Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1868)
- Date
- 1868-02-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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117 sieht, daß gerade Jene Beschützer der Juden sind, die auch in andrer Beziehung als hervorragende, ihrer Zeit vorausgeeilte Denker von der Geschichte bezeichnet werden, wenn durch diese Erkenntniß die Ueberzeugung sich in ihm befestigt, daß Israel bei der stetigen Entwickelung der Völker einer immer schöner» Zukunft entgegengeht, daß seine Vorzüge eine immer bereitwilligere, neidlosere Anerkennung bei den Nationen finden werden. Unter die bezeichneten vorurtheilsfreien Geister nun, die während der Blüthezeit des mittelalterlichen Fanatismus für die bedrängten Juden einstanden und sich ihres Schicksals annahmen, dürfen wir, wie das Ereigniß zeigt, das wir im Folgenden darstellen, auch jenen großen Hohenstaufen, den Kaiser Friedrich II. rechnen, den genialsten Sprößling aus Deutschlands begabtester Fürstenfamilie. *) In der Stadt Hagenau im Elsaß lebten zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts viele Juden. Der Ort war vor nicht langer Zeit erst von Friedrich Barbarossa gegründet worden und blühte jetzt unter der Gunst des kaiserlichen Hofes, der sich mit Vorliebe in diesen westlichen Theilen des Reiches aufhielt, rasch empor. Aber seinen jüdischen Bewohnern drohte Verderben. Es mag das Jahr 1236 gewesen sein (Kaiser Friedrich II. hatte gerade sein Hoflager in der Stadt ausgeschlagen), als beim Beginne des Frühlings ein finstrer Plan an's Tageslicht trat, der dahin gerichtet war, die Israeliten Hagenau's allesammt zu vernichten. Man hatte eine jener Beschuldigungen gegen die Hagenauer Juden ausgesonnen, die mit furchtbarer Regelmäßigkeit das ganze Mittelalter hindurch überall auftauchten, wo es galt, Gewaltthaten gegen das jüdische Volk zu rechtfertigen. Sie hätten, so behauptete man, einen schrecklichen Kindermord begangen; um ihr Peßachfest feiern zu können, hieß es, hätten sie sich dreier siebenjähriger Christenknaben zu bemächtigen gewußt und an diesen alsdann ihre Cere- *) Die int Text folgende Erzählung beruht auf dem Berichte des gleichzeitigen Chronisten Richerius, eines Mönches im Kloster Senones in den Vogesen. Sein Werk ist in der bekannten Qucllensammlung des Franzosen d'Achery abgedruckt. monien vollzogen, so daß die armen Kleinen den Qualen, die man ihnm anthat, erlegen seien. Als man die Kinder vermißt hätte, sei man in die Häuser der Juden eingebrochen und habe dort die Gesuchten auch wirklich, aber freilich als Leichen, vorgefunden. Diese Erzählung fand in der Stadt den bereitwilligsten Glauben, und Alles schrie nach Rache. An den Kaiser, den man in unmittelbarster Nähe hatte, wollte man sich wenden, damit er selbst die Erlaubniß gebe, über die Juden herzufallen und sie für ihren angeblichen Frevel zu bestrafen. Friedrich bestimmte den Tag, an dem er die Anschuldigungen gegen die Juden entgegennehmen und seine Entscheidung in der Sache ertheilen werde. Zur festgesetzten Zeit erschienen die Kläger vor seinem Thron, drei nackte Leichname mit sich führend, die sie als Beweis für die Schandthat der Juden hinstellten; die Strafe dafür sollte der Kaiser bestimmen. Und wie beschied er die Ankläger? Der Chronist, auf dessen Bericht wir unsere Erzählung stützen, hat uns die Worte erhalten, die er ihnen erwiederte und mit denen er seinen festen Entschluß ausdrückte, es nicht dulden zu wollen, daß die jüdischen Bewohner von Hagenau das Opfer einer schändlichen Jntrigue würden. In seiner geistreichen Weise sprach er nämlich: „Ihr habt da Kinderleichen! Was soll ich Euch thun? — Begrabt sie!" Damit sprach er es aus, wie er den bübischen Plan der Judenfeinde vollständig durchschaue, daß er keine Beziehung erkenne zwischen den todten Körpern, die man vor ihn hinlege, und einer Strafe, welche die Juden verdient hätten; daß er nicht gesonnen sei, seine Autorität als Spielball von Fanatikern gebrauchen zu lassen. Und die Ankläger mußten sich verwirrt zurückziehen. Dem Grimm, den die Partei, die so ihr Unternehmen scheitern sah, gegen Friedrich II. faßte, gibt unser Gewährsmann für die erzählte Thatsache, ein Mönch, Ausdruck; in Schmähreden und Verwünschungen ergeht er sich gegen den hochsinnigen Kaiser. Die Geschichte aber bewahrt das Auftreten des großen Mannes zum Schutze der Hagenauer Juden als die kostbare Ueberlieferung einer leuchtenden That aus finsterer Zeit. L. IMZEIGEN. M. Bonheiiil's Pensionat für Israel. Knaben und Jünglinge in Berlin, Auguststraüe Nr. 81, wird hierdurch in geneigte Erinnerung gebracht. Beste Referenzen. — Prospekte gratis. n einem freundlichen Städtchen am Rhein finden junge Mädchen in einer religiösen Familie Gelegenheit zu einer tüchtigen und wissenschaftliche» Ausbildung. Die Expedition des „Jsraeilit" sagt: wo? auf frankirte Anfragen sud Nr. 155.