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Der Israelit · 1868-03-18 · Heft 12 (18.3.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 12 (18.3.1868)
Date
1868-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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199 in allen Theilen des Landes bei dieser unheimlichen Wahrnehmung erschreckt aus seiner Ruhe ausgescheucht worden; voll banger Zweifel, Angst und Unruhe eilten die treuen Anhänger ihres Glaubens nach der jj Landeshauptstadt, um wie die zärtliche Mutter über k ihr geliebtes Kind zu wachen, wenn ihm ein Angriff \\ droht; um gegen einseitige Vorgänge und unberech- I tigte Eingriffe in die Heiligkeit der altehrwürdigen Religion, so es erforderlich, Protest einzulegen, über- »I Haupt sich gegenseitig in der Stunde der Gefahr zu siützen, zu berathen, zu ermuthigen; und in Wirklichkeit hatte dies energische Aufgebot ihrer Kräfte, die nur so innig gläubiger Sinn in solchem Maße zu be- < seelen und zu beleben vermag, den großen Erfolg, daß der Minister selbst auf die ihm diesfalls gemachten nachdrücklichen Vorstellungen die Geängstigten durch die aufrichtige Versicherung zu beruhigen es sich angelegen sein ließ, wie es sein entschiedener Wille sei, daß jeder Moment, der nur im Geringsten irgendwie die inneren religiösen Fragen alteriren könne, aus den & Berathungs- und Verhandlungs-Objecten ferne gehalten werde; und in der Conferenz selbst hatte die, der l älteren Richtung angehörende, fast verschwindende Mil norität durch den beseelenden Geist der aus den Prof vinzen zusammengeströmten frommen Rabbinen und Laien, hinter welchen unter einer Gesammtbevölkerung!von nahezu V2 Million Israeliten mindestens 300,000 Gesinnungsgenossen stehen — angeeifert, eine Position eingenommen, die der so sehr überwiegenden Majorität der religiösen Neuerungen huldigenden Fraction nicht wenig durch Standhaftigkeit, Muth und Characterkestigkeit imponirte. Da stand ein Grün aus Siebenbürgen, ein Pappenheim aus Preßburg, ein! Friedlieber, ein Fischer, ein Krauß; muthig! und tapfer wie die Löwen standen sie da, zu schirmen, zu schützen, zu verfechten die altehrwürdigen Traditionen; weder Gewalt noch Ueberredungsgabe konnte sie bestimmen, die treuen Kämpfer für den Glauben ihrer Väter, auch nur ein Atom ihres Rechtes zu vergeben. So aber die ungleiche Uebermacht mit allen Mitteln die kleine Partei zu erdrücken sich vermaß, legte dieselbe beim Minister selbst von vornherein Protest ein gegen allfällige Consequenzen, die das Mißverhältnis in der Zusammenstellung der Parteien zu Tage fördern möchte. Der humane und gerechtigkeitsliebende Minister, jede religiöse Ueberzeugung achtend und berücksichtigend, nahm denn in derThat auch keinen Anstand, um der numerisch so unverhältnißmäßig schwach vertretenen Partei älterer Richtung nicht minder gerecht zu werden, für die Minorität die Berechtigung anzuerkennen, selbst nach Schluß der Conferenz ihr Votum separatim einzubringen. Dies ist nunmehr gestern für den ersten Theil der Conferenz-Aufgabe, nämlich für das Wahlstatut, bereits geschehen. Dasselbe wurde dem Minister von sieben Parteigenossen überreicht; es zeichnet sich vor jenem der Gesammtconferenz sogar durch noch liberalere Bestimmungen aus. So z. B. hatte letztere die besoldeten Gemeindebeamten (Rabbinen, Lehrer k.) sowohl vom activen als passiven Wahlrechte ausgeschlossen, während das Minoritäts-Votum denselben wenigstens das active Wahlrecht billigerweise zuerkanwe, und dergleichen humane Bestimmungen mehr. Das Gemeinde- und Schulstatut wird nun von der Minoritätspartei gleichfalls gründlicher Berathung unterzogen und dem Minister nachträglich überreicht weroen. Es ist die Absicht des Ministers, die Elaborate sowohl der Conferenzversammlung als der Minoritätspartei seinerzeit dem Congresse — welcher wahrscheinlich im November l. I. hier in Pesth zusammentreten wird — zur Prüfung zu übergeben. Es ist nun an der Presse, unparteiisch, leidenschaftslos und voruriheilsfrei die Vorlagen zu beurtheilen, zu besprechen, soll anders das begonnene Werk einem heilsamen Ziele zugeführt werden. Wird die öffentliche Meinung in dieser Weise über die schwebenden Fragen aufgeklärt werden, dann läßt sich vom Congresse auch ein allseitig befriedigendes Resultat erhoffen; sollten sich jedoch, was Gott verhüten möge, Egoismus, Gereiztheit und was derlei unlautere Elemente mehr sind, in der Behandlung dieser brennenden Fragen geltend machen wollen, dann wäre jüdisch religiöser Friede in unserm schönen Vaterlande dahin l Hat derselbe leider doch schon bis zur Stunde einen empfindlichen Abbruch erlitten; — noch eine Schlacht, und eS wird nichts Anderes erübrigen, als zu dem, durch Herrn Kraus aus Körös-Ladäny dem Cultusminister bei Eröffnung des Congrefles am 17. Febr. l. I. gemachten Vorschläge: zur Scheidung — Zuflucht zu nehmen. Und wer wird sich über dieses Peinlichste aller Auskunftsmittel, über dieses Grellste der Schaustücke unserer Zeit innerlich mehr freuen, als unsere gemeinsamen Feinde? Dies möge daher jeder gewissenhafte und redlich denkende Jude beherzigen und wohl erwägen, bevor es „zu spät", bevor eine Umkehr nicht mehr möglich ist. —c— Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Württeruberg. In der Correlpondenz der Beilage zu Nr. 5 des „Israelit" ist zu berichtigen, daß die jüdische Bevölkerung in Heilbronn seit 3 Jahren um 82 Seelen zugenommen hat, und daß die iSr. Gemeinde Ulm längst 4 weltliche Vorsteher hat und erst dann 5 solche Beisitzer — die Maximalzahl —

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