaben zur Erinnerung an ihren verstorbenen Vater dem dortigen Hospitale 10,000 Thlr. zum Geschenke. In Stockholm wird eine Synagoge gebaut, die 300,060 Thaler kosten soll; dieselbe muß vertragsmäßig bis August 1870 vollendet sein. Herr Abrahan Hirsch von Stockholm erhielt vom Prinzen Oskar im Namen des Königs den Wasa-Orden als Anerkennung seines guten Wirkens in dem Conservatorium dieser Stadt. In Gothenburg starb vor Kurzem ein Jude, Na-