Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1868)
- Date
- 1868-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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124 Brünn, den 6. Januar. Der gestrige Tag war für die Bewohner der hiesigen Stadt ein wahrer Jubeltag. Schon vom frühesten Morgen an wogte es in den Straßen auf und ab von den freudig erregten Massen, die der Ankunft Sr. Excellenz des Herrn Minister des Innern, Dr. Karl Grskca, der auS Wien hierher kommen sollte, um sich von der Stadt, der er bisher mit großem Ruhme als Bürgermeister Vorstand, zu verabschieden, entgegenharrten. Nachmittags langte der gefeierte Gast hier an. Wir beschränken uns darauf, über die Betheiligung der hiesigen isr. Cultusgemeinde an dieser Feier zu referiren. Unter den Deputationen der verschiedenen Corporationen und Vereine, die der Herr Minister in seiner Wohnung empfing, befand sich auch die der Brünner Cultusgemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Placzek und dem Vorstande. Herr Präses Spitzer stellte die Mitglieder der Deputation dem Herrn Minister vor, dankte demselben für die zahlreichen Beweise seiner hochherzigen Gesinnungen und bat um die fernere huldreiche Gewogenheit. Hierauf hielt Herr Dr. Placzek eine längere Anrede. Se. Excellenz erwiederte der Deputation nachfolgende Worte: „Ich danke Ihnen für die herzlichen weihevollen und ergreifenden Worte, die mir unvergeßlich bleiben werden. Sie (Dr. P.) haben mit besonderer Aufmerksamkeit mein öffentliches Leben verfolgt und Sie Alle können mir das Zeugniß geben, oaß ich stets, auch früher, bevor ich den Ministerrock trug, eifrig bemüht war, Angriffe von Ihnen fern zu halten und Ihren gerechten Ansprüchen Würdigung zu erringen. Wenn es mir nicht vollkommen gelang, io waren die Verhältnisse daran Schuld. Seien Sie überzeugt, so lange ich in dem Rathe der Krone sitzen werde, soll mein ernstes Streben dahin gehen, von Ihnen auch den letzten Rest jenes alten Bannes, der noch auf Ihnen lasten mag und den die Neuzeit gelöst hat, bis auf die letzten Spuren zu entfernen; kein Rückschritt darf mehr geschehen und die Gleichberechtigung aller Eonfeisionen muß zur vollsten und nicht mehr anzuzweifelnden Wahrheit werden." (Nach dem Abdl.) Pesth. Das Einladungsschreiben des ungarischen Kultusministers, Baron E ö t v ö s, zur j ü d i s ch e n Notablen-Konferenz erklärt als Aufgabe derselben: Jnformirung über die Verhältnisse der Juden, die Regelung der Gemeinde- und Schulverhältnisse der Juden Ungarns, speciell deren Vereinbarung mit den neuen gesellschaftlichen und administrativen Verhältnissen Ungarns. Eisenstadt, den 4. Schebat. (Schluß.) Meine ganze Correspondenz nebst Abdruck des hebräischen Documentes der fälschlich so genannten Coverlitin erschien im „Israelit" und noch in einem andern Blatte der Prager „Gegenwart", der ich sie, auf ihre Erkundigung nachdem Sachverhalt, zusandle. Das änderte natürlich die ganze Situation. Dieser objectivste Apell an das eigene Urtheil des Lesers mußte natürlich alle Jllusstonen derer zerstören, die auf ein Maulwurfspublikum spekuliren, die sich vielleicht der süßen Hoffnung Hingaben, daß ich weder Copie des Documentes und meiner Antworten genommen, noch die erhaltenen Briefe selbst aufbewahrt hätte. Mit gar zu plumpen Mitteln konnte der H. Prediger nicht mehr Vorgehen, ohne sich gar arg zu compromittiren, er zog sich daher bedächtig — hinter die Coulissen zurück, und schob — einen Prügeljungen vor. Es erschien ein ellenlanger Artikel über den Jesuitismus des orthodoxen Judenthums, unterschrieben von Dr. Moritz Benedikt. Gespickt mit so gelehrten Auseinandersetzungen über eine Anzabl von Materien aus der esoterischen und exoterischen Lehre des Judenthumes, daß man kühn behaupten kann, H. B. verstehe von alledem eben soviel wie — der Bauer von Gurkensalat oder wie ich von seiner medicinischen Wiffenschaft, daß derselbe vielmehr dem H. Prediger den Gefallen gethan, für ihn die heißen Kastanien aus dem Ofen zu holen, etwas zu unterschreiben, was dem Inhalte nach sicher Herrn I. angehört, —ob auch der Form nach, oder ob Herr Dr. B. selbst diese Lehre seines Meisters in die vorliegende Form gegoffen, ist hiebei ziemlich gleichgiltig. Kenner des Jellinek'schen Stils wollen letztere Annahme für unmöglich halten, doch ist dies, wie gesagt, sehr gleichgiltig. Was nun den Inhalt betrifft, so besteht er aus vier Momenten. Erstens, wiederholte freche Entstellung der Thatsachm und Fortschiebung des ersten und bei weitem genügenden Grundes der Verweigerung, daß nämlich die selbst von den Reformrabbinen gestellte Bedingung der nicht nachgewiesen. I. wagt nach der Veröffentlichung des Documentes natürlich nicht mehr darauf zurückzukommen; der Prügeljunge aber darf dies thun, das beeinträchtigt ja das Renommä des H. Predigers nicht! Doch waS soll man von Leuten sagen, die sich zweideutiger Dokumente zu den wichtigsten Amtshandlungen bedienen, trotzdem sie durch entsprechende hebräische die Wahrheit sehr wohl kennen! Zweitens, ein Hohn gegen die wichtigsten Satzungen des Judenthumes, darunter das Nn"-N*na 4y -pst iy, frechste Verspottung dessen, welches Millionen von Juden religiöse Ueberzeugung ist, ganz a la Eisenmenger, Schutt und Consorten, die durchaus nicht mehr auf Priorität Anspruch habende Abmachung, absurde Verspottung der Principien des traditionellen Judenthumes. Pfui solcher verrätherischen „Müthchenkühlerei"! Man sieht, wie weit die Wuth, die in einem Pfaffen kocht, sich versteigen kann. Es wäre wohl interessant, H. I. zu fragen, ob er sich zu dem Inhalte dieses Eisenmengerischen Aufsatzes bekenne, wo-