Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1868)
- Date
- 1868-02-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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128 „„SM,"" entgegnete der Wirth, „„den Juden Befördern wir noch heute Nacht in Abrahams Schooß!"" Es war Mitternacht. Hell stand der Mond am Himmel, und der Nacktwind rauschte leise in den Bäumen. In der Natur herrschte der tiefste Friede; aber vor dem Zimmer Abrahams standen drei zu'n Morde entschlossene Menschen. Armer Schläfer, was nützt dir dein Gold, auf das du so stolz bist? Kann es dich vom Tode erretten, dem dich die Habsucht dreier entschlossener Kerle geweiht hat? Abraham hatte den Nachtriegel an seiner Thür vorgeschoben; allein ein starker Druck Hanspeters drückte die eisernen Klammern aus dem Holze und die drei Männer traten in das Zimmer. Von dem Geräusche erwachte der Schläfer. Er richtete sich im Bette auf und sah erschrocken die drei Männer eintreten. „Was wollt Ihr?" rief er ihnen entsetzt entgegen. „„Dein Geld, Jude!"" schrie Hanspeter. „O," rief Abraham, „ist das recht, einen Reifenden, der vertrauensvoll bei Euch eingekehrt ist, zu berauben?" „„Ja,"" lachte Hanspeter, „„es ist sehr unreckt! Aber Gewalt geht vor Recht, und Du siehst, daß die Gewalt unser ist. Heraus aus dem Bette und gib unö Dein Geld!"" Zitternd langte Abraham seine Börse und seine goldene Uhr von dem Tische, der vor seinem Bette stand, und überreichte sie dem Räuber. Dieser steckte die Uhr zu sich und öffnete gierig den Geldbeutel. „Silber!" rief er enttäuscht. „Wo hast du dein Gold, Jude? Mach' schnell, oder ich schlitze dir den Bauch auf!" Jammernd betheuerte Abraham, daß das Alles sei, was er bei sich habe. „„Mach' ein Ende, Hanspeter,"" sagte der Wirth, „„gib ihm den Gnadenstoß! Was er bei sich hat, finden wir nachher schon!"" „Du bist ein dummer Kerl, Sternenwirth," entgegnete Hanspeter, „diese Juden sind sehr klug und verbergen ihr Gold manchmal so gut, daß kein Christenmensch eö finden kann. Ich wette, daß Herr Veitelsohn" — dabei machte er eine höhnische Verbeugung gegen den Unglücklichen — „in diesem Mantelsack viel Geld hat, welches wir ohne seine Beihilfe nicht entdecken. Dann werfen wir vielleicht den Koffer weg, und das Geld ist verlorem. Nichts da, der Jude selbst muß uns das Gold herausgeben!" „Ich habe kein Gold!" rief Abraham ängstlich. „Hier ist der Schlüssel zu dem Mantelsack; seht selbst nach." Hanspeter öffnete den Mantelsack; er warf das Talith und die Tephillin, das Gebetbuch und die- Speisen, ein Hemd und ein Paar Strümpfe heraus. Er öffnete das Papier, in welches die Speisen gewickelt waren, und fand kein Gold. Da trat er auf Abraham zu und setzte ihm den Hirschfänger, den er in der Hand hatte, auf die Brust. „Jude," rief er, „das Gold, oder ich tödte dich sofort." „Laßt mich," rief Abraham da, „ich will Euch Alles geben." Seufzend öffnete er durch eigenthümlichen Druck den doppelten Boden des Mantelsackes; der Boden war aus hartem Leder, so daß man das Gold, das darin verborgen war, weder von Außen noch von Innen fühlen konnte. Als die Räuber das Gold glänzen sahen, stießen sie einen Jubelruf aus. „Wer ist nun der Klügere, Sternenwirth," rief Hanspeter, „ich oder du? — So, jetzt, nachdem er uns sein Geheimniß verrathen, können wir den Juden abthun!" Als Abraham diese schrecklichen Worte hörte, ward er noch bleicher als zuvor. Er stürzte nieder- und umfaßte Hanspeter's Knie. „Erbarmen," rief er, „habt Erbarmen! Tödtet mich nicht! — ich habe Euch ja Alles gegeben, warum wollt Ihr mich tödten?" „„Damit du uns nicht verräthst, Jude!"" In diesem Augenblicke erhob der dritte Räuber das- Beil, das er in seinen Händen hielt, hoch in die Lust, um mit einem Schlage Abraham's Haupt zu spalten. „„Halt ein, Fritz,"" rief da Hanspeter, „„mirfällt ehen noch Etwas ein, wozu wir den Juden nochbrauchen können."" Der Angredete ließ das Beil sinken. Dann zählten die Räuber das Gold — es waren 200 SouiSb'or — 1000 Thaler in Gold. „„Jude,"" sagte dann Hanspeter, „„ziehe bir einstweilen die Kleider an. Ihr aber kommt mit mir vor die Thür; ich sage Euch was!"" Die beiden Räuber folgten ihm zur Thüre hinaus. Abraham blickte nach den Fenstern — sie warerr vergittert. Dann eilte er an die Thür und legte seirr Ohr ans Schlüsselloch. (Fortsetzung folgt.)! Hierzu zwei Beilage«. , Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck non I. Gottsleben in Mainz.