Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1868)
- Date
- 1868-02-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Der Bräutigam, ein stattlicher Jüngling, voller Kraft und Muth, hieß seine Gäste auf eine feine Art willkommen, denn er war mit hervorragenden geistigen Fähigkeiten begabt. Als alle HochzeitSgäste versammelt waren, ging der Zug, Braut und Bräutigam an der Spitze, nach der Synagoge. Das Morgengebet wurde feierlich verrichtet, Braut und Bräutigam neben einander auf zwei Sessel in die Vorhalle der Synagoge gesetzt, mit einem langen weißen Tuche von blendendem Atlas bedeckt, und die Hochzeitsleute streuten jeder eine Handvoll Waizenkörner über sie. Nach dieser Handlung, deren Werth durch den Gebrauch, die Waizenkörner mit kleinen Silbermünzen für die Armen zu vermengen, erhöht wird, kehrte man nach dem Hochzeitshause zurück, wo die Gäste auf's Beste bewirthet wurden. Die Aufzählung der .Hochzeitsgeschenke, über die ein ausführliches Register geführt wird, folgte dem Frühstück. Um ein Uhr fand die Trauung statt; der ehrwürdige Rabbi Henoch Frankel, der Vater des Bräutigams, hielt eine sehr gehaltvolle Rede, in welcher er das Ehepaar an seine heiligen Pflichten als Israeliten und Menschen ermahnten und es zu deren Beoachtung aufforderte. Sieben Tage lang feierte der gute ^Vater die Vermählung seines geliebten Sohnes; am Ende dieser fröhlichen Tage nahm er Abschied von seiner Gemeinde. Er dankte ihr in rührenden Worten für das unbeschränkte Zutrauen, das sie in ihn während der ganzen Zeit seines Rabbinats gesetzt, ebenso für ihre Liebe und Zuvorkommenheit, deren er sich bei jeder Gelegenheit erfreut hatte. Er gab ihnen Allen seinen Segen und beschwor sie, dem heiligen Glauben ihrer Väter treu und anhänglich zu bleiben, sich unter einander zu lieben, wechselseitig zu helfen, und die Armen zu unterstützen. Am Tage der Abreise kamen alle Verwandte und Bekannte von Fürth nach Bamberg. Mein seliger Vater empfing sie mit Herzlichkeit, und hielt eine rühmende Ansprache an sie: „Ich reise von Euch nun fort," sagte er, „ohne die Hoffnung Euch wieder zu sehen. Mein geliebter Sohn Elkan, der bleibt, wird mein Andenken in Fürth in Ehren erhalten. Er ist ein edler Jüngling, voller Liebe zu unserer Nation. Er wird Euch nützlich sein. Gern hätte ich meinen zweiten Sohn, der in den heiligen Gesetzen wohlerfahrene Hirsch bei Euch gelassen; diesen kann ich aber nicht gut entbehren. Er erleuchtet meine Augen in der Lehre Gottes, und wird mich einst, wenn es dem Ewigen gefällt, mich zu sich zu nehmen, in meinem Amte ersetzen. Was meinen jüngsten Sohn, den guten Moses betrifft, so ist er noch zu jung, um Euch Don Nutzen zu sein." Die ganze Gemeinde von Bamberg^und alle die, j welche von Fürth gekommen waren, begleiteten unS mehr als eine Stunde weit unter heißen Thränen. Unsere Ankunft in Hanau wurde sehr herzlich begrüßt, und mein seliger Vater erfteute sich dort bis zu seinem Tode der Liebe und des Zutrauens der ganzen Gemeinde. Er ruht in Ehren auf dem Friedhofe zu Hanau. Um auf meinen Bruder Elkan in Fürth zurückzukommen, so bemerke ich, daß er sich bald im Jntereffe der Gemeinde sehr thätig zeigte. Die Fürther Gemeinde verdankte ihre Entstehung und Erhaltung in der Nahe der den Juden feindseligen Stadt Nürnberg dem Umstand, daß die Domprobstei von Bamberg und das Fürstenthum Anspach, an dem Hofmarkt Fürth Theil hatten, und beide Regierungen jüdische Unterthanen dort schützten. Diese israelitischen Bewohner Fürths, durch äußere Gesetze und Abgaben verschieden, in eine Gemeinde vereinigt, verursachten viele Administrationsschwierigkeiten und Verwirrungen. Elkan studirte mit vieler Umsicht und Beharrlichkeit die verschiedenen Gesetze und Steuern der Regierungen von Bamberg und Anspach in Bezug auf die Fürther Juden und brachte vieles Licht in die Dunkelheit der Gemeinde-Angelegenheiten. Sonderbare Sache! Wahrend die ganze Gemeinde für die bambergische Regierung sympathisirte, weil sie im Allgemeinen mehr als die Anspachische Regierung den Juden zugethan war, entdeckte Elkan, daß für die Israeliten in Fürth die letztere der ersteren vorzuziehen sei. Diese Entdeckung, gegründet auf Elkans tiefen Blick in die Privilegien der beiden Iudensorten von Fürth, über ihre Aufnahme, ihren Schutz, ihr Gewerbe rc., aus der er kein Geheimniß machte, verursachte ihm viele Feinde. Besonders ttat der sogenannte Hofjude Marx Model feindlich gegen ihn auf; denn obgleich im Dienste der Anspachischen Markgrafen, war er doch für die Bambergische Domprobstei in Betreff der Israeliten von Fürth. Dieser Mann, der mehr als dreißig Jahre lang Vertteter der Juden, nicht nur im Fürstenthum Anspach, sondern auch in der Domprobstei von Bamberg war, verdient näher bekannt zu werden. Ich gebe hier einen kurzen Abriß nach einer Geschichte seines Lebens, die von seinen Kindern veröffentlicht wurde, und die ich gelesen habe. Mordechai, oder Marx Model, war in ganz Deutschland der glücklichste Jude seiner Zeit. Ge stammte von Mutter Seite von der berühmten Familie Oettinger. Sein Großvater Simon, Sohn des Model Oettinger, war der bekannte Simon Model, Hofjude des Markgrafen Albrecht. Der Bruder von Simon Model war der berühmte Abraham Model Oettinger, kaiserlicher Rath in Wien. Vom Himmel mit vielen Reichthümern und vielen Kindern bescheutt.