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Der Israelit · 1868-03-04 · Heft 10 (4.3.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 10 (4.3.1868)
Date
1868-03-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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166 der in der Weise, daß dargethan wird, der Sachverhalt sei anders, als er berichtet worden ist, oder in der andern Weise, daß für den Fall, daß zweien Preußischen Schutzgenossen Unrecht geschehen ist, iynen auch Genugthuung widerfahren solle. Meine Herren, wir haben vor nicht langer Zeit im Preußischen Landtage und während der letzten Session im Deutschen Reichstage die Konsular-Gerichtsbarkeit näher bestimmt. Es sind damals viele Bedenken und auch viele Befürchtungen laut geworden über das Gesetz, indem man gefürchet hat, daß der Mißbrauch in der Ferne möglich sei. Wenn in der That unter der Form Rechtens Unrecht und sogar Gewalt Preußischen Schützlingen angethan sein sollte, so glaube ich, daß Remedur sofort wird eintreten müssen, um nicht von dem Konsulargesetze eine schlechte Anwendung machen zu lassen. Außerdem aber ist es nach der allgemeinen Lage rathsam, daß man nicht den Verdacht aufkommen laste, als ob die Preußische Negierung gegenwärtig noch im Auslande den Unterthanen oder Schutzgenosten nicht vollen und wirksamen Schutz verleihe. Die Anzeichen sind zu merken, daß in einzelnen Kreisen auch Süddeutschlands die Geneigtheit vorhanden ist, diese und ähnliche Umstände auszunutzen, um gegen Preußen Kapital zu schlagen, als ob auch nach den neuen Umwandlungen das nationale Gefühl nicht bester befriedigt und der nationale Schutz nicht genügend gewährt werde. Ich bin der Ueberzeugung, daß, wenn das geschilderte Unrecht in dieser oder ähnlicher Werse in Jerusalem geschehen sein sollte, die Preußische Regierung sich beeilen wird, Abhilfe zu gewähren. Denn ich meine, daß weder die Preußische noch die Nord-Amerikanische Negierung geneigt sein wird, für den Fall der ausgeübten Gewalt, ihre Konsuln oder Konsular-Agenten in Schutz zu nehmen. Das Eine oder Andere zu erreichen ist die Absicht meiner Interpellation. Ich würde der Königlichen Staats-Regierung dafür dankbar sein, wenn sie zur Beruhigung der Gemüther beitragen und entweder den Sachverhalt in einer anderen Weise, wenn er anders liegt, darthun, oder die Schritte, bezeichnen wird, welche sie zur Genugthuung für die Personen, denen Gewalt geschehen ist, ergreifen will. Präsident: Der Herr Finanzminister hat das Wort. Finanzminister Freiherr v. d. Heydt: Zunächst bemerke ich, daß in Jerusalem ein Preußisches Konsulat nicht mehr besteht, daß vielmehr das früher Preußische Konsulat zu Jerusalem jetzt Bundeskonsulat ist. Daraus erklärt es sich, daß der Staatsregierung keine Berichte zugegangen sind; sie wird aber Veranlastung nehmen, das Material an das Bundeskanzler-Amt zur weiteren Veranlassung abzugeben. Aus Weftphalen. Haben wir auch schon in Nr. 7 dieses geschätzten Blattes den geehrten Lesern die Namen der Mitglieder des neuen Curatoriums der Vereinsschule zu Münster und die Principien, von denen dasselbe bei der Anstellung eines Directors und Oberlehrers für gedachte Anstalt sich leiten lasten zu wollen, vorgibt, bekannt gemacht, so ist doch die Umgestaltung einer Lehrerbildungsanstalt, insbesondere aber einer solchen, wie der in Rede stehenden Pflanzstätte für israel. Lehrer zweier großen Provinzen, einer Anstalt, von deren richtigen oder unrichtigen Leitung also entweder die religiöse Erstarkung und Kräftigung oder Erschlaffung der jüd. Gemeinden zweier Provinzen abhängt, unv deren Leitung seit längeren Jahren noch dazu unrichtigen Händen anvertraut war, viel zu wichtig, als daß wir uns nicht erlauben sollten, nochmals darauf zurückzukommen. Denn gewiß wird sich mancher Leser, besonders in Rheinland und Westphalen, — diese sind ja am meisten bei dieser Sache interessirt — fragen: Was haben wir von dem neuen Curatorium zu erwarten? Besteht dasselbe aus Männern, die das Vertrauen des Publikums besitzen; die durch Religiösität und technische Kenntnisse von der Sache demselben sichere Garantie bieten, daß seinen schon seit langen Jahren gehegten Erwartungen endlich entsprochen, seine Hoffnung dieses Mal nicht getäuscht, und daß nach den vielen Verhandlungen am Ende nicht Alles wieder beim Alten bleibe? — Was die Mitglieder des Curatoriums anbetrifft, so wissen wir nur, daß einige derselben, wie z. B. Rechtsanwalt Metz, Lehrer Blumenfeld und Kaufmann Alsberg mit hingebender Begeisterung dem Judenthume anhangen, ein reges Interesse an seinen Institutionen haben und sich besonders für Lehrer und Schule sehr interessiren. Erstgenannter hat dieses, wie wir hier beiläufig zu bemerken uns erlauben, kürzlich noch dadurch bewiesen, daß er eine kräftige und energische Petition um Gleichstellung der israel. Lehrer mit den christl. Lehrern dem Abgeordnetenhause zu Berlin eingereicht hat und zwar aus eigenem Antriebe, ganz unabhängig von der von den israel. Lehrern Rheinlands und Weftphalens ausgegangenen, dem Abgeordnetenhause ebenfalls überwiesenen Bittschrift. Von anderen dagegen, wie z. B. Oberrabb. Kahn in Trier, wissen wir nur, daß sie der reformistischen, wenn nicht gar der destructiven Richtung im Judenthume angehören. Dieses geht schon daraus hervor, daß Genannter, wenn wir nicht irren, Mitglied der selig (?) entschlafenen Rabbinerversammlungen war, sowie noch deutlicher aus seinen in dem früheren Stein'schen „Lehrer" und im „B. CH." veröffentlichten religiösen (?) Aufsätzen. Dem traditionellen Judenthume, wie sich dasselbe aus anaa» min und ns tyiw min, sowie aus D’jnnxi d'jwmi D’pDis herausgebildet, und das man gewöhnlich mit dem Ausdrucke „orthodoxes Judenthum" bezeichnet, gehört, unseres Wissens, kein einziges Mitglied an. Es heißt zwar in der in unserm Aufsatze in Nr. 7 angeführten

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