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Der Israelit · 1868-02-12 · Heft 7 (12.2.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 7 (12.2.1868)
Date
1868-02-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lige Geschäfte. Hannoverische Cavaliere, die am Hofe in London leben, brauchen viel Geld und verlangen von den Banquiers in der Heimath, daß nicht unbedeutende Capitalien auf die von den Vätern ererbten adeligen Güter ausgenommen werden. Jetzt tritt ein junger Comptoirist, Namens Ahron Mayer, in die Hinterstube, um einen von ihm geschriebenen Brief zur Unterschrift vorzulegen. Mit sichtlichem Wohlwollen nimmt Herz ihm den Brief ab und liest ihn, wohlgefällig lächelnd; allein Abraham schaut finster darein. „Ein prächtiger, junger Mann!" läßt sich Herz vernehmen, nachdem er den Brief unterschrieben und Ahron die Hinterstube verlaffen hat. „Ein Tachschit*) von einem Jungen! Wie schön war doch der Brief geschrieben und welch" ein Styl! Wir legen überall Ehre ein mit unserm Correspondenten!" „„Ich fürchte, wir müsien ihn fortschicken,"" entgegnete Abraham verdrießlich. „Was?" rief Herz erstaunt, „Ahron Mayer fortschicken, unfern besten, fleißigsten, geschicktesten, treusten Comptoirdiener?" — „„Ich habe leider meine guten Gründe,"" entgegnete der Gefragte. „„Du weißt, am Sabbat war der schwarze Steinhardt bei mir und hat mir eine wundergute Partie für unsere Rahel angetragen."" „Ja, den einzigen Sohn des reichen Hersfeld in Hamburg. Nun?" „„Nun, ich habe meine Frau gebeten, mit dem Mädchen davon zu sprechen. Was sagt aber das verzogene Ding? Es wolle noch nicht heirathen; es würde aber auch niemals einen Mann nehmen, den es nicht genau kennt — und endlich bringt meine Frau mit vieler Mühe heraus, daß es in den Ahron Mayer verschaffen ist. Was sagst Du dazu?"" „Und Ahron?" „„Er weiß nichts davon; er ist zwar stets ein Spielkamerad der Rahel gewesen, als sein seliger Vater noch neben uns wohnte; das ist aber schon lange her, und seitdem sieht er sie nur am Sabbat, wenn er bei uns zu Tische ist."" „Was gedenkst Du zu thun?" „„Ich will den Jungen fortschicken, jeweiter desto beffer; ich werde ihm eine Empfehlung geben nach Frankfurt am Main an einen unserer dortigen Geschäftsfreunde. Dann, denke ich, wird das Ding, die Rahel, den Jungen vergeffen und sich meinen Wünschen fiigen."" „Und warum bist Du der Neigung Deines Kindes so streng entgegen?" „„Warum? Das fragst Du noch? Bist Du bei Sinnen?"" *) Kleinod. „Ruhig, Bruder, ereifere Dich nicht! Ja, ich frage, warum willst Du dem Ahron Deine Tochter nicht geben?" „„Wie, dem Gascht,*) dem Lump, dem Habenichts? Würdest Du ihm Deine Tochter geben?"" „Ja, lieber Bruder, wenn meine Esther sich schon im heirathsfähigen Alter befände, ich würde mir keinen bessern Schwiegersohn wünschen. Freilich, arm ist er; aber er besitzt viel mehr als Geld!" „„Das wäre! Nun, was besitzt er denn, mein kluger Bruder?"" „Sechuß Owaus! Sein Vater war ein großer Zaddik**) und ein großer Lamdon.***) „„Was thue ich damit?"" „Er selbst ist ein Musterbild von einem jungen Manne: fromm, geschickt, fleißig; er kann „lernen"; er versteht Englisch und Französisch." „//Ich will Dir einmal Etwas sagen, lieber Bruder: das Sechuß von vollwichtigen Louisd'or's gilt heutzutage mehr als das Sechuß von denen, die im Grabe ruhen, und wer keine Capitalien hat, dem helfen weder Frömmigkeit noch Kenntnisse."" „Es macht mir Kummer, Abraham, Dich so sprechen zu hören. Du hast Recht, Geld ist sehr viel, namentlich jetzt, aber es ist nicht Alles. Wie manchmal gäbe Jemand gern alle seine Schätze hin, um sich Besseres zu kaufen, wenn er es gerade braucht! Aebrigens versündigst Du Dich, wenn Du so wegwerfend von dem sprichst, was uns Juden heilig ist, und Alles dem Gelde uvterordnest." Gerade wollte Abraham heftig erwiedern, als ein Lehrling die Ankunft eines Exp reffen meldete. Er wurde hereingeführt. Es war ein Bote des Grafen St., der von deffen vier Meilen von der Stadt belegenen Besitzung kam und einen Brief überreichte. Graf St. schrieb, daß er zum Ausbau seines Herrenhauses nothwendig großer Capitalien bedürfe. Es würde ihm lieb sein, im Laufe der Woche einen der Herren Veitelsohn bei sich zu sehen, um die Art und Weise zu berathen, wie das Geld am Besten zu beschaffen sei; auch wünsche der Graf, 1000 Thlr. schon in den nächsten Tagen zu erhalten. Abraham brachte sofort eine Antwort zu Papier, die er dem Boten des Grafen mitgab; er stellte in derselben seine Ankunft auf morgen oder übermorgen in Aussicht und versprach, die gewünschten tausend Thaler gleich mitzubringen. (Forts, folgt.) *) Bezeichnung für arm. **) Ein Frommer. ***) Ein Gelehrter. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf * Schnellprefsendruck von I. GottSleben in Mainz.

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