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Der Israelit · 1868-03-11 · Heft 11 (11.3.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 11 (11.3.1868)
Date
1868-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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184 sprach, sich in einer Viertelstunde in der großen Durrenstraße einzufinden. Herz eilte zu einem Pferdeverleiher, und Ahron ging, um Frau Abraham Veitelsohn und deren Tochter einige Worte deS Trostes «nd der Hoffnung zu sagen. Rahel war unterdeß aus ihrer Ohnmacht erwacht; «der Mutter und Tochter gaben sich den Ausbrüchen der Verzweiflung hin. Ahron suchte sie zu trösten; er berichtete, was er erfahren hatte und suchte sie zu überzeugen, daß Abraham noch lebe; er erzählte, Laß er im Begriffe stehe, nach St. zu reiten. Da ergriff Frau Veitelsohn seine Hand und beschwor ihn, ihren Gatten zu retten, wenn noch Rettung möglich sei. „Ahron!" sagte sie, „ich habe Dich immer wie «inen Sohn geliebt; bringst du mir aber meinen Mann lebend wieder heim, so sollst Du in der That unser Sohn werden!" Ahron sah sie fragend an. Er wußte nicht, was sie meinte; er hatte es nie gewagt, den Gedanken aufkommen zu lassen, dermaleinst die Tochter seines Principals die Seine zu nennen. Da trat Rahel auf ihn zu nnd sagte mit innigem Tone: „Ahron, Du warst der theure Gespiele meiner Kindheit: Rette meinen Vater, und Du sollst mir mehr werden als das." Ahron wollte laut aufjauchzen, als er die Frauen so sprechen hörte; allein er drängte seine Gefühle zurück und verabschiedete sich rasch, begleitet von den Segenswünschen einer trauernden Gattin, einer bekümmerten Tochter. Nach zehn Minuten saß er zu Pferde; neben ihm ritt Corporal Thumann. VI. Reiter und Pferde waren mit Schweiß bedeckt, als sie das Schloß des Grafen St. erreichten. Sie waren kaum von den Pferden gesprungen, als ihnen Graf St. entgegentrat. „Himmeldonnerwettersacramenter noch einmal!" rief ihnen der Graf entgegen. „Was habt Ihr die armen Pferde zugerichtet! Solltet in meinen Diensten sein; ich würde Euch auf der Stelle fortjagen! Aber ist das nicht Konrad Thumann? Mensch, wo kömmst Lu her? Hast" eS so eilig, daß Du ein Pferd für vierzig Pistolen zu Grunde richtest? und wer ist DeinLBegleiter? „Erlaucht" «ahm Ahron Mayer, noch ganz athemloS, das Wort, „ist Herr Veitelsohn bei Ihnen?" „„Herr Veitelsohn, ich erwarte ihn seit gestern; aber er ist noch nicht gekommen!"" „Daß Gott erbarm'! Wo mag er denn sein?" „„Erlaucht,"" fragte Thumann, „steht Hans Peter Ueberlein wieder bei Euer Gnaden in Diensten?"" „„Aber Himmeldonnerwettersacramenter noch einmal, Ihr fragt und fragt und antwortet mir nicht t Ist das Räson? Du weißt doch, Konrad, daß ich den Schuft weggejagt habe, und daß ich solch einen Schandkerl nie wiedernchmen werde. Aber was soll das Alles bedeuten?"" Da zog Ahron den Brief hervor, den Abraham Veitelsohn geschrieben hatte, und überreichte ihn dem Grafen. Dieser war ganz erstarrt, als er das Schreiben gelesen hatte. Der wohlbeleibte Herr keuchte und rang nach Athem. Dann machte er sich mit seinem kräftigen Fluche Luft. „„Himmeldonnersakramenter und noch zehnmal k Das ist eine Schurkerei sondergleichen. Menschen, wie kommt Ihr zu diesem Briefe?"" „Hans Peter Ueberlein hat ihn überbracht," antwortete Ahron, „er trug die Uniform eines Jägers Eurer Erlaucht!" „„Und wieso habt Ihr Verdacht geschöpft?"" „Der Namenszug enthält einige hebräische Schriftzeichen, die uns andeuteten, daß Herr Veitelsohn sich in Gefahr befinde. Die Mittheilung des wackern CorporalS bestätigte unsere Vermuthung." „„Und wo ist Hans Peter jetzt?"" „In Hannover im Gefängniß!" Während der Graf also mit den Beiden verhandelte, waren von allen Seiten die gräflichen Diener, Knechte und Mägde herbeigekommen und umstanden die Gruppe. Schon wollte sich der Graf mit einem derben Fluche an das Hausgesinde wenden und es an seine Arbeit schicken, als eine Bauerndirne, die auf dem Schlöffe diente, verlegen an der Schürze zupfend, näher trat, sichtlich bemüht, reden zu wollen. „„Was hast du uns zu sagen, Anna Margarethe," " fragte der Graf, „ „heraus mit der Sprache!"" „Gnädigster Herr Graf," sagte diese, durch die Anrede ihres Herrn ermuthigt, „gestern Abend spät hat mein Vater einen Juden im Walde angetroffen. DaS Pferd war dem Juden durchgegangen und gestürzt. Mein Vater hat ihm aufgeholfen; der Jude hat meinem Vater einen Kronenthaler gegeben!" „„Und wohin hat dein Vater den Juden geführt?"" „In das WirthshauS zum Stern." „„Himmeldonnerwetter und noch tausendmal! ES kömmt Licht in die Sache! im Stern dient der Hans Peter als Knecht!"" (Schluß folgt.) Hierzu zwei Beilage«. Äeranüvortliche Redaclion: Di. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schm Hosduchhandlung. — Dampf-Schnellprefserümut von I. Gottsleben in Mainz.

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