Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1868)
- Date
- 1868-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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F 125 Lauf er aber mit strictem Ja oder Nein zu antworten hätte. Drittens, die gemeinsten Ausfälle gegen meinen intelectuellen und literarischen Werth. Diese berühren mich nicht im Entferntesten, was ich bin, wird mir Herr Dr. B.'s Wuthausbruch nicht nehmen können, und was ich nicht bin, will ich eben gar nicht sein; Gemeinheit fällt nur immer auf den Beleidiger zurück, mich wird Niemand in diesen Schmutz herabziehen, hierzu bin ich nicht so sehr um meinetwillen, als um meiner Partei willen, die leider (!) auch H. Dr. B. nicht eliminiren kann, besonders aber um meiner Schüler willen, in deren Augen ich mich am allerwenigsten herabwürdigen möchte — viel zu stolz und selbstbewußt; dadeaut sibi „Du prüfe dich nur allermeist, ob du Kern oder Schale seist" (Göthe). Viertens, die Bemerkung, welche ich dem ungefähren Inhalte meiner ersten Antwort in Paranthese zugesellte, hat H. Dr. B. als eine kostbare Gelegenheit zu einem hämischen Ausfälle, daß ich über dergleichen Dinge nur zu viel spräche, benutzt. Hier sagt i mir meine Pflicht, Aufklärung geben zu müssen. Ich war auf solche sehr nahe liegende Artigkeit J.'s, wollte 'sagen B.'s, schon gleich gefaßt; dennoch fühlte ich mich Verpflichtet, des in Rede stehenden Punktes zu erwähnen. War ja dies erst die secundäre Ueberwindung, die ich mir anthun mußte; in primärer Linie stand, daß ich, der ich n"n das -Di irw.i D'pi?« idd bei dergleichen Dingen wohl bekenne und bewahre, die Sache vor die Oeffentlichkeit ziehen mußte. Ich war dies aber meiner Partei schuldig, schuldig deßhalb, weil ein hämischer Artikel in der „N. fr. Presse" das gemeine Motiv der Verweigerung der Stolgebühren, daß eine Krähe die andere nicht beiße rc., als eigentliches Motiv darstellte; ich war daher selbst mit Ueberwindung der natürlichen Scheu verpflichtet zu bemerken, wie es hier mit der „einen Krähe" aussieht, die andere möge selbst sehen, hierzu Stellung zu nehmen. H. Dr. B. wußte natürlich von jenem Artikel und konnte die Interpretation sich selbst machen, aber — der Zweck heiligt ja die Mittel. — Der „N. fr. Presse" habe ich folgendes Inserat zugesandt: „Den Entstellungen des H. Dr. Moritz Benedikt im Abendblatte vom 25. der „N. fr. Presse" sowie überhaupt um der Sache willen verweise ich auf die Veröffentlichung meiner Cvrrespondenz in der vielbesprochenen Eheangelegenheit, welche „Israelit" Nr. 4 und (Prager) „Gegenwart" Nr. 5 zu finden ist, und auch im (Frankfurter) „Jeschurun", Januarheft, erscheinen wird. Jeder unbefangene Leser wird daraus ersehen, daß mir gar kein Document darüber beigebracht wurde, daß die betreffende Dame sich überhaupt dem rituell nothwendigen Proselytenbade unterzogen habe. Ich war daher auch nach dem Landesgesetze, welches nur eine rils d. h. nach dem traditionellen Religionsgesetze geschehene Converfion als giltig anerkennt, und dasich durch keine liberale Philosophie bei Seite zu schiebendaS Recht habe, völlig außer Stande, eine von demselben verbotene Ehe zu vermitteln. Die betreffenden Documente find in den genannten Blättern wortgetreu veröffentlicht. Würde H. Dr. B. sich nicht selbst bewußt sein, daß seine Darstellung eine unrichtige und irreleitende sei, so hätte er mtt der Wiedergabe des ganzen Wortlautes meiner ihm bereits vorgelegenen abgedruckten Cvrrespondenz mich Lügen strafen sollen. Auf Salbadereien, die billiger als Brombeeren sind, fühle ich mich nicht veranlaßt, etwas zu erwiedern." So steht die Sache bis heute; ihre unenendliche Wichtigkeit erheischt Wachsamkeit auf die Wege, die verhängnißvoller Leichtsinn geht; an mir soll es nicht fehlen, in diesem auf Nacht und Dunkel speculirendem Lager zu sein ein d no idi». Dr. I. Hildesheimer. Aus Rzeszow, 26. v., wird berichtet: In dem zwei Meilen von hier entfernten Bratkowice hat sich gestern ein schaudererregendes Ereigniß zugetragen: Ein Israelit daselbst verließ am Samstag zertig früh seine Wohnung, um mit anderen Glaubensgenossen vereint, in einem Nachbarhause das Gebet zu verrichten und dessen Gattin begab sich zu einer kranken Nachbarin aus Besuch. Zu Hause blieb ein Mädchen von neun, ein Knabe von fünf Jahren und ein Bauer welcher, „um sich zu erwärmen," eingetreten war. Als die Mutter nach kurzer Zeit heimkehrte, fand sie die zwei Kinder mit zerschlagenen Köpfen mitten in der Stube liegen, während der Bauer verschwunden war. Auf den Lärm, der nun entstand, eilten die Nachbarn herbei, und diesen gelang es, den Thäter, welcher sich mit geraubtm 14 fl. auf den Weg nach Rz.'szow gemacht hatte , aufzufangen und den Behörden zu übergeben. Zwei Aerzte, welche zufällig vorbeisuhren, erklärten, daß die zwei noch leise athmenven Geschöpfe rettungslos verloren seien, und richtig verschieden auch die beiden Opfer niederträchtiger Habsucht noch am selben Tage. Die That scheint mit dem Rücken einer Holzhacke in wahrhaft barbarischer Weise vollbracht worden zu sein, indem die Schädel der Kleinen in zahllose Stücke zertrümmert waren. Prag. Das Prager juridische Doktoren-Kollegium beschloß, an die Regierung das Ersuchen zu stellen, den Unterschied zwischen Doctor Juris Utriusque und Civilis aufzulaffen, vier Rigorosen beizubehalten und die Israeliten zur Ablegung des Riqorosums aus dem Kirchenrecht zu verpflichten. Tarnow. In mehreren jüdischen Zeitungen und auch in einigen politischen Blättern war vor Kurzem ein allgemein Aufsehen erregender Artikel zu lesen. Nach demselben sollte der Rabbiner in Tarnow (Galizien), Herr Js. Rapoport, zwei Gemeindemitgliea