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Der Israelit · 1868-02-19 · Heft 8 (19.2.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 8 (19.2.1868)
Date
1868-02-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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132 bei der letzten Epidemie die filbere Verdienstmedaille erwarb, erhielt dieses Jahr neuerdings die goldene Medaille. Paris. Der verstorbene Elias Furtado, Mitglied des Central-Confistoriums, hat dieser Administration eine Summe von 16000 Fr. zu Gunsten der Wittwen isr. Beamten vermacht. Paris. Die internationale Gesellschaft zur Hilfe der Verwundeten, welche im jüngsten Kriege große Dienste geleistet hat, hat vor Kurzem Herrn Baron James v. Rothschild eine silberne Medaille für dessen Hilfe, die er den verwundeten Soldaten gewährte, verliehen. Paris. Der pensionirte Gensdarm Moses Hirsch, welcher seit 35 Jahren in Diensten ist und während dieser Zeit 11 Gefechte mitgemacht und dabei zwei Wunden erhalten hat, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. (Univ. Isr.) England. London. Die folgenden Thatsachen, welche der „Standard" erzählt, werden hinlänglich beweisen, daß die englischen Missionäre besser daran thun würden, ihren eigenen Mitbürgern Civilisation zu predigen, als in der Ferne die Seelen einiger durch Armuth herabgekommener Juden zu fischen. Bor den Asfisen in Staffordshire kam ein Criminalfall zur Verhandlung, dessen Hauptanklagen sich gegen zwei Mädchen im Alter von ungefähr 14 Jahren richteten. Bei ihrem Verhöre machten sie die Bemerkung, daß sie weder schreiben noch lesen gelernt, daß sie niemals zum Besuche einer Schule oder einer Kirche angehalten wurden, auch daß sie niemals von einer Bibel sprechen hörten. Der Vertheidiger sprach sich in seinem Plaidoyer darüber folgendermaßen aus: „Ich kann nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, wie beklagenswerth es ist, daß in unserm Staate solche traurige Zustände Vorkommen könnm. Wir legen uns den Namen eines christlichen Volkes bei und behaupten, daß unser Land ein civilisirtes sei, aber die Aussagen der Angeklagten stehen damit in directem Widerspruch. Diesen jungen Mädchen ist nicht einmal der Begriff über die Existenz eines Gottes beigebracht worden! _ Wir senden Missionäre nach allen Weltgegenden, aber was hat das für einen Nutzen, wenn in unserem eigenen Lande ein solcher Grad von Unwissenheit herrscht?" Palästina. Jerusalem, den 27. Debet (22. Januar). Das traurige Drama, von welchem ich in meinem jüngsten Briefe berichtete (siehe Nr. 7 leit. Art.), hat noch immer seinen Abschluß nicht gefunden. Rabbi Arjeh Markus ist noch inhaftirt. Es herrscht hier allgemeines Erstaunen, daß der preußische Generalconsul sich von den Missionären verleiten läßt, gegen alles Recht und gegen alle Billigkeit zu verfahren. In voriger Woche haben wir an die Kgl. preuß. Gesandtschaft in Conftantinopel und an das hohe Ministerium in Berlin Befchwerdefchriften abgesandt; allein es fehlt uns ein Schreiber, welcher der deutschen Sprache so mächtig ist, daß er unfern Wünschen gemäß an jene hohen Stellen berichten könnte.*) Wie wir vernehmen, wird nächstens der Generalconsul Weber von Beirut hier eintreffen, um den neuenConsul Petermann in sein Amt einzuführen. Hoffentlich werden beide Männer durch persönliche Einsichtnahme die Ueberzeugung gewinnen, welches große Unrecht hier geschieht und die Freilassung des R. Arjeh anordnen. Feuilleton. Aer Gefangene. Eine wahre Geschichte, von dem Helden derselben selbst ausgezeichnet. Mitgetheilt von E. (Jarmoly. (Fortsetzung.) VII. Ein Familienfest. Um diese Zeit wurde mein seliger Vater als Rabbiner nach Hanau berufen. Er nahm diese Stellung bereitwillig an, weil dort die Verhältnisse der Israeliten besser als in Bamberg waren. Bevor er aber von dannen ging, feierte er ein Familienfest, die HochzeitSfeier seines ältesten Sohnes, Elkaua Fränkel, der eine reiche Erbin aus Fürth hekmfü)rte. Ein freundlicher Himmel hatte sein reines Blau über die im Glanze der Sonne erwachende Erde gebreitet. Eine lebhafte Aufregung machte sich in allen Räumen des Hauses bemerkbar. Geschäftige, schwarz gekleidete Männer rannten hin und her. Herren und Frauen, in eleganter Tracht, von Gold und Juwelen strahlend, füllten bald das ganze Haus. Unter diesen bemerkte man die Gebrüder Jsaac und Israel Fränkel aus Fürth, die drei Söhne Isaaks, Aaron, Bermann und Sacharia Fränkel, und den gelehrten Henoch Levi, der bei der Versagung der Israeliten aus Wien ebenfalls nach Fürth übergesiedelt war. Die Braut, im reichen Hochzeitskleid, war von ihren Eltern und Verwandten umgeben. *) Anm. der Red.: Die an uns gerichteten Briefe sind in hebr. Sprache abgefaßt.

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