Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1868)
- Date
- 1868-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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164 — aber, was bedeutete der sonderbare, ungewohnte Namenszug? Indessen äußerte er Nichts darüber. „Seid Ihr schon lange beim Grafen in Dienst?" fragte er den Boten. ,,„I, kennen Sie mich denn nicht mehr, Herr Veitelsohn? Ich bin ja der HanSpeter, der Sohn des alten Försters Ueberlein! Wissen Sie nicht mehr, als Sie vor drittehalb Jahren draußen waren, in dem harten Winter 65, da habe ich den Wolf geschossen, der vom Harze herübergekommen war. Sie lobten mich'damals noch so sebr."" „Ja, ja, ich entsinne mich. Nun gut, es soll Alles besorgt werden! Ihr aber werdet hungrig und durstig sein. Kommt, Ihr müßt Euch erquicken." „„Nicht doch, Herr Veitelsohn; der Herr Graf haben mir große Eile zur Pflicht gemacht. Ich habe deßhalb mein Pferd nicht einmal im Wirthshaus abgestellt."" „Nun, ein Viertelstündchen dauerts doch, bis Brief und Geld in Bereitschaft ist; bis dahin könnt Ihr schon immer Etwas genießen." „Johann!" rief er dann dem Hausknecht zu, „führe den Herrn hinauf in meine Wohnung und sage meiner Frau, sie möge ihm ein gutes Stück Braten und eine gute Flasche Wein vorsetzen." Kaum hatte Johann den angeblichen Jäger hinausgeführt, als Herz heftig nach Ahron Mayer rief. Dieser erschien, und Herz reichte ihm den Brief. Ahron warf nur einen Blick auf den Brief; sogleich rief er tief erschrocken: „Daß Gott erbarm', Herr Abraham befindet sich in Gefahr!" Herz Veitelsohn erbleichte. „Du bestätigst nur meine Vermuthung," sagte er. „Nicht wahr, der Namenszug?" „„Es sind drei p, ganz deutlich drei p, das heißt nichts Anderes als Kodausch, Kodausch, Kodausch!"" „Du hast Recht! Aber was soll das bedeuten? Graf St. ist der ehrenwertheste Eavalier im ganzen Lande." „„Und dieser Jäger?"" „Steht beim Grafen in Diensten; ich erinnere mich seiner." „„Herr Veitelsohn, wir dürfen dennoch diesen Jäger nicht fortlassen. Ich laufe auf die Polizei."" „Thu' das, mein Sohn, aber eile!" Rasch holte Ahron seinen Hut und eilte davon. Vor dem Hause trat Corporal Thumann auf ihn zu. „Herr," sagte er, „können Sie mir vielleicht Auskunft geben, was der Reiter, dem dieses Pferd da gehört, in diesem Hause da zu thun hat?" „„Warum,"" fragte Ahron gespannt, „„kennt I Ihr vielleicht den Reiter?"" » „Ja, er war früher Jäger beim Grafen St." > „„Wie, sagt Ihr, er war früher Jäger beim I Grafen? Ist er es kenn-jetzt nicht mehr?"" I „Nein, Herr, schon seit zwei Jahren nicht!" 1 „„Corporal, was Ihr mir da sagt, ist mir von 1 der größten Wichtigkeit. Bitte, kommt mit zu meinem 1 Principal."" j Ehe Ahron jedoch den Corporal ins Haus führte, 1 ging er zu dem Arbeitsmanne, der das Pferd Hansj Peters hielt und beauftragte ihn, dasielbe in die „Stadt Hamburg" zu führen, wo es auf Kosten der Herren \ Veitelsohn verpflegt werden sollte.; Sprachlos vor Erstaunen hörten Herz Veitelsohn! und Ahron die Erzählung des Corporals an; jetzt blieb ihnen kein Zweifel, Abraham war irgendwelchen Schurken in die Hände gefallen. Unterdeß hatte Hanspeter gegessen und getrun-! ken; er batte sich sehr beeilt und kehrte nun ins Comp-! toir zurück, um zu sehen, ob sein Paquet fertig sei. z Als er eintrat, sah er zu seinem Schrecken den Cor-! poral Thumann, den er sofort erkannte. Augenblicklich merkte er, daß seine Rolle ausgespielt, daß er erkannt und verratheu sei. Schnell wandte er sich nach der Thüre und stürzte vor das Haus, um sein Roß zu besteigen und eilig fortzugaloppiren. Aber sein Pferd war verschwunden; doch schon hörte er Herz, Abron und den Corporal, wie sie ihm nachliefen. Eilig lief er davon, einerlei wohin; aber die Verfolger liefen mit lautem Geschrei hinterher. „Haltet den Schuft, den Mörder!" rief der Corporal. Die ganze Straße gerieth in Allarm. Aus allen Thüren stürzten die Leute hervor; auch Abraham's Frau und Tochter eilten aus ihrer Wohnung herzu. „Mörder?" fragte Rahel, „wer ist denn ermordet?" „Ihr Vater, Mamsell," antwortete einer der Veitelsohn'schen Commis, welcher Etwas von den laut geführten Gesprächen im Hiuterstübchen gehört hatte, „der Mensch hat Ihren Vater ermordet!" Mit lautem Aufschrei sank das Mädchen in Ohnmacht. Jammernd stürzte sich die Mutter über ihr Kind. „Mein Kind!" rief sie, „mein einziges Kind stirbt! Mein Mann ist tobt, und mein Kind stirbt!" Mit Mühe gelang es, Beide in das Haus zurückzuschaffen. Unterdeß hatte man Hanspeter eingefangen und mit eilig herbeige.folten Stricken gebunden; so brachte man ihn auf die Polizei. (Fortsetz, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf»Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.