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Der Israelit · 1868-03-18 · Heft 12 (18.3.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 12 (18.3.1868)
Date
1868-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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gewählt werden dürfen, wenn die Seelenzahl der Gemeindegenoffen über 400 betragen wird. Doch hat je nach 2 Jahren V3 der Gewählten auszutreten und könnte bei diesen Wahlerneuerungen endlich der Wunsch derer erfüllt werden, die in den jetzigen Vorstehern ihre religiöse Ueberzeugung oder ihre finanziellen Grundsätze nicht vertreten sehen. Eine jüngste Versammlung der 'non 'toa 'n in Ulm, deren Vorsteher Herr Sternbergerdaselbst ist, war sehr zahlreich besucht und gab Veranlassung zu einer Statutenveränderung in Betreff erhöhter Beiträge in Sterbefällen, deren Kosten die Vereinskaffe fast ganz zu übernehmen hat. Ein Antrag auf Revision der rituellen Bestimmungen hingegen, fand selbst in dcm Oberjustizprocurator Heß einen beredten Gegner , welcher dadurch der orthodoxen Richtung zum gerechten Siege verhalf. Er hat sich damit als der würdige Sohn seines seligen Vaters bewährt, der ebenfalls ein am« oft» *pm war. — Die Synagogenbau-Projecte sind noch in ihrem Embryo-Zustande, weil gegen einen Neubau der schwerwiegende Grund einer Steuerüber- Lürdung, gegen Einführung von Orgel und residenzlichem Ritus der unwiderlegbare Einwand des Religionsgesetzes und gegen einen Umbau, s. g. Hofbau, die Protcstationen der Unregelmäßigkeit vorlicgen, die das Vorfteheramt und die Aufsichtsbehörden nicht unbeachtet lassen können. Noch immer läßt der practische Sinn der'Genossen dieser Gemeinde hoffen, es werde der Antrag zu Geltung kommen, vorerst sich auf eine der Finanzkrast und dem religiösen Bedürfniß gleichmäßig entsprechende Einrichtung eines würdigen Betsaales im eigenen Hause zu beschränken und den Geschlechtern künftiger Jahrzehnte die weitere Entwickelung des bescheidenen Planes zu überlasten. Dagegen blieben dann in der Gegenwart mehr Mittel zur Vervollkommnung der religiösen Institute übrig, deren Beschaffenheit in diesen Blättern schon manchmal gerügt worden sind. Herr Procurator und Vorsteher Heß wird vielleicht auch in dieser Lebensfrage den Friedensweg zu finden wissen. _ Berlin, 22. Februar. Der preußische Ministerpräsident, Graf v. Bismark, hat nachstehendes Schreiben an den Präsidenten der „Alliance Israel." gerichtet: „Ich habe die Ehre, Ihnen in Beantwortung Ihres Briefes vom 4. d. M. mitzutheilen, daß die königl. Regierung ihren Repräsentanten in Bukarest auf's Neue dahin instruirt hat, daß derselbe seinen ganzen Einfluß anwende, daß Ihren Glaubensgenossen in Rumänien der Schutz zu Theil werde, welchen sie in allen Ländern, in denen die Legislatur auf den Principien der Humanität und Civilisation beruht, genießen. Ich bin übrigens fest überzeugt, daß die Absichten des Prinzen Karl vollständig mit unfern Wünschen übereinstimmen und daß Se. Hoheit mit festem Willen die Entwickelung der Constitution des Landes herbeiführen wird, durch die der Regierung die Ausübung eines gleich wohlwollenden Schutzes für alle Claffen der Bewohner und in einer schnelleren Weise wie in der Vergangenheit, erleichtern wird. Empfangen u. s. w. Bis mark." Halber fit s dt. Das nachfolgende mir heute zugegangene Schreiben: „Berlin, den 10. März 1868. In Verfolg seiner Mittheilung vom 22. v. M. benachrichtigt das Bundeskanzler-Amt Eure Wohlgeboren ergebenst, daß der Rabbi Arjeh Markus sofort nach der Ankunft des neu ernannten Bundes-Consuls in Jerusalem in Freiheit gesetzt worden ist. Die Sara Steinberg, welche sich übrigens nicht unter Vormundschaft des gedachten Rabbi befand *), ist vorläufig einem angesehenen und zuverlässigen Juden in Jerusalem übergeben worden. Ein in Alexandrien lebender Oheim derselben ist befragt, ob er die Vormundschaft über sie übernehmen wolle. Im Falle einer verneinenden Antwort wird in Jerusalem ein jüdischer Vormund ernannt werden. Das Verfahren der bei der Sache betheiligten Consulate unterliegt zur Zeit noch der Untersuchung. Das Bundeskanzler-Amt gez. v. Delbrück." wird, wie es mich in Dankbarkeit gegen diese hohe Behörde erfüllt hat, aus alle unsere Glaubensgenossen einen wohlthuenden und beruhigenden Eindruck machen, weshalb ich mich zu dessen Veröffentlichung verpflichtet halte. Siegmund Hirsch. Aus dem Norddeutschen Bunde, im Adar. (Privatmitth.) Aus Mecklenburg-Schwerin hören wir so oft Klagen über die dort herrschende Gleichgiltigkeit in den wichtigsten religiösen Angelegenheiten, so daß wir nicht umhin tonnen, denselben in diesen Blättern Ausdruck zu geben, ei zig und allein aber nur in der Absicht, dadurch den betreffenden Mängeln abzuhelfen. Besonders ist es die Schechita, die derart verkommen sein soll, daß man im ganzen Lande nur wenige Orte findet, wo man ohne Gewiffensscrupel Fleisch genießen könnte. Die meisten Lehrersiellen im Großherzogthume sind mit dem Schächteramte verbunden, und bei der noch jetzt herrschenden einhorn'schen und holdheim'schen Atmosphäre verliert so mancher jugendliche Lehrer und Schochet das religiöse Gleichgewicht, und dann ist es um die koschere n^rw geschehen. Aber nicht allein die Jugend mißbraucht ungeahndet das Vertrauen der Gemeinden, sondern auch in ihrem *) Anm. der Red.: Wohl nicht officiell, aber thatsächlich, da R Arjeh Markus sich der verlassenen Waise angenommen, sie gekleidet und ernährt hat.

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