Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1868)
- Date
- 1868-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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110 nicht zweifelhaft, daß die ganze Zukunft der Anstalt von der Wahl eines tüchtigen Direktors abhängen würde. Da der Director nicht allein die Leitung des Seminars, sondern auch einen Theil des Unterrichtes und vorzugsweise in den speciell jüdischen Lehrfächern zu übernehmen haben würde, so wurde beschlossen, daß nur ein Mann von hervorragender pädagogischer Befähigung und bedeutenden, sich namentlich auch über die jüd. Theologie, hebr. Sprache u. s. w. erstreckenden Kenntnissen gewählt werden und wo möglich academische Bildung und materielle wie formelle Befähigung zum Rabbiner von ihm beansprucht werden sollte, wobei das letztere ihm von anerkannten* **)) Rabb. ertheilt sein müsse. Es versteht sich hierbei von selbst \ daß derselbe zugleich hinsichtlich seines Characters und seines Lebenswandels diejenigen Garantien bieten muß, die man bei einer so wichtigen und einflußreichen Stellung an der Spitze eines speciell-jüd. Lehrerseminars beanspruchen kann. Der Seminar - Director muß in Lehre und Leben sich auf dem Boden des echten, wahren, positiven Judenthums befinden. Um geeignete Candidaten für diese Stelle, deren Gehalt vorläufig auf LOO THlr. jährlich festgesetzt ist, zu gewinnen, ist nicht nur ein Aufruf in verschiedenen Zeitungen erlassen, sondern zugleich an einzelne hervorragende Rabbiner •*) gerichtet worden, damit diese geeignete Persönlichkeiten in Vorschlag bringen möchten!" Da die neuen Statuten, die uns jetzt gedruckt vorliegen, von denen in der Versammlung zu Düsseldorf berathenen und festgestellten im Wesentlichen nicht viel abweichen, — bekanntlich haben viele Rh. Gemeinden dieselbe nicht angenommen — und daher in ihrer jetzigen Gestalt jedenfalls bedeutenden Modificationen und Veränderungen unterworfen sind, so haben wir, da jene z. Z. in mehreren Leitartikeln dieser gesch. Blätter allseitig beleuchtet worden sind, es für überflüssig erachtet, diese nochmals einer Kritik zu unterwerfen. Die den erwähnten Schriftstücken beigegebene Ansprache fordert die Gemeinden in warmen, begeisternden, aber energischen Worten zur regen Betheiligung am Verein aus. M. R. L. Königsberg. Als man dahier eine Suppenanstalt für die Armen der Stadt errichtete, hat man eine besondere Abtheilung für jüdische Armen eingerichtet, in der den Juden erlaubte Speisen unter Aufsicht eines gewissenhaften Juden gekocht werden. X. *) Anm. der Red.: Es kömmt darauf an, was das Cura-- torium unter anerkannten Rabbinm versteht. **) Anm. der Red.: Soviel wir erfahren, ist an orthodoxe Rabbinen nicht geschrieben worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Peftb, im Februar. Laut Erlasses des Kultus- und Unterrichtsministeriums stehen die jüdischen Volksschulen in Ungarn nicht mehr unter Aufsicht der kath. Schulbehörde. Wir begrüßen in dieser Verfügung die geistige Emancipation der Juden. Wie sehr die christliche Bevölkerung des Landes die Gleichstellung der Juden mit Freuden begrüßt, beweist der Umstand, daß seitdem in den verschiedensten Punkten unserer Heimath viele Israeliten bereits in den Magistrat, resp. in die Gemeinde-Repräsentanz gewählt wurden. Pefth, Anfangs Februar. Die Neubesetzung des Director - Postens an der hies. isr. Landesbildungsanstalt ist bevorstehend. Unter den Concurrenten hat Herr Heinrich Deutsch, ein Mann von gediegenem hebräischem Wissen, die meisten Chancen für sich. Derselbe bekleidet gegenwärtig das Amt eines Religionslehrers an dem hies. Gymnasium und an der Handels- Academie, und ist leitender Lehrer an der hier bestehenden Talmud-Thora, welche ihre Existenz in erster Reihe seiner kräftigen Initiative zu verdanken hat. M. Prag. Im Prager Findelhaus wurden jüdische Findelkinder oft getauft. Auf eine Vorstellung des Arztes dieser Anstalt hat der Minister Giskra sofort die Anordnung getroffen, daß jüdische Kinder eine jüdische Erziehung erhalten sollen. (I. Zeit.) Italien. Neapel. Wir lesen in dem „Educatore Jsraelita": Es sind jetzt ungefähr 100 Jahre, seitdem die letzte Vertreibung der Juden aus Neapel stattgefunden hat. Dieses Jahr wurde wieder zum ersten Male eine raiD in der früheren Hauptstadt der Bourbonen gesehen. Zu Gunsten der Schule wurden beträchtliche Summen gezeichnet. Frankreich. Paris. Frau Fourtada von hier hat zum Andenken an ihren verstorbenen Mann 3000 Fr. zu Gunsten der Armen Jerusalems mit dem Ersuchen Herrn Albert Cohn übergeben, daß dieser das Geld nach Jerusalem schicken wolle. Herr Albert Cohn hat dem Noä. vr. London ans Jerusalem 1500 Fr. mitgegeben, um diese Summe zum Ankauf von Brod für die Armen daselbst zu benutzen, ferner 500 Fr für n"n und verschämte Armen und weitere 1009 Fr., die später zum Ankauf für Mehl auf nos verwendet werden sollen. (Libanon.) Paris. Herr Neubauer (Israelit) ist von der französischen Regierung nach Spanien geschickt worden.