Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1868)
- Date
- 1868-03-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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188 „Nein," entgegnete das Mädchen, „solange sie eine Apostatin bleibt, ist sie meine Schwester nicht. Ich will nur bei meinen Glaubensgenossen wohnen." Als der Consul das hörte, entließ er beide. Der preußische Consulats - Vertreter, der Dragoman Dahud, wurde sofort seines Amtes entsetzt. Gegen ihn sowohl wie gegen den amerikanischen Consul wird RabbiArjehMarkus eine Entschädigungsklage einreichen. Wir hoffen von der Gerechtigkeit der betreffenden hohen Regierungen, daß sie — schon damit in künftigen Zeiten nicht solche Unzukömmlichkeiten wieder Vorkommen — dem so schwer Mißhandelten Genugthuung verschaffen werden. Joseph Ryblin, Secretär der israel. Gemeinden zu Jerusalem. Amerika. Philadelphia. Dem „Jew. Meff." entnehmen wir die traurige Nachricht, daß Herr Rabb. Isar Leeser, Herausgeber des „Occident" und Verfasier verschiedener Werke, am 1. Februar gestorben ist. Der Verstorbene war 62 Jahre alt. jjy» Wegen Ueberfülle an Stoff mußte die Fortsetzung der Erzählung, „Der Gefangene," für diese Nummer wegbleiben. Feuilleton. Ans dem Leöm König Ludwigs I. von Wayern *). Ein Jude, Namens Ephraim, erschien eines Tages beim Könige, um ihm einen geschnittenen kostbaren Stein von seltenem Werthe zu verkaufen; er hatte das Kleinod ererbt, und konnte für denselben keinen Käufer sinden, denn derselbe hatte den Werth von einigen tausend Gulden. Dem Könige gefiel das Kleinod sehr, er zahlte die verlangte Summe, und der Jude verließ ganz glücklich den Palast. Eines Tages erschien ein berühmter englischer Archäolog am Hose des Königs; dieser ließ den geschnittenen Stein demselben zur Ansicht vorlegen. *) Anm. d. Red. Das „Wiener Fremdenblatt" enthält das vbenstehende interessante Geschichtchen; es wäre uns lieb, zu er« sahrm, ob dasselbe wahr ist; in diesem Falle könnten unsere geehrten Leser in Bayern uns sicher Näheres über den Helden desselben mittheilen. Der König nannte den Preis, um welchen er den Schatz an sich gebracht. „Ich hätte," sagte der Kenner, „den zehnfachen Werth namhaft gemacht." Der König war hierüber erstaunt, und als von anderer Seite ihm das bestätigt wurde, ließ der König den Juden herbeirufen, um ihm den vollen Werth auszahlen zu lassen. Ephraim weigerte sich, das Geld anzunehmen. „Der Handel ist geschlossen; das geht nicht," sagte er, „im entgegengesetzten Falle hätte ich Euerer Majestät auch kein Geld zurückgezahlt." „So hätte ich Sie verklagt und dazu gezwungen," sagte der König. „Majestät hätten den Prozeß sicher verloren, denn der Handel ist geschlossen." — „Ich kann mir von keinem meiner Unterthanen etwas schenken lassen," sagte stolz der König. „Und ich nehme auch von Niemandem ein Geschenk an, selbst wenn es mein König wäre," sagte der Jude. „Und wenn ich Ihnen einen Orden gäbe?" versetzte Ludwig. „Majestät, ich würde ihn nicht annehmen, denn ich habe ihn durch nichts verdient." „Sie sind der ehrlichste und uneigennützigste Mensch, der mir je vorgekommen ist." „Das verdient keine Auszeichnung, das ist nur meine Pflicht." Der König reichte dem ehrlichen Ephraim die Hand und sprach: „Seien Sie mein Freund, ich bitte Sie um Ihre Freundschaft," und schloß den alten Mann gerührt in seine Arme. Ephraim ward der Freund des Fürsten; obgleich er nur wenig besaß, erbat er sich doch nie eine Gunstbezeugung. Der König war bestrebt, sich seinem Freunde als Gönner zu bezeigen; er erfuhr, daß Ephraim ein frommer Jude sei, und ließ bei dem Oberrabbi in Fürth die Anfrage stellen, welches die höchste Auszeichnung und Würde sei, welche einem frommen Juden, als solchen, zu Theil werden kann. Die Antwort lautete ganz kurz: „Das Oberrabbinat." In Folge dieses Gutachtens ernannte der König Herrn Ephraim zum Honorar- Ober-Rabbi. Das Diplom ward dem Juden zugestellt. Mit Angst und Entsetzen las Ephraim seine Ernennung, denn er war ein im Talmud gänzlich unbewanderter Mann, und die Auszeichnung würde ihn nur dem Hohne Preis gegeben haben. In später Nacht eilte; Ephraim zum König, um diesen zu bestimmen, die Ernennung rückgängig zu machen, ehe dieselbe offiziell bekannt gemacht würde. Mit schwerem Herzen mußte der König nachgeven. „Das ist," sagte der König, „der erste Mensch, der mir auf meinem Lebenswege begegnet ist, dem selbst ein König nichts zu bieten vermag. Ephraim ist ein antiker Charakter."