Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1868)
- Date
- 1868-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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187 ihre Thätigkeit begonnen. Bisher sind indeß die Transpirationen aus dem Berathungssaale sehr spärlicher Art. AuS den bereits stattgehabten Vorgängen läßt sich jedoch mit ziemlicher Gewißheit auf einen heißen Kampf schließen. Herr Dr. Hirschler in Pesth hat eS nämlich für angezeigt erachtet, die einberufenen Vertrauensmänner am 15. l. M. behufs einer Vorberathung zu sich einzuladen. Hätte die Einladung auf sämmtliche anwesende Conferenzmitglieder sich erstreckt — wir würden in diesem Falle dies Vorgehen mit um so größerer Freude begrüßt haben, als eine derartige mit entsprechendem Takte geleitete Vorberathung zur Klärung der Anschauungen und Anbahnung eines Ausgleiches zwischen den mit ziemlicher Heftigkeit sich bekämpfenden Parteien wesentlich beitragen könnte. Dem war indeß nicht so. Es sind eben jene Männer nur der Ehre einer Einladung theilhaftig worden, deren Parteistellung mit der des Herrn vr. Hirschlor evident identisch, oder denen gegenüber noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben ward, sie auf irgend eine Weise in das Lager der Reformer hinüber zu ködern. Es ist diese Taktik um so bedauernswerther, als dieselbe es aufs Unzweideutigste hervorschimmern läßt, wie sehr die Neformpartei ernstlich bestrebt ist, aus ihrem vollkommen unberechtigten nummerischen Uebergewichte in der Conferenz zu Gunsten ihrer destructiven Pläne Capital zu machen. Man sieht, wie die guten Männer, die bisher mit eben so vieler Berechnung, als selbstgefälliger Ostentation die Friedens Palme in die Höhe hoben, nur einen günstigen Moment abwarteten, um auS ihren trefflich konstruirten Hinterladern Flammen und Tod auf ihre Gegner zu schleudern. Glücklicherweise ist man auch auf der anderen Seite gut gerüstet und versteht es die kühnen Angriffe mit Energie zurückzuweisen. Gleich beim Beginne der Vorberathung wurde die Wahl eines Präsidenten in Anregung gebracht. Der Vorschlag, Herrn LLnyi, Präses der Pesther isr. CultuSgemeinde, mit dem Präsidium zu betrauen, wurde in Folge der heftigen Ausfälle des Herrn vr. Fischer aus Klausenburg gegen den abwesenden Candidaten bald wieder fallen gelassen. Herr Pollücsek auS Nagy-Kä.roly stellte die Notwendigkeit eines Präsidenten entschieden in Abrede, nachdem die Regierung doch nur die Ansicht der einzelnen Mitglieder über den Modus des einzuberufenden CongresseS zu vernehmen wünsche. Er ersuchte ferner die Versammlung, es ihm zu ermöglichen, den Wünschen jener zahlreichen jüdischen Bevölkerung, aus deren Mitte er berufen ward, treuen Ausdruck zu geben. Ließe er sich von der reformistischen Strömung hinreihen, so würde er nicht blos gegen die eigene Ueberzeugung handlen, sondern die gerechte Rüge jener orthodoxen Glaubenögenoffen über sich ergehen lassen müssen, als deren Vertreter er sich in diesem Augenblicke betrachtet. Nachdem nun der Titel eines Präsidenten als unangemessen bezeichnet wurde, wurde Herr Holländer aus Eperies zum Conferenzleiter gewählt, worauf dann die Versammlung ziemlich verstimmt auseinander ging. Zum Schluffe eine kleine Bemerkung, resp. Berichtigung. In Ihrer jüngsten Nr. brachten Sie die dem „Magyar Zstdo" entlehnte Notiz, wonach auch der Rabbiner Löw zu dieser Laienconfermz berufen worden sei. Es ward dieses Gerücht in der That während mehrerer Tage von der hiesigen Journalistik mit vielem Eifer colportirt. Doch scheint eS, als habe man an maßgebender Stelle in dem letzten Augenblicke diesen Plan fallen lassen. Holland. Gravenhafte. Der Rabbiner der hiesigen portugiesischen Gemeinde, Herr I. v. FerareS. wurde zum Ritter des niederländischen LöwenordenS ernannt. (N. Weekblad.) Italien. Verona. Das von der Municipalität eingesetzte Comitö für daS Unterrichtswesen hat bestimmt, daß kein Unterschied gemacht werden dürfe zwischen den Kindern der verschiedenen Confessionen und daß der christliche Religionsunterricht Samstag zur Zeit, wenn die israelitischen Schüler ihren Gottesdienst besuchen, ercheilt werde. England. London. Herr Rechtsconsulent Simon (Israelit) soll dem Vernehme« nach in's Ministerium berufen werden. Palästina. Jerusalem, den 13. Schebat, d. i. den 6. Febr. Heute melde ich Ihnen eine Freudenbotschaft: Rabbi Arjeh Markus ist frei! Am 1. Februar kam der langerwartete Consul des Norddeutschen Bundes, Herr Professor Petermann, hier an. Sogleich begaben sich sämmtliche Vorsteher und Rabbinen der aschkenafischen (deutschen) Gemeinden zu ihm und stellten ihm den Sachverhalt vor, wie er in diesen Blättern ausführlich berichtet worden. Nach zwei Tagen ließ der neue Consul den Gefangenen vor sich führen und gab ihm die Versicherung, daß keinerlei Zwang in Bezug auf Sarah Steinberg auSgeübt werden solle. Daraufhin lieh Rabbi Arjeh sofort das Mädchen rufen. Der Conful fragte dann das Kind: «Willst du z« deiner Schwester ziehen?*