Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1868)
- Date
- 1868-02-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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186. Ler wegen verweigerter 24 fl. für die Armen öffentlich mit dem Bannfluch belegt haben. Die verehr!. Redaction der Prager „Gegenwart" hat sich deßhald um Aufschluß an benannten Rabbiner gewendet, und von demselben ein Schreiben erhalten, aus dem wir Nachstehendes mittheilen: „Die traurige Hungersnoth, die ibre vernichtende Hand über Tausende von jüdischen Seelen hier ausfkeckt, hat das Gefühl der Barmherzigkeit, das jedem Israeliten innewo^rt, mächtig angeregt, und ich veranstaltete ein Comilv, welches sich unter meiner Leitung mit dem Sammeln von Geld und Brod befaßte. Wir gingen von Haus zu Haus und fanden überall freundliches anerkennendes Entgegenkommen, wir kamen auch in das Gewölbe des Esra Heller, aber schon beim Eintritte bemerkten wir seinen Unwillen; kein Bewillkommnen, ja selbst keinen Gegengruß! Als wir ihn um einen Beitrag ansprachen, erwiederte er in wenigen Worten: „ Ich gebe nichts" warum? „Ich habe einen alten Vater, dem die Gemeinde eine verlangte Unterstützung von 30 fl. verweigerte," „aber dieser gehört nicht zu unserer Gemeinde" - er wohnt auf dem Lande, er hat sich in seinem Wohlstände von allen Pflichten zur Gemeinde entzogen. — „Bleibt sich gleich" verletzte er „ich gebe nichts." Da alle Vorstellungen nichts halfcn, sagte ich beim Weggehen, „daß ich das Benehmen öffentlich rü^en werde," was auch am darauf folgenden Samstage in einer Rede, jedoch ohne die mindeste Beleidigung, geschah. In rohem Zorne brach er später in einem stark besuchten Schenklokale in die gröbsten Schimpfworte und Beleidigungen gegen meine Person aus. Er wollte sich zu keiner Genugthuung auf gütlichem Wege herdeilaffen, und so wurde er beim Gerichte von dem Gemeindevorftande verklagt. Am darauf folgenden Tage gewahrte man Plakate, die den verbreiteten Bannfluch enthielten, was jedoch ohne mein Wiffen und Gutheißen geschah, und ich säumte auch nicht, diesen Akt als ungiltig und von dazu unberechtigten Personen ausgehend, öffentlich zu erklären. Gestern hat auch Esra Heller vor einem gropen Auditorium seine Schuld selbst anerkannt und eingestanden, daß er die gewisseste Ueberzeugung hat, daß dieser Bannfluch nicht von mir verhängt war und auch keine Wirkung hatte; er that auch hiebei würdig Abbitte, und so ist die ganze Sache, mit welcher sich die Marktschreiers so sehr beschäftigte, beendet. Dies die reine Wahrheit. Achtungsvoll Tarnow, 20. Januar 4868. Isidor Rapaport. Wir erwarten von der Ehrenhaftigkeit der Zeitungen, die den Sensation erregenden Artikel veröffentlicht haben , daß sie der Wahrheit die Ehre geben und auch den richtigen Sachverhalt mittheilen werden. Italien. Modena. Die vereinigten Akademien der schönen Künste von Bologna, Modena und Parma haben in ihrer Generalversammlung vom 10. Oktober v. I. das Werk des jüdischen Bildhauers, Abraham Rimini, das bei der letzten italienischen Exposition von Kunstwerken ausgestellt war, nämlich „Eine Büste Mayerbeer's," der ehrenvollen Erwähnung würdig befunden, und diesen Beschluß dem Künstler iw einem schmeichelhaften Schreiben mrtgetheckt. (Educ. Jsr.) Casale. Herr Angelo Segre, früher Armen- Advocat in Ancona, wurde zum Rathe des königlichere Appellhofes in Aquila ernannt. Es ist das erste Beispiel, daß ein Israelit in Italien zu einer so hohen Stellung j» der Magistratur gelangte. (Educ. Jsr.) Frankreich. Paris. Herr Michel Levy, Mitglied der medicinischeu Acadcmie, bisheriger Sonitäts-Jnspectov im Kriegsmin.sterium, wurde zum Vicepräsidenten des Com'tös der Militärhoi'pitäür ernannt. (Unio. Jsr.) Colmar. Der Bürgermeister von Colmar hat an die Wittwe des verstorbenen Oberrabbiners Klein folgendes Schreiben gerichtet: Colmar, 14. Jan 4868. Geehrte Frau! Ich habe die Ehre, Ihnen einliegend die Copie eines Beschlusses unseres Stadtratbes, welcher den zu frühen Tod unseres Oberrabbiners, Herrn Klein, sehr bedauert, zu überreichen. Der Stadtrath beschloß,. Ihnen bis zur Wiederbesetzung der Stelle den Gehalt ihres verstorbenen Gemahls auszahlen zu lassen. Außerdem bewilligt derselbe Ihnen eine jährliche Pension von 800 Franken, die Sie vom Tage dev Wiederbesetzuug der Stelle an erhalte«. Ich schätze mich glücklich, Ihnen diesen Beweis der hohen Achtung des Stadtrathes für den Dahingeschiedenen geben zu können und füge einstweilen 200 Frs. für das letzte Semester 1667 bei und versichere Sie meiner ausgezeichneten Hochachtung. Der Bürgermeister von Colmar» (Univ. Jsr.) Feuilleton. Aas Wirthshaus iw Walde. (Fortsetzung.) II. Es war ein schöner, warmer Sommertag, als Abraham auf seinem guten Pferde dahinritt. Er ge-