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Der Israelit · 1868-02-26 · Heft 9 (26.2.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 9 (26.2.1868)
Date
1868-02-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. S des Israelit. Leitender Artikel. Der Mothstand in Preußen und Rußland. Mainz, den 19. Februar. Die Redaction des zu Lyk in Westpreußen erscheinenden „Hamagid" hat in Nr. 6 der genannten Zeitschrift einen Aufruf an die im Auslande, namentlich in Amerika und Australien lebenden, wohlhabenden russischen Israeliten zur Unterstützung ihrer durch Hunger und Krankheit schwel heimgesuchten Landsleute und Glaubensgenossen erlassen. Die in Australien, namentlich in Melbourn e und Sidney wohnenden russischen Israeliten sind sehr reich; es hat sich an ihnen in gar wunderbarer Weise das Walten der göttlichen Vorsebung bewährt. Als Kaiser Nicolaus im Jahre 1845 die harten Ukase gegen die an der Grenze wohnenden Israeliten erließ, begab sich bekanntlich der edle Sir Moses Montefiore nach Rußland, um das Elend abzuwenden oder doch zu lindern. Damals wurden viele, das Nothwendigste entbehrende, israel. Familien von diefirn edlen Menschenfreunde zur Auswanderung nach Australien veranlaßt; von wohlthätigen englischen Glaubensgenossen wurden sie mit den nöthigen Mitteln versehen. Die neuen Einwanderer legten in Australien Wirthschasten und Branntweinbrennereien an, wie das auch zu Hause ihre Beschäftigung gewesen war. Kaum hatten sie sich in der neuen Heimath eingewohnt, als jene ungeheuren, australischen Goldlager entdeckt wurden, von denen natürlich große Mengen in die Hände der Gastwirthe, Restaurateure und Branntweinschenkeu wanderten. So wurden diese noch vor ganz kurzer Zeit nackten und hungernden Armen unermeßlich reich. roiDt> rapn „Gott hatte eS zum Guten gelenkt". — Mögen nun auch diese Männer, die jetzt seit 20 Jahren im höchsten Wohlstände leben, ihren leidenden Landes- und Glaubensgenoffen thatkräftig beistehen. In Nr. 7 erwähnt „Hamagid" unseres leitenden Artikels in Nr. 6 dieser Blätter und fährt dann fort: „Da wir (die Redaction des „Hamagid") an der russischen Grenze wohnen und die Verhältnisse durch eigene Anschauung kennen, so fühlen wir uns veranlaßt, Folgendes mitzutheilen: „Es ist wahr, daß in den preußischen Grenzstädten, namentlich in Memel und Tilsit, arme russische Israeliten wohnen, die der Unterstützung werth und bedürftig sind — aber das Unglück derselben ist lange nicht so bedeutend als das derjenigen Israeliten, die in Rußland in Polen, sowohl an der Grenze als weiter nach Innen wohnen, woselbst die Unglücklichen im traurigsten Sinne des Wortes Hungers sterben. Da fino Tausende von Familien, die ihre Wohnungen nicht verlassen können, die ohne Hilfe find, ohne die nothwendigsten Lebensmittel — die Hungers sterben. Für diese Elenden thut die Hilfe am Schleunigsten noth." „Hamagid" fordert in Folge deffen die Rabbinen und Vorsteher der russischen Gemeinden aus, Comit^s zu bilden, um die vom Auslande zufließenden Gelder in Empfang zu nehmen und zur richtigen Vertheilung zu bringen. Während wir Dieses schreiben, empfangen wir eine Depesche von Memel, in der uns mitgetheilt wird, „daß sich daselbst ein Comitä von ehrenwerthen Glaubensgenossen gebildet habe, um die in den westrussischen Provinzen wohnenden, hilfsbedürftigen Glaubensgenossen zu unterstützen; es soll uns brieflich näbere Mittheilung werden. Da jedoch in den ersten Tagen der nächsten Woche die Officin, in welcher der „Israelit" gedruckt wird, wegen der christl. Feiertage geschloffen wird, und daher der Druck dieser Nummer früh vollendet sein muß, so können wir jetzt die brieflichen Mittheilungen des Comitv's von Memel nicht abwarten; es müssen daher dieselben für die nächste Nummer verbleiben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 21. Febr. Vom Herrn Abgeordneten LaSker zu Berlin erhalten wir die briefliche Mittheilung, daß der Herr Finanzminister (welcher während des Urlaubs des Ministerpräsidenten diesen vertritt) ihm privatim die Versicherung gegeben, daß bezüglich der Angelegenheit des R. Arjeh Markus zu Jerusalem ausreichende Recherchen angestellt werden würden. Herr Lasker selbst wird persönlich die Angelegenheit beim Bundeskanzleramt verfolgen und das Resultat seiner Zeit veröffentlichen; Herr L. spricht ferner die Ueberzeugung aus, daß, soweit der Bericht die Thatsachen wahrheitsgemäß darstellt, eine gründliche Abhilfe nicht ausbleiben wird. Daß die Berichte, welche wir in Bezug auf die in Rede stehende Angelegenheit veröffentlicht haben,

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