Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1868)
- Date
- 1868-02-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Ner Frau und meinem Kinde! Freilich , ich verdiene Deine Gnade nicht — Chotoßi, owißi, poschati, ich Habe gesündigt, ich habe gefehlt, ich habe gefrevelt! ich bin zu stolz gewesen auf Geld und Gut, das Du mir Unwürdigem gnädiglich verliehen hattest; ich habe geringgeschätzt Tugend und Frömmigkeit und habe das GeV> höher geschätzt als Alles. Doch Du, mein Gott, bist gnädig und barmherzig! Rette mich aus dieser Noth! Verzeihe mir meine Schuld! Ach, ich roll! mich bessern, will anders werden - nur laß mich hier -nicht sterben durch Mörderhand! Erleuchte meine Gedanken, Allgütiger, daß ich einen Weg zur Rettung finde!" — Nachdem Abraham unter heißen Thränm also gebetet hatte, erhob er sich vom Fußboden und fing an, seine Lage zu überdenken, dabei im Zimmer auf- und abgehend. Der Mond schien hell herein, so daß man gut sehen konnte, wiewohl die Räuber das Licht mitgenommen hatten. „Also," sprach Abraham vor sich hin, „einen Brief wollen die Schurken, in welchem ich zweitausend Thaler anweism soll. Wenn ich in dem Brief in hebräischer Schrift eine Andeutung anbrächte? Doch das werden die Schufte nicht zugeben! Ach, so soll ich denn hier sterben! O, rette mich Du, der Du dreimalheilig genannt wirst!" Abraham schwieg; es dämmerte in ihm bei den letzten Worten ein Plan auf. Wie, wenn er die Anfangsbuchstaben des „dreimal heilig," die drei „p" in seinem Namenszuge anbrächte? Vielleicht würde das seinem Bruder auffallen, vielleicht würde er daraus die Lebensgefahr errathen und die Rettung versuchen? Cs war doch ein Schimmer von Hoffnung! Abraham beschloß, also zu thun. Bald kehrten die Räuber zurück; Hanspeter hatte fie für für seinen Vorschlag gewonnen. „Herr Veitelsohn," redete er den zitternden Abraham an. „Wir wollen Sie am Leben lassen, wenn Sie dasselbe mit noch zweitausend Thalern auslösen." „Zweitausend Thaler," entgegnete Abraham, „ist viel Geld, und mit den tausend, die Ihr schon habt, macht es dreitausend Thaler!" „O," entgegnete Hanspeter, „Sie könnten noch viel, viel mehr geben; wir wollen uns aber damit begnügen." „Nun gut," sagte Abraham darauf, „ich bin's zufrieden. Schickt Jemanden mit mir, dem ich in Hannover das Geld ausbezahle." „Glaust Du, daß wir Narren find?" entgegnete der Wirth. „Ich will euch," fiel Abraham schnell ein, „den heiligsten Eid schwören, das Geld zu geben und euch nicht zu verrathen." „Gut," sagte Hanspeter, „den Eid, uns nicht zur verrathen, werden Sie schwören, sobald wir das Geldhaben. Bis dahin bleiben Sie hier in Gewahrsam. Jetzt schreiben Sie den Brief, den ich Ihnen dictire!* Hanspeter stellte ein Schreibzeug auf den Tisch,, legte einen Briefbogen daneben, fing dann an zu dietiren, und Abraham schrieb: „Gut St. dm 15. Julii 1767." „Mit Gott!" „Mein geliebter Bruder!" „Wohlbehalten hier angekommen, melde ich Dir, daß ich noch einige Tage hier zu thun haben werde. Der Herr Graf wünschen jedoch noch 2,000 Thaler in Gold sofort zu haben, die Du deßhalb dem Ueberbringer, einem treum, zuverlässigen gräflichen Jäger behändigen wirst. Schicke mir auch durch ihn noch etwaS Weißzeug und etwas Fleisch. Grüße uiir AÜeS> von Deinem treuen Bruder Abraham Veitelsohn, Als Abraham den Brief beendet hatte, nahm Hanspeter denselbm und las ihn wohlgefällig durch. Dabei sah ihm der Sternenwirth überdie Achsel. „Was ist das für ein Geschnörkä?" ftagte dieser, auf dm Namenszug deutend. „Das ist der Nammszug!" belehrte Hanspeter, „das machen die HändelSleute unter den Namen, damit man ihre Handschrift sobald nicht nachmach eir könne. — Und nun, Herr Veitelsohn, nehmen Sie Ihren Brief, machen Sie ihn zu, schreiben Sie die Adresse darauf, und ich werde ihn schon zusiegeln mik dem Petschaft hier an Ihrer ehemaligen Uhrkette." Seufzend that Abraham, wie ihm geheißen wurde.. Dann verließen ihn die Räuber. Noch einmal warf sich Abraham zur Erde nieder und flehte heißinnig zu Gott um Rettung. Dann warf er sich auf sein Lager; aber der Schlaf floh ihn; erst gegen Morgen siegte die Müdigkeit, und Abraham verfiel in einen unruhigen Schlummer, aus dem er bald wieder durch Angst und Furcht emporgeschreckt wurde. Unterdeß war Hanspeter zu Pferde gestiegm, um nach Hannover zu reiten; sein Spießgeselle Fritz begleitete ihn zwei Stunden weit. Dann hielten sie an einer entlegenen Stelle an. Hanspeter vertauschte hier seine Kleider mit der Uniform eines gräflich St.'schen Jägers und ritt dann allein weiter, während Fritz in das Wirhöhaus zurückkehrte. (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Stevactwn: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'ichm Hosbuchhandlung. — Dampf * Schnellpressendrucl von I. GottSleben in Mainz.