Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1868)
- Date
- 1868-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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161 zuheben. Es ist die Erste, welche den Juden in Oesterreich den Weg zum Richteramte baynt, das ihnen anderwärts in Deutschland so streng verschlossen ist. Gewünscht wird ln liberalen Kreisen, daß die Ernennung nicht beendet werde, wie eine ähnliche im Jahre 1849, die später, als die Tage der Reaktion anbrachen, dadurch wieder „gutgemacht wurde", daß man den Ernannten zwang, eine Advocatenstelle anzunehmen, die er erhielt, ohne die Advocatenprüfung gemacht zu haben. (V. Z.) Pefth. Der un ga rische Kultusminister Eötvös empfing am Montag die nach Pesth berufenen israelitischen Repräsentanten. In wenigen Worten gab der Führer der Vertrauensmänner dem Danke Ausdruck für die Sorgfalt, welche der Herr Kultusminister, nachdem er 30 Jahre für die Bürgerrechte der Juden gestritten, nun auch den inneren Angelegenheiten derselben zuwendet. Ich danke — so beiläufig lautete die Antwort Sr. Excellenz — für Ihr Vertrauen. Der schönste Tag meines politischen Lebens war der, an welchem das Vaterland sich mehr als 400.000 Landesbürger erwarb, und wenn bei bedeutenden Ereignissen von einem unbedeutenden Menschen die Rede sein darf, brachte er auch mir für mein dreißigjähriges Bemühen die erhoffte Satisfaktion. An diesem Tage erwarb die Nation für ewige Zeiten 400,000 Bürger, denn es ist meine Ueberzeugung, daß der Mensch nur jenes Land als sein Vaterland erkennen kann, in welchem er sich frei und gleichgestellt fühlt. Em Freudentag war er für die Israeliten, aber er war auch ein äußerst glücklicher Tag für das Land, denn ich glaube, es ist dies die größte Errungenschaft, welche eine Nation innerhalb eines einzigen Tages gewinnen kann. Die Freiheit zu proklamiren, ist eine große That, aber die Freihei' wahrhaft ins Lebens treten zu machen, ist eine große Aufgabe. Eine Aufgabe für Sie, denn das Land konnte Ihnen blos die Feffeln abnehmen, es konnte die Hinderniffe beseitigen, aber wahrhaft frei kann jeder nur durch seine eigene Thätigkeit sein. Unsere Nation, welche die Freiheit stets hochgehalten, hat dieses große Princip stets zu Ehren gebracht, indem sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Autonomie walten ließ. So ist es denn auch unsere Aufgabe, die konfessionellen Angelegenheiten der Israeliten durch deren eigene Thätigkeit regeln zu laffen; leichter und bequemer wäre es allerdings, den Gegenstand durch Oktroyirung einer, nach irgend einer Chablone ausgearbeiteten Verfassung abzuthun, aber eine dauerhafte Befriedigung bieten nur solche Institutionen, die die eigene Schöpfung derjenigen sind, welche sich derselben zu bedienen berufen sein werden. Ich werde sie daher zu bitten haben, mir den Modus anzugeben, wie der Zusammentritt einer solchen Körperschaft zu bewirken sei, in welcher sämmtliche Gemeinden Ungarns ihre berechtigten Vertreter sehen würden. Natürlich werden Sie, nachdem Sie hier versammelt und so viele ausgezeichnete Kapazitäten vereint find, hiebei nicht stehen bleiben, und die Konferenz, welcher übrigens irgend eine Beschlußfähigkeit nicht innewohnt, 'wird auch jede Vorarbeiten erledigen, über welche endgiltig zu beschließen der seinerzeit, der baldmöglichst zusammentretende Kongreß berufen sein wird. Es ist zunächst das Interesse der israelitischen Glaubeusgenoffen, daß sie zu einer Organisation gelangen, welche ihnen die möglichste Freiheit und Selbstständigkeit auf confessionellem Gebiete sichert, es aber nicht minder im Jntereffe des Staates, der daS Aufsichtsrecht der mosaischen Religion gegenüber in demselben Maaße in Anspruch nimmt, wie allen andern Konfessionen gegenüber. Peflh, t6. Febr.*) Die hier versammelten isr. Vertrauensmänner hielten gestern eine Vorkonferenz, in welcher beschloffen wurde, daß die Versammlung sich am nächsten Tage in corpore Sr. Excellenz dem Kultusminister vorstellen werde. Herr Lanyi wurde als Sprecher gewählt. Heute Vormittags wurde der eben erwähnte Beschluß ansgeführt, indem sämmtliche Vertrauensmänner dem Kultusminister ihre Aufwartung machten. Herr Lanyi sprach den tiefsten Dank dafür aus, daß Se. Excellenz sich bewogen gefühlt, sofort nach erfolgter 'Gleichberechtigung der Israeliten Ungarns denselben die Mittel zu bieten, die Regelung ihrer inneren Angelegenheiten in autonomer Weise bewerkstelligen zu können. Indem Seine Excellenz für das in ihn gesetzte Vertrauen und die Würdigung seiner Intention in herzlichen Worten dankte, drückte er gleichzeitig seine persönliche Genugthuung darüber aus, daß die Gesetzgebung mehr als 400,000 Landeskmder endlich seine Rechte ertheilt, die ihnen so lange vorenthalten waren. Es war ein schöner Tag, fuhr er in sichtlicher Begeisterung fort, an welchem das Recht diesen Sieg gefeiert; ein schöner Tag insbesondere in seinem eigenen, beinahe ein Menschenalter umsaffende politischen Leben, indem er es mit Genugthuung sagen kann, unablässig für das Zustandekommen dieses legislatorischen Aktes nach Kräften gewirkt zu haben. Wenn es aber eine erhebende Handlung ist, die Freiheit zu ertheilen, so ist es eine noch erhebendere, die Freiheit zu kräftigen und zu erhalten. Das weiß die ungarische Nation aus ihrer eigenen Geschichte. Die Vertreter der Nation haben die Fesseln gelöst, die Ihre freien Bewegungen gehemmt, sie haben die Hindernisse wegge- *) Anm. der Red.: Der Wichtigkeit des Gegenstandes halber geben wir auch diesen Bericht von einem andern Correspondenten.