Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1868)
- Date
- 1868-02-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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153 Ministratiori des Fürstenthums. Er studirte die Gesetze und Verordnungen mit derselben Umsicht, derselben Unermüdlichkeit und Energie, wie er einst die Gesetzgebung der Juden in Fürth studirt hatte. Bald erblickte er in den Staatsangelegenheiten so viele widersprechende Gesetze, so viele dem Staate unnütze und schädliche Verordnungen, daß deren Aufzählung den Markgrafen in Erstaunen setzte und ihn mit der größten Hochachtung für das Talent Elkan's erfüllte. Er ersuchte meinen Bruder, die Gesetze, sowohl die sich einander widersprechenden als die fehlerhaften, zu verbesiern und sie ihm zur Unterschrift vorzulegen, was auch geschah. Durch diese Arbeit erwarb sich Elkan Fränkel die Gunst des Markgrafen im höchsten Grade, so daß er fast Alles am Hofe vermochte. Er wurde nicht nur in den wichtigsten Staatsgeschaften zu Rath gezogen, namentlich bei den Conferenzen des Ministers von Bredow und des Regierungsrathes Weyl, sondern auch bei jeder andern Angelegenheit. Sein Einfluß und seine Dienstwilligkeit waren so allgemein bekannt, daß ich Hunderte von Beweisen anführen könnte; ich begnüge mich mit zwei Beispielen, welche vielen Lärm verursachten. Herr Wolfgang Christian Fürst, Prediger zu Prickestadt, hatte einen Bruder, der Rechtsgelehrter war, und um eine Amtmannsstelle nachsuchte. Da er aber nur 1500 Gulden statt 2000 Gulden zu der erforderlichen Caution besaß, so wurde er zurückgewiesen. Da schrieb der Prediger einen hebräischen Brief an Elkan Fränkel, in welchem er ihm die Sache seines Bruders auf's Beste empfahl; sein Wunsch wurde auch gleich erfüllt. M. Meelführer, Sohn des Schwabacher Pfarrers, bat um eine Unterredung mit dem Obervorfteher Elkan Fränkel, in einem Briefe an mich, Hirsch, seinen Bruder. Beide Sollicitatoren bedienten sich in ihren Schreiben prunkvoller Titulaturen, versehen mit Bildern und Redensarten der heil. Schrift. Der Eine sagte unter Anverm: Er sei hocherfreut, daß er, Fränkel, erhöht worden sei', wie Mardochai und geehrt wie Daniel; daß sein Sitz über alle Sitze der Herren, die mit ihm berathen, erhoben morden sei; er sei ein Mann, den Gott, der Heilige, erkoren, und ihn mit Klugheit so erleuchtet habe, als wenn in ihm göttliche Weisheit wohnte. Der Andere schrieb: Ich, Hirsch Fränkel, sei ein weltberühmter Lehrer, ein Wundermannn, ein Führer der Rabbiner über alle Rabbiner. Mein Bruder Elkan Fränkel, der große Führer des Volkes, voll hoher Würden, Haupt, Regent und Obervorsteher u. s. w. Diese Briefe, aufgefunden und bei der Haussuchung mit Beschlag belegt, erregten großes Aergerniß beim Consistorium. Fürst wurde mit Weib und Kindern verstoßen und Meelführer ebenfalls seines Amtes entsetzt. Vergebens verwahrten sie sich gegen ihre Briefe, daß sie dem „allgemeinen Fränkelianismusu gehuldigt haben; ihr Loos war entschieden. Ich habe diese kleine Begebenheiten erwähnt, nicht etwa aus Eitelkeit, sondern weil sie uns ein treues Bild von dem großen Einflufle meines Bruders am Hofe des Markgrafen von Anspach geben. In der That war Elkan Fränkel im ganzen Fürstenthum allmächtig. Diese Allmacht war auf seine allen andern Räthen des Markgrafen überlegene Weisheit und Mäßigung gegründet. In dieser Beziehung unterschied er sich von dem Hofjuden Marx Model, dessen Einfluß auf sein Geld allein gegründet war. Daher war er auch nicht, wie mein Bruder, der Eifersucht der fürstlichen Räthe ausgesetzt. Ja, Model's GeÜ» war dem Staate so nothwendig, daß es ihn vor allen Gefahren schützte, und er ruhig auf seinem Bette starb, während die Geschicklichkeit meines Bruders entbehrlich zu sein schien, und er ein Opfer der Eifersucht seiner Amtsgenoffen wurde. Was mein edler Bruder für unsre Brüder, die Israeliten, im Fürstenthum war, brauche ich nicht erst zu erzählen, weil ein Theil seiner edlen Bemühungen für seine Glaubensgenoffen unter einer so willkürlichen Negierung wie die Anspachiche als Ankläger gegen ihn diente; die übrigen Dienste, die er ihnen leistete, sind Gott, dem Ewigen, bekannt, der ihn im Himmel dafür reichlich belohnen wird. Genug, Elkana Fränkel war eine starke Mauer für das Judenthum im Fürst enthum Anspach. Er war aber auch ein treuer Diener seines Herrn, des Markgrafen, und in diesem Bewußtsein kümmerte er sich wenig um seine Feinde. Was konnten sie ihm vorwerfen? was gegen ihn Vorbringen? Ach, diese Sicherheit war Selbsttäuschung, edeldenkender Bruder; an der Spitze deiner Feinde stand nicht mehr Marx Model, sondern seine zwei Söhne, Gsik und Elia- Model, die keinen solchen Abscheu, wie ihr Vater, vor Angeberei hatten. Sie und der Regierungsrath Appold fanden einen getauften Juden, Christhold genannt, dem sie dafür Geld gaben, daß er es übernahm, Dich durch Denunciation zu stürzen! Er gab vor, wer mag's glauben, Elkan Fränkel sei im Besitz jüdischer Bücher, in welchen sich Lästerungen gegen das Christenthum befänden, und aus denen er gebetet habe. Er habe ferner eine Judenbücheruntersuchung hintertrieben, Judentaufen verhindert, sich endlich den wichtigsten Staats- und Cabinetsachen unterzogen, absurde und gefährliche Gesetze zur Unterschrift vorgelegt, und Anordnungen über eine beffere Einrichtung des Staates entworfen und getroffen. Auf Grund dieser Denunciationen, die, abgesehen von den erlogenen Anschuldigungen, mehr Lob als Tadel für meinen guten Bruder enthielten, wurde er von seinen eifersüchtigen Collegen und Feinden verur-