Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1868)
- Date
- 1868-02-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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153 Bezüglich letztern Punktes wird ihm gewiß alle Welt vollkommen beipflichten. Nur Eines möchten wir gelegentlich bemerken. Wir wissen nicht, wie die Begeisterung der französischen Lehrer trotz des spärlichen Gehaltes aussteht. So viel ist gewiß, daß Hierlands bei leerem Magen die Begeisterung nur selten sich einstellt. Der Herr Minister möge vor Allem für ein Arcanum gegen die Magen-Leerhöit Sorge tragen. Die Begeisterung der ungarischen Lehrer wird dann gewiß der anderer Länder nicht nachstehen. Nachdem das Blatt die Schulverhältnisse des ganzen Landes in den Bereich seiner Erörterungen zieht, wäre es gewiß wünschenwerth, ja selbst billig, wenn auch ein jüdischer Fachmann in dem siebensprachlichen Redaktionsbüreau angestellt würde, damit nach dieser Richtung hin kein Mißgriff stattfinde. # Dona ufür ftenthümer. Bukarest. Im Nachstehenden theilen wir unfern Lesern eine Stelle aus der von der rumänischen Kammer an den Fürsten Karl gerichteten Adresse, die auf die Israeliten in diesem Lande Bezug hat, mit: „WaS die delicate Frage „der Fremden israelitischen Ritus, die in das Land eingewandert sind," betrifft, hat deren Cultus zu allen Zeiten vollständige Toleranz in Rumänien gefunden und genießen dieselbe heute noch ohne Einschränkung. „Als Repräsentanten der Nation werden wir dieser Frage die größte Aufmerksamkeit schenken, um ihr eine Lösung zu geben, welche die Gerechtigkeit und die Interessen des rumänischen Volkes befriedigen wird." Sind die Worte „Fremde, Eingewanderte" nicht grausam charakteristisch für die Rumänier? Aegypten. Alexandrien. Herr I. L. Menasce hat am 16. Dezember in seiner Villa zu Alexandrien zu Ehren des Vice-Königs von Aegypten einen glänzenden Ball gegeben. Seine Hoheit wohnte, begleitet von seinen Ministern, demselben bei. Es ist das erste Mal, daß ein türkischer Fürst in seinem eigenen Lande die Einladung eines Privatmannes angenommen hat; diese Thatsache ist eine erfreuliche Erscheinung für alle Fortschrittömänner und besonders für das israelitische Volk, dem Herr Menasce angehört. Derselbe war einige Tage vorher zum Commandeur des Medschidje-Ordens dritter Klasse ernannt worden. Der Vice-König kam um halb 11 Uhr mit einem Extrazug aus Cairo an. Nach längerem Aufenthalte reiste er wieder ab. Die Zahl der Eingeladenen belief sich auf beinahe 1500. Amerika. New-Aork. Die Sammlung zu Gunsten der „Damen-Bikur-Cholim-Gesellschaft" erzielte eine Summe von 2400 Dollar. Adew-Uork. Nach dem „Jew. Mess." soll sich eine amerikanische Lebensversicherung erklärt haben, für die Israeliten einen billigeren Policetarif aufzustellen, weil die Lebensdauer derselben im Durchschnitt eine längere ist als die der übrigen Confessionen. Nach demselben Blatte soll in Jerusalem Gasbeleuchtung eingeführt werden. Feuilleton. Der Gefangene. Eine wahre Geschichte, von dem Helden derselben selbst ausgezeichnet. Mitgetheilt von E. (larmoly. (Fortsetzung.) VIII. Erhebung und Fall. Die Geschichte ist reich an armen Fürstendienern, welche von von der erstiegenen Höhe ebenso schnell herabfallen, als sie dieselbe erreicht haben. Namentlich war dies der Fall bei vielen Juden im Dienste der kleinen Fürsten, wie sie Deutschland seit Jahrhunderten besitzt. Mein armer Bruder war Einer dieser Unglücklichen, und sein Fall zog auch mich in'S Verderben, mich der nur im Dienste Gottes lebte, und keinen andern Dienst weder kannte noch wünschte. Doch ich will der Geschichte nicht vorgreifen, und den Gang der Begebenheiten nicht überspringen. Gleich beim Antritt der Regierung des Markgrafen Wilhelm Friedrich, im Jahre 1703, wurde Elkan Fränkel, in einer Audienz in Cadolzburg, vom Markgrafen huldreich empfangen. Es wurde ihm dort die fürstliche Gnade verliehen, und er ward kurz darauf in einem Dekret öffentlich belobt. Im Jahre 1704 ernannte ihn der Markgraf zum Vorsteher der Fürther Gemeinde mit einem Gnadengeschenk von 600 und einem Vorsteher-Gehalte von 200 Gulden. Von dieser Zeit an wurde mein Bruder immer näher und näher an den Hof des Markgrafen gezogen. Er mußte nach Anspach übersiedeln, und dort als Odervorsteher der Juoen des Fürstenthums ihre Angelegenheiten besorgen. Aber die Thätigkeit meines Bruders beschränkte sich nicht allein auf die Angelegenheiten der Israeliten, sondern erstreckte sich auf alle Zweigen der Ad-