Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1868)
- Date
- 1868-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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168 I Herr Epurano und Diejenigen, welche die JSrae- Iliten vertheidigen wollten, wurden beschimpft, unddieß I Alles, ohne daß der Präfect Maßregeln ergriffen hätte, l die Räuber zu vertreiben. k Die Juden verdanken den Gendarmen ihr Leben. r Amerika. □ Obgleich wenige genaue Nachrichten über die; Ansiedelungen der Juden in den Vereinigten Staaten i existiren, weiß man doch, daß sie zu den Pionnieren geij hörten, welche, durch Tyrannei aus der alten Heimath vertrieben, eine Heimath in der neuen fanden. Die j erste Nachricht von einer jüdischen Einwanderung daj tirt vom 24. August 1694. Äm 24. August 1694 kam ein Schiff in Newport, Nhode Island, damals ein Haupthafen der Colonien von einer der westindischen Inseln, an, welches viele jüdische Familien an ' Bord hatte. Diese theils sehr bemittelten Familien! siedelten sich an obigem Platze an und gründeten bald > die erste Gemeinde, „□H^v-rnn" (Haus Gottes) ge«! nannt. Sie bestand aus 60 Mitgliedern, und ihr IE Rabbiner hieß Abraham Azenedo. Es war die erste portugiesische Gemeinde. Seitdem sind die Israeliten über die Vereinigten Staaten verbreitet. Die Demokratie bot den unter monarchischem Drucke Geknechteten ein A'yl, welches ihnen gestattete, nicht nur im Handel, in Künsten und Wiffenschaften sich hervorzuthun, sondern auch als Bürger im Rathe eines freien Volkes mitzusprechen. Bereits im Jahre 1856 gab es 77 Synagogen in den Verein. Staaten, davon 13 in New- Jork, die sich seitdem auf 39 in dieser Stadt und Brooklyn vermehrt haben. Von der Bevölkerung der Israeliten sind 35,000 im Handel, 7500 in Gewerben, 1425 als Künstler, 2730 in Literatur beschäftigt. Feuilleton. Aas WirtHshaus im Waide. (Fortsetzung.) IV. In der Wachtstube am Aegidii-Thore in Hannover ging es lebhaft zu. Da saßen die Unteroffiziere und Soldaten in ihren rothen Röcken und spielten Karten; andere tranken Bier und rauchten aus thönernen Pfeifen. Am Fenster aber stand ein Corporal und schaute finsteren Blickes auf die Gasse. „Corporal Thumann," redete ihn ein Sergeant an, „seid doch nicht immer so traurig? Kommt, macht ein Spielchen mit uns und vergeht endlich Em-en Herzenskummer!" „Laßt mich, Sergeant Kohlhaase!" entgegnete der Corporal in mürrischem Tone. Während der Anrede des Sergeanten war der wachhabende Offizier in die Wachtstube getreten. „Herzenskummer?" fragte er. „Was hat denn der Corporal Thumann für Herzenskummer? Ist er vielleicht verliebt?" „Nein, Herr Lieutenant, das nicht," entgegnete Sergeant Kohlhaase. „Ack, es ist eine traurige Geschichte, die den armen Kerl ganz desperat macht. Er hatte eine einzige Schwester, die auf dem Schlosse des Grafen St. diente; die Hut sich von einem Jäger des Grafen verführen lassen und dann ins Wasser gestürzt. Die Mutter ist darüber vor Gram gestorben. Die Geschichte ist schon zwei Jahre her und war beinahe vergessen. Nun aber, seit drei Nächten erscheinen ihm Mutter und Schwester jede Nacht im Traum und-fordern ihn auf, sie an dem Verführer zu rächen. Der arme Junge wird noch verrückt darüber." In diesem Augenblicke stieß Corparal Thumann einen Schrei aus. Alles wandte sich nach ihm um. Er aber trat rasch auf den Lieutenant zu. „Herr Lieutenant!" rief er, kreideweiß im Gesicht , „Herr Lieutenant, geben Sie mir Urlaub auf ein Paar Stunden!" „WaS hast Du vor, armer Junge?" fragte der Lieutenant mitleidsvoll. „Herr Lieutenant!" rief Thumann ängstlich, „bei meiner Seelen Seligkeit beschwöre ich Sie, ballen Sie mich nicht auf. Später sage ich Ihnen Alles!" „So geh in Gottes Namen!" Mit einem Satze war Thumann draußen. Er hatte den Verführer seiner Schwester, der kein Anderer als Hanspeter war, zum Tbore hereinreiten sehen. Wie ein Blitz war es ihm durch den Kopf geschossen, daß die Gelegenheit zur Rache da sei. Wie kam Hanspeter in die gräflich St?sche Uniform, da er doch wegen jener traurigen Geschichte aus dem Dienste gejagt worden war? „Da ist eine Schurkerei im Gange," sagte sich Corporal Thumann; „die mußt du hintertreiben und zugleich deine arme Schwester rächen." Cr folgte dem Reiter, der sich nicht nach ihm umschaute. Unterdeß fragte Hanspeter einen Vorübergehenden nach dem Comptoire der Gebrüder Veitelsohn. Man wies ihn in die große Dnvenstraße, Nummero 10. Dort angekommen, rief er einen Arbeitsmann, dem er fein Pferd zum Halten übergab und ging in das Haus. Corporal Thumann wartete vor dem Hause. Hanspeter leß sich in daö Hinterstübchen zu Herz Veitelsohn führen; dieser erkannte sofort die Uniform. „Ah," rief er ihm entgegen, „Ihr seid ein Bote von Schloß St.! Ist mein Bruder doch wohl?" „„Ihr Herr Bruder ist gesund und munter. Sein Auftrag steht in diesem Briefe."" Herz nahm den Brief und las ihn aufmerksam durch. Ja, es war die Handschrift seines Bruders