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Der Israelit · 1868-02-26 · Heft 9 (26.2.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 9 (26.2.1868)
Date
1868-02-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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151 daß sie von den damit verbundenen Rechten der Landstandschaft und der Jurisdiction und PoUzei, soweit eS sich um die Untersuchung und Bestrafung von Der? gehen handelt, ausgeschlossen bleiben und die Kosten der Stellvertretung in letzterer Beziehung zu tragen haben. Oesterreichischer Kaiserstaal. Wien. Der Kaiser von Oesterreich hat zu gestatten geruht, daß Herr Emil Landau den ital. Lazarusordcn, der Großhändler Moritz Pollak den kaiserl. russischen Annen-Orden dritter Casse, der Prokur aführer des Bankhauses Weikersheim, Heinrich Brandts den ottomanischen Medschidje - Orden vierter und der Kassier dieses Bankhauses Moritz Janowski diesen Orden fünfter Clasie annehmen und tragen dürfen. Wien. In dem vom österreichischen Ministerium des Aeußern den Delegationen vorgelegten „Rothbuch" heißt es über die Verfolgung der Juden iu Rumänien: „Acte der Willkür, gegen Israeliten in der Moldau geübt, habe« in neuerer Zeit die Gefühle der gebildeten Welt peinlich berührt. Tie k. k. Regierung hat unter den europäischen Staaten zuerst und mit aller nötbigen Entschiedenheit die Pflicht erfüllt, sich für die Achtung der mißkvnnten Menschenrechte jener Unglücklichen zu verwenden und der günstige Erfolg, den ihre Mahnungen errangen, hat ihr zu aufrichtiger Befriedlauug gereicht." (Leider haben diese Interventionen menig genutzt, wie die neueren Ereignifle zeigen.) Wie«. Wir erfahren von Paris, daß die kaiserliche Commission, welche einen Reorganisationsplan für die Pariser Sternwarte auszuarbeiten hotte, die Einsetzung eines aus vier Mitgliedern bestehenden astronomischen Rathes zur obersten Leitung des Institutes beantragt und als eines dieser vier Mitgliederden jungen österreichischen Gelehrten Herrn Moritz Löwy in Vorschlag gebracht hat. Herr Löwy, der zu den ausgezeichnetsten Mitgliedern des Pariser Observatoire zählt, hat vor etlichen Jahren der Wiener Sternwarte als Hilfsarbeiter angehört und verließ dieselbe, weil er als Jude keine definitive Anstellung erlangen konnte. Frankreich nahm ihn auf und hielt ihn reichlich schadlos. Wien. Herr G. Schlesinger hat zehn Stipendien zu 60 Gulden jährlich, zur Hälfte für katholische, zur Hälfte für israelitische Schüler des Realgymnasiums in der Leopoldstadt gestiftet. PeftH. Wie uns mitgetheilt wird, hatte auch der Oberrabbimr der Alt-Ofner israelitischeu Cultusgemeinde eine Vorstellung an den Herrn Cultusminister Baron Eötvös in dem Sinne gerichtet, daß die bis jetzt bestehende Gepflogenheit, wonach die israelitischen öffentlichen Schulen unter christlicher Oberaufsicht stünden, aufgehoben werden möge. Schon am nächsten Tage (am 22. v. M.) erfuhr die Eingabe diegewünschte Erledigung, indem die Eingangs erwähnte Gemeinde durch eine von dem Herrn Cultusminister unterzeichncte Zuschrift aufgefvrdert wurde, für die Direktion ihrer Schulen eine geeignete Persönlichkeit in Vorschlag zu bringen. Die Kunde von dieser Aufforderung hat unter allen Gemeinde-Angehörigen den freudigsten Eindruck hervorgerufen. Gestern Sonntag entsendete dir Gemeinde unter Führung des Oberrabbiners eine Deputation an den Herrn Cultusminister, um demselben den Dank aussprechen zu lassen. Der Oberrabbiner hob in seiner ungarischen Ansprache hervor , daß unser Vaterland nach 'so vielen traurige« Prüfungen endlich der göttlichen Gnadensülle sich erfreue , die mich darin sich herrlich bekunde, daß die Angelegenheit des geistigen Fortschrittes unseres Vaterlandes unter den erhabenen Sckutz des erleuchteten Baron Eötvös gesetzt sei. Der Cultusminister erwiederte auf diese Worte in huldreicher Weise, er hoffe das in ihn gesetzte Verttauen nach jeder Richtung hin zu rechtfertigen; was namentlich die jüdischen Angelegenheiten betreffe, so sei der durch das Gleichberechtigungsgesetz ausgesprochene einstimmige Wille der Nation, die Israeliten in den Schooß ihres Volksverbandes aufzunehmen, und die jetzt ihnen verliehene Autonomie nur der Grund zu einem glücklichen Aufbau der Regelung jüdischer Zustände, welcher in einem demnächst einzuberufenden Convent die Vollendung erhalten soll. Von diesem Convent werden alle religiöse Angelegenheiten ganz fern gehalten werden, indem diese zu dm innern, auf autonomer Basis ftei zu behandelnden Angelegenheiten gehören. Der Convent werde vorwiegend die Aufgabe haben, die Beziehungen des Staates zur jüdischen Confession und deffm Oberaufsichtsrecht über jüdische Lehr- und Bildungsanstalten der Jsraelttm zu nonmren und festzusetzm. Die Deputatton wurde nach diesen Worten Sr. Cxcellenz in der huldvollsten Weise entlassen. Ans Ungarn, im Febr. Die erste Nummer der unter Leitung Sr. Cxcellmz des Herrn Kultusministers in sieben Sprachen erscheinenden pädagogischen Wochenschrift „Nöptanitvk Lapja" ist soeben ausgegeben und an alle Lehrer Ungarns gratis versendet wordm. Der erste Leitartikel bildet eine Ansprache des Kultusministers, Herrn v. Eötvös, an die Lehrer. In dieser wird hervvrgehvben, daß die ungünfttge materielle Lage der Volksschullehrer in unserem Lande den traurigm Zustand des Unterrichtswesens in unserem Daterlande um so weniger rechtfertige, als doch auch in Frankreich die Lehrergehalte überaus spärlich bemessen sind, während die Volksschule trotzdem des schönsten Aufschwunges sich erfreut. Der Minister gelangt auf diesem Wege zu dem Schluffe, daß alles von der Begeisterung der Lehrer für ihren hohen Beruf bedingt ist.

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