Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1868)
- Date
- 1868-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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107 2) Hat der amerikanische Consul das Recht, eine seinem Eonsulate unterstehende Jüdin oder gar eine Preußin zur Taufe zu zwingen? 3) Hat der amerikanische Consul das Recht, in das Haus von amerikanischen oder gar preußischen Juden mit bewaffneter Macht zu dringen? 4) Hat der amerikanische Conml das Recht, gewaltsam "Haussuchungen vorzunehmen, Schränke zu erbrechen, Betten zu durchftöbern? 5) Hat der amerikanische Consul das Recht, englische Unterthanen in ähnlicher Weise zu behandeln, Wöchnerinnen und kleine Kinder zu Tode zu erschrecken? 6) Hat der amerikanische Consul das Recht, einen seinem Consulate nicht unterstehenden ehrwürdigen Greis unter den furchtbarsten Mißhandlungen in's Gefängniß werfen zu lassen? 7) Hat der amerikanische Consul das Recht, holländische, preußische und englische Unterthanen schlagen zu lassen? 8) Hat der amerikanische Consulatssecretär Finke! st ein das Recht, unschuldige Leute, selbst auf Befehl seines Consuls, zu schlagen? 9) Hat der amerikanische Consul das Recht, sein Schwert zu ziehen und damit das Leben unschuldiger Männer zu bedrohen? 10) Hat der amerikanische Consul das Recht, einen ehrwürdigen Greis mit Schlägen vor sich hertreiben zu lassen?" „Von dem preußischen Generalconsul Weber ist nun auch Antwort von Beirut gekommen. Derselbe befiehlt, das Mädchen auszuliefern und vorläufig im Consulatsgebäude unterzubringen. Wir haben diesem Befehle nicht Folge geleistet, denn wir wissen, daß dasselbe dann sofort gewaltsam getauft werden würde. Das Mädchen befindet sich noch in seinem Verstecke. Aber, werden wir der Gewalt widerstehen können? Unterdeß halten wir es für unsere Pflicht, gegen derartige Gewaltthätigkeiten öffentlich zu protestiren, auf daß uns Genugthuung werde. Im Aufträge sämmtlicher Rabbinen und Vorsteher der israel. Gemeinden zu Jerusalem der Gemeindesecretär Joseph Ryblin." Der zweite Brief lautet: „Jerusalem, Donnerstag, den 21.Tebeth 5628, d. i. den 16. Januar 1868. „Bezugnehmend auf meinen Brief von vorigem Sonntag, theile ich Ihnen den weiteren Verlauf der Angelegenheit mit. „Damit man uns nicht fälschlich beschuldige, daß wir das Mädchen gegen ihren Willen zurückhalten, begab ich mich heute mit mehreren Andern zu ihr und fragte sie, ob sie zu ihrer Schwester gehen wolle. Sie antwortete: „Wenn man mich selbst zwingen wollte, wenn! man mich schlagen und quälen möchte — ich werde j nicht zu meiner schlechten Schwester gehen, die dem Glauben der Väter untreu geworden und meinen alten Vater unter die Erde gebracht hat. Da sei Gott vor, daß ich werde wie sie. Ich will lieber hungern und Jüdin bleiben, denn bei den Apostaten in Hülle und Fülle leben." „Am vorigen Sonntag wurde Rabbi Arjeh in's preußische Consulat gerufen und dort inhaftirt, bis er das Mädchen wird herausgegeben haben. Er befindet sich noch in Verhaft. „Wir haben sofort an den preußischen General- Consul Weber nach Beirut telegraphrrt. Als Antwort erhielten wir Folgendes: „Wenn Arjeh Markus die Sarah Steinberg nicht sofort herausgibt, so wird er als Menschendieb in Criminaluntersuchung kommen." „Es ward uns nun klar, daß das Ganze ein Complot der Missionäre ist, welche auch den preußischen Generalconsul für sich gewonnen haben. „Auf eine weitere telegraphische Bitte um Freilassung des siebzigjährigen, kränklichen Mannes erhielten wir keine Antwort. „Gestern haben wir uns nochmals brieflich an den Generalconsul gewandt „Der hiesige preuß. Consulatsverweser, Dahud al Kur di, ist ein arabischer Christ, der keiner europäischen Sprache mächtig ist. Auch an ihn wandten wir uns um Freilassung des Gefangenen; er gab uns den Rath, uns bittlich an den amerikanischen Consul zu wenden, damit er die Sache ruhen lasse; er müsse dem amerikanischen Consul gehorchen. Sonderbar! „O, Ihr Brüder in Europa, nehmt Euch dieser Sache an und duldet nicht, daß, wie in den finstern Zeiten des Mittelalters, gewaltsam die Religionsfreiheit verletzt werde, daß die finstern Tage des Mittelalters zurückkehren. Gott wird Euch stärken und Eure Mühe gelingen lassen. „Im Aufträge sämmtlicher Rabbinen und Vorsteher der israel. Gemeinden zu Jerusalem Joseph Ryblin, Gemeindesecretär." Unterdeß hat Herr Akiba Lehren, Präsident des Centralcomitv's für palästinensische Angelegenheiten zu Amsterdam, dem Herrn vr. Albert Cohn in Paris von dieser Sache Mittheilung gemacht. Dieser hat sofort den Präsidenten der „Alliance JSr. Univ.", Herrn Adolph Crömieux, und den Secretär derselben, den Herrn Avvocat Leven, benachrichtigt und deren Hilfe in Anspruch genommen. Herr Albert Cohn meldet, daß bereits in Paris ähnliche Berichte von Herrn vr. London, Hauptarzt des Rothschild'schen Hospitals zu Jerusalem, und von Herrn Lehrer Krüger daselbst eingelaufen seien. Es ist augenscheinlich, daß das Ganze von den