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Der Israelit · 1868-02-19 · Heft 8 (19.2.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 8 (19.2.1868)
Date
1868-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zeugnisse über den Noihstand enthalten Schilderungen von herzzerreißenden Zuständen. Möge der allgütige Gott es uns gelingen lassen, die Noth und das Elend unserer darbenden Brüder und Schwestern zu lindern! Um Mißverständnissen zu begegnen, fügen wir das Ersuchen hinzu, daß sich durch die in Rede stehende Sammlung Keiner unserer Glaubensbrüder zurückhalten lassen möge, den allgemeinen Hilfs - Comit^s milde Galen zu überweisen. Das jüdische Herz ist weit genug, alle Nothleidenden in Mitleid und Erbarmen zu umfassen; aber wegen der im obigen Aufruf und im Leitartikel der Nr. 6 dieser Zeitschrift dargelegten Verhältnisse sind besondere Sammlungen für nothleidende Israeliten nicht allein gerechtfertigt, sondern dringend geboten. , Heil dem, der für den Dürftigen sorgt; am Tage des Unglücks wird ihn erretten der Ewige!" * * * An das Central - Comitä in Schippenbeil ist bereits von uns abgesandt: Von Herrn S. Brann in Berlin . . 10 Thlr. „ „ Levy Har ff in Dinslaken 3 „ „ „ Leo Leser in Mainz . . 2 „ „ „ Joseph Hirsch I. in Mainz 1 „ zusammen 16 Thlr. Beim Schlüsse des Blattes gehen uns Nachrichten zu, welche die Noth unserer Glaubensgenossen in Rußland und Polen als viel größer darstellen und die Lage derselben als am hilfsbedürftigsten schildern. Wir haben bereits Schritte gethan, um eine angemessene Vertheilung von spenden an diese zu ermöglichen; davon Näheres in nächster Nummer. Die verehrlichen Spender mögen uns d^ßhalb bemerken, ob die einzusendenden Gaben für Rußland und Polen, oder für Preußen bestimmt sind. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Die jüdische Bevölkerung Berlins würde dem Herausgeber der „Preußischen Statistik," Geh. Rath Dr. Engel, vermuthlich nicht sehr dankbar dafür sein, daß sie durch die von ihm veröffentlichten Zahlen in den Ruf der unmoralischsten Bevölkerung des preußischen Staates gerathen sein könnte. In Heft X. der preußischen Statistik (S. 251) ist nämlich deutlich zu lesen, daß im Jahre 1664 von 711 geborenen jüdischen Kindern 222 uneheliche gewesen sind, was 31,2 pCt. derselben betrügt, also mehr als noch einmal so viel, wie die Gesarnmtbevölkerung aufweist, die sich mit 15 pCt. unehelicher Kinder begnügt. Glücklicherweise ergibt eine nähere, mühsame Prüfung, die wir uns ob dieser haarsträubende» Erscheinung nicht haben verdrießen lassen, daß die Angabe auf einem simplen — Druckfehler beruht. Es ist nämlich daselbst eine kleine 2 zu viel gedruckt worden. Die jüdische Bevölkerung Berlins hat demnach im Jahre 1864 nur 22 uneheliche Kinder aufzuweisen gehabt, d. h. 3,1 pCt. der sämmtlichen geborenen jüdischen Kinder. Diese Zahl ergibt also für die letztere das sehr schmeichelhafte Resultat, daß fieverhältnißwäßig 5 Mal weniger uneheliche Kinder zählt, als die gesammt-, oder was in dieser Beziehung dasselbe sagen will, vie evangelische Bevölkerung Berlins. (Zukunft.) Berlin. In der hiesigen jüdischen Ge-? meinde, die schon durch ihre eigenen Armen so starb in Anspruch genommen wird, und deren WohlthätigkeitSsinn jetzt überdies noch den Ostpreußen gegenüber fich zu bethätigen hat, wird außerdem in diesem Augenblick für die Noth der bedrängten Juden in der Moldau und in Galizien gesammelt. Trotz dieser großen Concurrenz von Händen, die fich zum Empfangen milder Beiträge ausstrecken, fallen doch die Collecten durchweg überaus reichlich aus. (Tribüne.) Berlin den 7. Febr. Nach heißer, dreitägiger Debatte hat heute das Haus der Abgeordneten das Amendement des Abgeordneten v. Kardorff angenommen, das dahin lautet, der Provinz Hannover alljährlich 500,000 Thaler zur Bestreitung gewisser Provinzialerfordernisse zu überweisen. Hierzu gehört auch die Unterstützung des jüdischen Schul- und Synagogenwesens der Provinz. Bekanntlich wurden von der ehemaligen Regierung des Königreichs Hannover 5,000 Thaler verwandt, während dre preußische Regierung bisher Nichts für das jüdische Schulung Synagogenwesen ausgegeben hat. Hoffentlich wird nunmehr auch in den andern Provinzen derselbe Grundsatz Platz greifen, der nunmehr für Hannover sanctionirt ist. Es entspricht nur den Anforderungen der Gerechtigkeit, daß auch für den jüdischen CuUuS Etwas aus dem Staatssäckel zurückfließe, für den die jüdischen Steuerzahler ja in demselben Maaße beisteuern wie die Bekenner anderer Confessionsy. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 26. Januar. Die „Wiener Zeitung" bestätigt, daß ein Minifterialerlaß die bestandenen Beschränkungen gegen die Juden, betreffs des Erwerbs von Liegenschaften in Galizien und der Bukowina, durch die Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes für aufgehoben erklärt. Wien, 25. Januar. Ein Erlaß des Ministeriums des Innern ordnet, wie au- Lemberg gemeldet wird, an, daß die sogenannten „Zu den bezirke" (Ghettis) aufzuhören haben.

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