Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1868)
- Date
- 1868-02-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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116 umgekehrt, ein solcher Prediger soll gerade von E. aus eines Bessern belehrt werden, und sich als unberufener Angreifer und Fragesteller sagen müffen, daß er sich muthwillig die Finger verbrannt, und daß dies nicht etwa nur vor den Augen des „israelitischen" Publikums, das man allenfalls vornehm ignorirt, geschehen, sondern vor dem eines der weitverbreitesten Tagesblätter, vor das man die Sache mit der ganzen Wucht der Verantwortung des n"n nur um vermeintlich an mir sein Müthchen zu kühlen, gebracht — das vergibt ein Pfaff, dessen AthmoSphäre nur die eines irregeleiteten Publikums sein kann, nie und nimmer. Der H. Prediger hatte aber nach Loslaffung seiner Epistel noch eine andere nicht gerade angenehme Ueberraschung. — (Schluß folgt.) Pesth, 1. Februar. Se. Excellenz der Herr Kultus- und Unterrichtsminister hat für den 17. Febr. l. I., 10 Uhr Vormittags, mehrere vaterl. Israeliten zu einer vertraulichen Conferenz einberufen, um sich bezüglich ihrer Ansicht betreffs unserer Gemeinde- und Schulangelegenheiten orientiren zu können. Mit tiefer Bestürzung erfüllt uns die Thatsache, daß die Namenliste der Einzuberufenden ohne jede Mitwirkung der die Majorität der vaterl. Judenheit bildenden „Altgläubigen" sestgestellt wurde. Der Umstand, daß die in konstitutionellen Ländern bei ähnlichen Gelegenheiten übliche Öffentlichkeit hierbei sorgfältig gemieden wurde, ist gewiß nicht sonderlich geeignet, unsere diesbezügliche Betroffenheit irgendwie zu verringern. Charakteristisch für die Beschaffenheit dieser Conferenz dürfte ferner der Umstand werden, daß unser wackerer Landsmann und Glaubensgenosse, Herr M oritz Fischer, der einerseits durch seine Herender Porzellan-Fabrik der heimathl. Industrie eine europäische Geltung, mithin dem Vaterlande Achtung im Auslande errungen, andererseits durch eine lange Reihe von Jahren des ungetheilten Vertrauens der gesammten ung. Judenheil sich erfreut — bisher von Sr. Excellenz zu der bevorstehenden Conferenz keine Einladung erhalten. Nicht minder charakteristisch ist der Umstand, daß zu dieser vertraulichen Laienconferenz auch der Rabbiner Löw aus Szegedin berufen wurde! (M. ZS.) Frankreich. Paris. Herr Herrmann Oppenheim, General- Consul von Persien in Paris hat das Exqeuaturerhatten. (Univ. Jsr.) Belgien. Brüssel. Herr Rabbiner Astruc wurde vom Justiz- und Cultusminister zum Mitglied des Comitss der Wittwen- und Waisenrasse ernannt. (Univ. Jsr.) Palästina. Jerusalem. Herr B. Lilienthal aus Jerusalem, der sich gegenwärtig in Würzburg aufhält, schreibt uns: In Nr. 4 Ihrer geschätzten Zeitschrift theilten Sie zwei Briefe des amerikanischen Consuls in Jerusalem mit, aus denen zu entnehmen ist, daß die amerikanischen Juden, zu denen auch ich gehöre, vom deutschen Unterstützungs-Comits nicht unterstützt werden. Dem entgegen erkläre ich hiermit, daß ich vom Comitä zu Amsterdam als Mitglied der deutschen israelitischen Gemeinde den entsprechenden Antheil an den Unterstützungsgeldern erhalte. Afrika. Tunis Herr Garfin, Präsident des hiesigen Zweigvereins der „All. Jsr.", wurde vom Bey von Tunis mit dem Nichan Jftikar - Orden decorirt. Die ganze Bevölkerung (Muselmänner, Juden und Christen) hat diese Auszeichnung, welche unser Glaubensgenosse erhalten hat, mit dem größten Beifall ausgenommen. Herr Garsin hat sich durch seine großen Verdienste die allgemeine Achtung erworben. (Univ. Jsr.) Wegen Ueberfülle an Stoff mußte die Fortsetzung der Erzählung, „Der Gefangene," für diese Nummer wegbleiben. Feuilleton. Kaiser Iriedrich II. und die Kagwauer Juden. Wenn man die Annalen der finsteren Zeiten durchgeht, in denen die Juden durch die gemeinen Begierden der Vornehmen und die denselben dienstbare Unwissenheit der Massen den grausamsten Verfolgungen ausgesetzt waren, wo das blind herrschende Vorurtheil sie schutzlos jeder Unbill und jeder Verletzung preiszugeben pflegte, so erfreut es um so mehr, innerhalb dieser dunklen Epoche einzelne Männer zu finden, welche von ihrem freien Geiste und rechtlichem Sinnen geleitet die Nichtigkeit der auf den Juden lastenden Anklagen darthaten und durch das Gewicht ihres Ansehens die leicht erregte Volkswuth im Zaume hielten. Namentlich aber muß es jeden Israeliten, der für die Geschicke und die Zustände seines Volkes ein Herz hat, mit besonderer Genugthuung erfüllen, wenn er