Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1868)
- Date
- 1868-03-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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162 räumt, die Ihnen im Wege gestanden; es ist nunmehr Ihre Aufgabe die errungene Freiheit mit Umsicht zu verwerthen, denn wirklich frei können die Angehörigen der israelitischen Confession nur durch ihre eigenen Anstrengung werden. Der unerschütterlichste Grundpfeiler der Freiheit ist die Autonomie. Hieraus ergibt sich Ihre Aufgabe, meine Herren, von selbst. Sie haben nämlich zunächst den Modus zu berathen, nach welchem die Vertreter sämmtlicher Israeliten des Landes zu einem Congresse ^gewählt werden könnten, deren Aufgabe es wäre, die Regelung der israelitischen Consessionsangelegenheiten gesetzlich zu begründen. Eine zweite Aufgabe der Vertrauensmänner ist es, Eleborate zu vereinbaren, die den Berathungen des Congresses zur Basis dienen sollen, und haben auch diese Vereinbarungen der Vertrauensconferenz nur die Bedeutung von Vorarbeiten, so möge denselben doch die möglichste Sorgfalt zugewendet werden, da dieselben eine Ausgabe fördern helfen, dessen endgiltige Lösung im Interesse der israelitischen Glaubensgenossen sowohl, als in dem deö Staates in gleichem Maße höchst wünschenswerth wäre. — Abends fanden sich die Conferenzmitglieber bei einem Bankette ein, das die in Pesth wohnenden Vertrauensmänner zu Ehren ihrer College» aus der Provinz veranstaltet hatten. Aus der Reihe begeisterter Toaste auf Se. Majestät den König, auf Se. Exccllenz den 6 ultu s mini st er, auf den ungarischen Reichstag, auf den weist'tt Führer der Nation Franz Deak rc. gestalten wir uns hier zwei derselben ihres Inhaltes wegen besonders hervorzuh-ben. Herr Holländer aus Eperies suchte nämlich das Verhältnis; der Pesther israelitischen Cultusgemeinde zu ihren Schwestergemeinden in der Provinz in der Weise zu veranschaulichen, indem er sie als einen hohen Berg in der Mitte vieler kleinerer Berge darstellte, dessen Gipfel zuerst von den goldenen Sonnenstrahlen erleuchtet und erwärmt werden, die Pesther Gemeinde verdiene mithin den Landgemeinden gegenüber ein gewisses Maß von Präponderanz, die ihr mit Recht nicht streitig gemacht werden dürfe. Herr Pappenheim aus Preßburg eröffnete hierauf seinen Toast in folgendtr Weise: „Auch ich, meine Herren, gestehe es gerne ein, daß das Verhältniß der Pesther Gemeinde zu den Landgemeinden dem eines hohen Berges, umgeben von einer Menge kleinerer Berge vollkommen gleiche. Doch ließ der Allvater in seiner himmlischen Weisheit das Licht der Thora nicht auf dem Höchsten der Berge, sondern aus dem kleinen, bescheidenen Sinai erstrahlen. Warum also eine Präponderanz dem höchsten Berge zugestehen, wenn Gott den niedrigen bevorzugt? - Ein donnerndes „Eljen!" folgte den geistreichen Worten des schlichten Mannes, dem auch aus der Mitte der gegnerischen Partei lebhaft applaudirt wurde. # Zenta, Mitte Februar. Der „Magyar Israelita" leitet das talmudische nojan rva von Djp ab. Es scheint, daß dem Redakteur erwähnten Blattes der Tempel als Strafe vorkomme. Wir haben hier einige ähnliche Journalisten, die die Preßfreiheit mißbrauchend, die herzloseste Logik- und Sprachquäl er eien sich zu Schulden kommen lasten.? D o n a u f ü r st e n t h ü m e r. Bnkaresft. Ein von Verlad aus an das „Echo Danubien" gerichteter Brief berichtet wieder von neuen daselbst stattgefundenen Exceffen. Derselbe lautet: Ich beeile mich, Ihnen von neuen „Unglücken" mitzutheilen, ehe ich von hier M reise, um dem allgemeinen Untergange, der uns bedroht, zu entgehen, denn ein schreckliches Complott wurde in Verlad angestiftet, das nichts Geringeres zum Ziele hat, als sämmtliche Juden, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts, zu tödten. Gestern Nachmittag um 5 Uhr stürzte sich eine Rotte von ungefähr 1000 Personen, geleitet von einigen Anstiftern, auf die Israeliten mit einer teuflischen Wuth und plünderten diese Unglücklichen bis auf's Hemd. Noch kann ich den Schaden nicht ermesten; nur das weiß ich, daß der Schaden, der den Israeliten in der Straße, in der ich wohne, angerichtet wurde, sich auf 15,000 Ducaten beläuft. Meine Frau und ich sind fast ungekleidet. Alle rneme Möbel, Spiegel und andere Gegenstände sind von den Plünderern weggenommen worden. Alles wurde ohne Mitleid zerstört. Den Arbeitern hat man ihre Werkzeuge zerbrochen. Alle Fenster und Thore der Häuser der Israeliten wurden eingeschlagen, so daß wir genöthrgt sind, uns mit Strohmatten zu bedecken, um nicht vor Kälte zu sterben. Unsere Synagogen sind demolirt und bis auf's Fundament zerstört. Die heiligen Schriften (nnin nsD) wurden zerrissen und mit Füßen getreten. Die reichsten Israeliten sind in das tiefste Elend gestürzt. Die Caffaschränke der Israeliten wurden mit Gewalt geöffnet und das Geld daraus weggenommen. Meine Hand zittert, denn das Unglück ist so groß und so schrecklich, daß es mir durchaus unmöglich ist, Ihnen unfern schrecken zu schildern. Das „Bulletin International" veröffentlicht folgende Depesche: Die Depeschen aus Verlad - verlangen Hilfe gegen die grausamen Thaten der Bevölkerung, welche die Synagogen niederriß und die Häuser der Israeliten zerstörte. Der Banquier Thenen, dessen Haus bis auf den Grund niedergerissen, entging nur mit Mühe einem gewissen Tod. Der Rentier Numts, der schrecklich mißhandelt wurde, ist gefährlich krank. Die Kaufleute Nachbar u. Comp, und andere sind gänzlich ruinirt.