Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1868)
- Date
- 1868-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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anderen Religionen darin bestehe, daß es keinen einzigen Brauch für unbedingt nöthig erachtet für die Seligkeit des Menschen, und daß daher der Vollzug der verschiedenen und in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten anders gestalteten Ceremonien ganz und gar von dem Belieben und der Stimmung des Einzelnen abhänge. Diese schriftliche Verhandlung wurde Herrn G. eingehändigt, und ihm eine vierwöchentliche Frist zu deren genauen Prüfung gelaffen. Als er nach dieser Zeit auf's Neue seinen Entschluß, Jude zu werden, in Gegenwart zweier christlicher Zeugen an den Tag legte , nahm ihn vr. Jolowicz unter Handschlag an Eides statt in die Gemeinschaft der Juden auf, stellte ihm darüber das nöthige Zeugniß aus, auf Grund dessen Herr G. in das jüdische Cwilstandsregister von der zuständigen Behörde eingetragen wurde." Also keine Beschneidung, kein Tauchbad, kern Sabbat, kein Versöhnungstag, keine Ehe-, keine Speisegesetze — nichts, gar nichts; die einzige Berührung der Hand des Reformrabbinen, des heiligen Jolowicz, macht einen Christen zum Juden, zu einem Bekenner des Judenthums, das die Erfüllung seiner Religionsgesetze einzig von dem Belieben und der Stimmung des Einzelnen abhängig macht!!! Und solche o’-J soll man auch noch als Juden anerkennen!! 1 Möge doch aber endlich all den Halben und Schwankenden ein solches Glaubensbekenntniß, wie es der Refo.mapostel, Herr vr. Jolowicz hier abgelegt hat, die Augen öffnen; mögen sie endlich erkennen, wohin die sogenannte jüdische Reform, wohin die Geiger, die Mayer (in Stuttgart), die Aub (in Berlin) rc. rc. ihre irregeleiteten, bethörten Gemeinden führen: zum reinsten Nihilismus, zur absoluten Religionslosigkeit, zum modernen Heidenthum. Der einzige Unterschied zwischen den Zuletzterwähnten und dem Herrn Or. Jolowicz in Königsberg ist wohl der, daß Herr vr. I aufrichtiger ist als jene; mit anerkennenswerther Offenheit hat es neulich der Herr Exrabbiner Leopold Stein in Frankfurt a. M.*) bekannt, daß er sich selbst, als er noch Rabbiner war, als Heuchler verachtet hat, wenn er die Thüre vorher sorgfältig verschloß, ehe er die jüdischen Religionsgesetze übertrat, damit er nicht dabei ertappt werden könne! „Und dabei," fügt Herr Stein hinzu, „galt ich noch für den Aufrichtigsten unter meinen Gesinnungsgenossen J" Den naheliegenden Schluß auf die übrigen Herren Reformrabbinen überlasten wir dem Leser. *) In einem neulich von ihm edirten Buche: Schrift des Lebens. Iur ungarischen israelitischen Confereiy- Versammlnng. Pesth, den 4. März. Ueber die Genesis der durch den Ungar. Cultusminister Baron Eötvös für den 17. v. M. einberufenen und am 1. d. geschloffenen Conferenz israel. Vertrauensmänner ist es von Jntereffe, Folgendes, das den persönlichen Aeußerungen Sr. Excellenz im Laufe der Verhandlungen entnommen werden konnte, zu erfahren : Der Minister, vom Wunsche beseelt, nach nunmehriger politischer Gleichberechtigung auch, in die verworrenen inneren Verhältnisse der israel. Landesbewohner Ordnung zu bringen, war von der Ansicht ausgegangen, daß diese Regelung am Paffendsten unmittelbar durch die zunächst Betheiligten selbst veranlaßt würde; zu dem Behufe solle ein Congreß zusammentreten und die Abgeordneten für denselben auf Basis eines durchaus liberalen Walmodus vonsämmtlichen israel. Landesbewohnern gewählt werden. Um nun diesen Modus zu bestimmen und zugleich für die Regulirung der Gemeinde- und Schul-Angelegenheiten einen Entwurf vorzubereiten, wollte der Minister sich vorher durch Vertrauensmänner aus den verschiedenen Gegenden Ungarns und des nun damit politisch verbundenen Siebenbürgen Information in einer Conferenz verschaffen. Er wendete sich daher an einige Freunde und Bekannte mit dem Ersuchen, ihm eine Anzahl von Fachmännern, von Männern von Bildung und Intelligenz namhaft zu machen, aus denen der Minister die Liste der einzuberufenden Conferenzmitglieder feststellen wollte. Diese Maßregel sollte sich bald als eine mindestens incorrecte erweisen. Denn was Bildung und Intelligenz betrifft, so war die Liste unstreitig eine tadellose; allein, handelte es sich bei diesem Anlaffe blos um Dinge von profaner Bedeutung? Sollten nicht vielmehr Fragen verhandelt werden, welche für unsere religiösen Interessen von direct oder indirect tief einschneidender Bedeutung und größter Tragweite sein konnten? Wie mußte daher das für die Erhaltung seines Glaubens heiß schlagende jüdische Herz bange erzittern, als es unter den in dieser Weise berufenen Männern, welche zur endgiltigen Entscheidung über das Wohl und Wehe unserer altehrwürdigen Religion für deren Bekenner im ungar. Vaterlande den ersten Anstoß oder Impuls geben sollten von der beiläufigen Gesammtzahl von 34—35, von denen auf das indifferente Pesth-Ofen allein der dritte Theil des Gesammt-Contmgents entfiel', kaum mehr als fünf oder sechs ausfindig machen konnte, deren jüdisch-rechtgläubige Gesinnung über jedem Zweifel erhaben ist! Wie der Vogel vor dem ausbrechenden llngewitter war mit einemmale das echtgläubige Judenthum