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Der Israelit · 1868-02-19 · Heft 8 (19.2.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 8 (19.2.1868)
Date
1868-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 8 des ZsraeM. geitrrrrgSnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe. Unser Glaubensgenosse, Herr Ministerialrath Ellsiädter von Karlsruhe, wurde zum badischen Finanzminister ernannt. Fürth, im Februar. Die confesstonelle Verschiedenheit der Bevölkerung Deutschlands nimmt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Es leben im Gebiete des Nordbundes 20,638,400 Protestanten, 7,952,800 Katholiken, 64,000 sonstige Christen, 340,200 Juden (davon in Preußen nach desten jetzigem Umfange 15,411,000 Protestanten, 7,803,200 Katholiken, 58,800 andere Christen, 315,400 Juden); in den Südstaaten 3,571.300 Protestanten, 5,055,400 Katholiken, 14,800 andere Christen, 133,000 Juden. Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs beträgt nach Brachelli 1,121,100 Juden, so daß sich die jüdische Gesammtzahl Deutschlands und Oesterreichs auf 1,5'. 4,300 beläuft. Es gereicht uns zum Vergnügen, nunmehr registriren zu können, daß das Comitä der in diesen Blättern öfter besprochenen isr. Bürgerschule einen Platz in freundlicher Lage zum Baue eines eigenen Hauses um den Preis von fl. 6300 angekauft hat, da die freiwilligen Beiträge und Schenkungen schon eine achtungswerthe Höhe erreicht haben. Die Vornahme des auszuführenden Baues ist der gegenwärtige Gegenstand der Besprechung. Professor Jesaias Heidegger, Rabbinats-Substitut dahier, ist im Alter von 71 Jahren mit Tod abgegangen. Derselbe war ursprünglich als Talmudlehrer ausgenommen, und nahm seit Sistirung der hiesigen Jeschiwa obigen Posten ein. Das Leichenbegängniß bot einen imposanten Anblick, denn eine bedeutende Mensa, enmenge erzeigte dem seit 40 Jahren im Amte gestandenen Biedermanne die letzte Ehre. Dem Leichenwagen folgten nächst den leidtragenden Anverwandten Herr Rabbiner Dr. Löwi, dann die Repräsentanz der hiesigen Gemeinde, sonstige Honoratioren rc. und am Friedhofe angelangt, sprach Herr Dr. Löwi warme, tiefgefühlte, das Andenken des Verstorbenen ehrende Worte. Ob die Stelle H.'s wieder besetzt wird, ist uns zur Zeit noch unbekannt, sobald wir hievon unterrichtet sind, werden wir pflichtgemäß referiren. S. H. Berlin, den 3. Februar. Zwei Reisende, polnischer Nationalität und israelitischen Glaubens, erscheinen heute vor dem Polizeirichter, jeder von ihnen des Bettelns angeklagt. Der Eine war in einen Handschuhladen getreten und dort von einem Schutzmanns arretirt worden. Richter: Geben Sie zu, in einem Handschuhladen gebettelt zu haben? Angeklagter: Ich habe gewollt kaufen ei» Paar „Hänschkes" (Handschuhe). Richter: Wenn man Etwas kaufen will, so bleibt man doch nicht demüthig an der Thüre stehen! Angeklagter: Gestrenger Herr Richter, ich bür gewohnt aufzutreten überall mit Bescheidenheit. Sie werden mich doch nicht wollen bestrafen, weil ich bin ein bescheidener Mensch? Da man bei dem Angeklagten eine Baarschaft von 22 Thalern gefunden, so findet seine Angabe Glauben; er wird freigesprochen. Der andere Angeklagte, der in derselben Weise sich auszureden versucht, wird jedoch zu einem Tage Gefängniß verurtheilt, da man nur 15 Pfennige bei ihm gefunden, die allerdings zu Einkäufen nicht ausreichen. — wvpjj? 'bm soiy ~iro. Hamburg, den 9. Febr. Die hiesige Stadt beschloß, Volksschulen zu errichten, welche jedweder Confessio« zugänglich sein sollen. Um nun die Humanität dieses Vornehmens vollkommen zu machen, erklärt die Oberschulbehörde in dem der Bürgerschaft zur Berathung überwiesenen Entwurf des neuen Unterrichtsgesetzes die jüdischen Kinder vom Schulbesuch am Sonnabend entbunden, und geht sogar so weit, für den Ersatz des auszufallenden Unterrichts Sorge zu tragen. Der hierauf erfolgte Bericht des BürgerschaftSausfchuffes verwirft diesen PaffuS, in der Meinung, den jüdischen Schülern und der Schule überhaupt entstehe ein Nachtheil durch ein solches Ausnahmegesetz. Dagegen wurde in den „Hamb. Nachr." ein mit I. Unterzeichneter Artikel veröffentlicht (von dem Bibliothekar der hies. Stadtbibliothek Dr. Jsler), um die Bürgerschaft zu bestimmen, bei der Berathung im Plenum den bezüglichen Passus des Entwurfs wieder aufzunehmen. In diesem Sinne wurde auch eine von Oberrabb. Stern und einigen Hundert Mitgliedern der deutsch-isr. Gemeinde Unterzeichnete Petition durch dajüd. Bürgerschaftsmitglied Dr. May der Bürgerschaft eingereicht. Mitarbeiter des Entwurfs der Oberschulbehörde ist der große Pädagoge Hoffmann, der sich entschieden für den DiSpens ausspricht. — Voraussichtlich wird die Bürgerschaft in dieser Frage über den Bericht ihres Ausschusses zum ursprünglichen Entwurf zurückkehren.

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