Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1868)
- Date
- 1868-03-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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186 gebornen Kinder gebracht werden, Gegenstand von Beschwerden und Klagen geworden, die auch, wo sie nicht in Anträgen formulirt wurden, die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich ziehen mußten. Wenn auch der Gesetzgebung die letzte Abhilfe Vorbehalten bleiben muß, so gebot doch die Humanität, sofort Vorkehrung gegen Uebelstände zu treffen, deren Unvereinbarkeit mit den Satzungen und dem Geiste unseres öffentlichen Rechtes nicht verkannt werden kann. In diesem Sinne ist, wie wir erfahren, unterm 31. Januar ein Erlaß des Ministeriums für Kultus und Unterricht an die politischen Länderstellen ergangen. Der Erlaß sagt , daß die bestehenden gesetzlichen Vorschriften über die katholische Erziehung der in öffentliche Verpflegung genommenen Kinder, zwar nur im Wege der Gesetzgebung geändert werden könne, sie legen jedoch den Behörden nicht die Pflicht auf, ja sie geben denselben kein Recht, eine unwiderrufliche Entscheidung über die Religion, welche die Kinder nichtkatholischer Eltern angehören sollen, zur Bedingung der Uebernahme in die öffentliche Verpflegung zu machen, und so der späteren Wiedervereinigung des Kindes mit seinen Eltern, der Legitimation und der häuslichen Erziehung desselben Schwierigkeiten zu bereiten. Kinder, welche in öffentlichen Anstalten geboren werden, smd daher in diejenige Religionsgenoffenschaft aufzunehmen, welcher sie nach der Religion der Eltern angehören, sofern nicht die uneheliche Mutter ausdrücklich und freiwillig — namentlich auch unbeeinflußt durch die Drohung , daß sonst das Kind nicht in die öffentliche Pflege übernommen würde — die Taufe des Kindes nach katholischem Ritus verlangt. Die Landesbehörden werden aufgefordert, nachdrücklich darauf hinzuwirken, daß fortan in dem eben bezeichneten Sinne vorgegangen werde. (Frdbl.) Wien. Der Kantor Gold stein vom hiesigen Leopoldstädter Tempel, welcher bekanntlich von seinem Amte entlaffen wurde, ist, wie gemeldet wird, wieder in seine Funktionen eingesetzt worden. 0 tempora, o moresl! Pesth, 26. Febr. Der ungarische Ministerpräsident Graf Andrassy empfing vorgestern die Mitglieder der israelitischen Konferenz. Auf die an ihn gerichtete Ansprache erwiederte Graf Andraffy in längerer Rede. Se. Excellenz dankte zunächst für das ihm gegenüber ansgesprochene Vertrauen, den ihm gespendeten Dank jedoch lehnte er ab; er habe in in dieser Angelegenheit (Emancipation), wie in jeder anderen, nur seiner Ueberzeugung gemäß gehandelt, daher er auch den Dank nur als einen verstärkten Ausdruck deS Vertrauens betrachte. Auch bezüglich des gegen die Gesetzgebung deS Landes ausgesprochenen DankeS könne er nicht umhin zu bemerken., daß dieselbe nur der Gerechtigkeit Genüge geleistet habe, als sie einer ehrenwerthen, patriotischen und treu anhänglichen Glaubensgenoffenschaft den ihr gebührenden Platz eingeräumt und dadurch dem Vaterlande eine halbe Million guter Bürger gewonnen hat. Rücksichtlich der Art, wie dieser legislatorische Akt vollzogen wurde, sei er der Ansicht, daß derselbe gerade zur rechten Zeit erfolgt; es wäre nicht so gut gewesen, wenn er früher, und noch viel schlechter wäre es gewesen, wenn er später eingetreten wäre. Jedes Ding brauche seine Zeit, auch der liebe Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen, gewiß bedurfte er dazu so vieler Zeit, sonst hätte er sie eben schneller erschaffen.*) Bezüglich der gegenwärtigen Arbeiten der Konferenz sehe er eine Gewähr des Gelingens in der Umsicht und Wärme, mit welcher der Kultusminister dieselbe in Angriff genommen. Meinungsverschiedenheiten gebe es überall, man möge sich durch solche nicht abschrecken laffen. Es steht zu hoffen, daß die Institutionen, welche die Konferenz zu schaffen bestrebt ist, fauch für die Glaubensbrüder in anderen Ländern mustergiltig sein werden, und er sei überzeugt, daß dieselbe dazu beitragen werden, dem Lande patriotisch und treu anhängliche Bürger zu geben. Pesthr, Mitte Febr. Soeben erschien hier: „S. L. Rapoport. Eine biographische Studie nach den besten Quellen bearbeitet," von Adolf Kurländer, Verfaffer des hebräischen Werkes -pp nan '-oi. Der Vers, hat nebst den an verschiedenen Stellen zerstreuten Notizen über das Leben R.'s auch ein Verzeichniß sämmtlicher literarischen Arbeiten des Verewigten geliefert. Das Büchlein ist in einem schönen, fließenden Stile geschrieben. Das beigegebene Porträt N.'s ist gelungen. Wir wünschen dem Vers, die lebhafteste Theilnahme des lesenden Publikums. — Von M. Ehrentheil erschien: 8sber-N»^ar-Mmet Szötär Mözses öt könyvehez. Hebräisch - Ungarisch - Deutsches Wörterbuch zum Pentateuch nebst einem grammatikalischen Anhänge und vollständigen Konjugations- und Deklinations Tabellen. Das in zwei Theüen ausgegebene Merkchen ist bereits von der k. isr. Muster-Hauptschule und der Normal-Hauptschule zu Pesth als Lehrbuch eingeführt worden, was für die zweckmäßige Einrichtung desselben zur Genüge bürgt. Der grammatische Theil ist blos in Ungar. Sprache abgefaßt, was dessen Verbreitung in Deutschland allerdings hinderlich lein dürfte. Der Vers, hatte indeß vor der Hand blos die Bedürfniffe der ung.-jüd. Schule im Auge. Melaket. JOfcn, 17. Febr. In dem benachbarten Pesth geht's in diesem Augenblicke lebhaft zu. Die von Seiten Sr. Excellenz des Herrn CuluSministers Freiherrn v. Eötvös zur Abhaltung einer Conferenz einberufenen jüdischen Notabeln haben bereits heute Amn. der Red.: Wir empfehlen Sr. Excellenz das Studium der ersten Mischna des fünften Perek vom Tractat Aboth. .