Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1868)
- Date
- 1868-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447349--05848-2461375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
99 mag sich zucken, unsere Haut ist gesund" sagt Hamlet. Also Herr Jellinek nimmt den Handschuh auf, und weiß wohl, warum er dies muß. Sehen wir zu, wie er es thut. Derselbe ließ am folgenden Tage Folgendes in der „9L f. P." erscheinen. „Herr Redakteur! Erlauben Sie mir, in Beziehung aus die Richtigstellung der Trauungsangelegenheit des H. Dr. Benedikt, die H. Di*. Hildesheimer in der heutigen Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlicht hat, meinerseits zu erklären, daß der Herr Rabbiner von Eisenstadt einem religiösen Dokumente von Di*. Geiger und Genoffen überhaupt keine Zuverlässigkeit; zuerkennen wollte, und daher alle weitere Verhandlungen und Bemühungen, ihn eines Bessern zu belehren, selbst unmöglich machte. Möge doch H. Di*. Hildesheimer sich öffentlich darüber aussprechen, nicht etwa, ob die fragliche Proselytin eine 'Jüdin sei, sondern ob er Dr. Geiger und Genoffen als Juden anerkenne." Diese Epistel enthält 3 Momente. Erstens , es sei za mit mir, der ich die Zuverlässigkeit der in Rede stehenden Rabbinen leugnete, gar nichts anzufangen und gar keine Möglichkeit, mich eines Bessern zu belehren, gewesen. Es geht aus diesen Worten hervor, daß H. I. Kenntniß von meiner Correspondenz mit H. Dr. B. hatte, welche Bemerkung uns zur weiter unten folgender Beurtheilung seiner Handlungsweise nicht ohne Bedeutung ist. Wieso mich aber H. I. eines Bessern belehren wollte, nachdem ich aus dem Zeugniffe nachgewiesen, daß dieses selbst, die Dame noch als Christin erklärt, das mag durch irgend ein Geheimniß zu erklären sein (läßt (?j sich ja bekanntlich H. I. im Conversationslexicon als größten Kabalisten seiner Zeit ausgeben), wir gewöhnliche Menschenkinder nennen dies: Unsinn. Zweites, ich möchte doch mich weniger darüber äußern, ob die Betreffende Jüdin sei oder nicht. Also darüber weniger; ist einem schon solche Infamie vorgekommm? Worüber denn soll man sprechen, worauf denn kömmt es einzig und allein an, als darauf, ob H. Dr. I. religionsgesetzliche pwn'p gegeben, oder ob er Jude mit Christin copulirt (?), bei denen keine pDSin jhbntp, das sogenannte Ehepaar vor dem Religionsgesetze nun lebt? Worauf denn? Weil dies dem Herrn Prediger etwas genant ist, darum verliert die Frage um kein Jota an ihrer Bedeutung; darum ist es um keinen einzigen Laut weniger himmelschreiend, daß dies in der Wiener Gemeinde, der man den vorzüglichen Tact in Allem, was öffentliche Uebung der Religionsvorschrift betrifft, nicht absprechen kann, geschehen konnte. Drittens, ich sollte mich hauptsächlich öffentlich darüber aussprechen, ob ich die HH. Dr. Geiger und Genossen als Juden anerkenne? Was die ersten beiden Punkte betrifft, so fühlte ich mich, getreu meinem festen Vorsatze, nur soweit meine positive Mithilfe zum Abschluß dieser Ehe verlangt wird, mein Urtheil abzugegeben, nicht mehr veranlaßt, zu antworten. Ob H. I. eines Bessern belehrt zu sein glaubte oder nicht, ob H. I. die Betreffende für Jüdin hält oder nicht, das möge H. I. mit sich selbst und seinem Gewissen abmachen, mich geht dies nicht mehr unmittelbar an, denn H. Dr. B. ist jetzt in Wien zuständig, die Affaire tritt also jetzt ganz aus meiner Amtssphäre. Außerdem konnte ich getrost dem gesunden Urtheile des lesenden Publikums die Beantwortung der Frage überlaffen, ob man jedem Juden ohne Ausnahme in Dingen jüdischer Satzung Vertrauen schenken dürfte, ich konnte mich getrost auf die so nahe liegende und natürliche Schlußfolgerung verlassen, daß in diesem Falle beispielsweise die Beamten der ntpu Fleischbänke sehr überflüssig seien, zu welchem Liberalismus man sich aber in Wien bis jetzt durchaus nicht erhoben hat.— Und um so mehr jenen Männern gegenüber, die sich wie die „Urschrift", wie der berüchtigte Proceß, der sich im vorigen Jahre in Darmstadt abwickelte, und wie die literarische Thätigkeit des Herrn Formstecher zeigt, sich selbst himmelhoch über jene alten Ammenmährchen dünken. Was aber Punkt 3 betrifft, so mußte ich mich natürlich des Wiffensdurstigen erbarbarmen. Ich antwortete daher Folgendes in der „N. f. Presse": „Herrn Di*. Jellinek, Prediger in Wien. Auf Ihre höchst sonderbare, übrigens hier nicht vorliegende Frage, ob ich Herrn Dr. Geiger und Genossen als Juden anerkenne, brauche nicht ich Ihnen erst zu antworten. Es wird Ihnen dies jedes jüdische Schulkind sagen können, daß nach jüdischem Religionsgesetze Niemand, der von jüdischen Eltern oder auch nur von jüdischer Mutter geboren, je aufhören kann, dem Religionsgesetze als Jude zu gellen." Diese Frage und Antwort braucht keinen Commentar. Und solche Idioten wollen noch immer das große und hochmüthige Wort führen N! — Gleichzeitig hiermit wickelte sich aber noch an einer andern Stelle ein sehr lehrreiches Stück Sittengeschichte der modernen Geistlichkeit des Judenthumes ab. In Folge einer mit meinem in voriger Woche eingesandten Artikel in der „Presse" veröffentlichten Berichtigung des dort aus der „Neuzeit" abgedruckten Wortlautes eines angeblichen deutschen Zeugnisses der HH. Dr. Geiger und Consorten erhielt ich von dem H. Dr. Jellinek in demselben Blatte folgende Antwort: „Im heutigen Abendblatts der „Presse" verdächtigt H. Dr. Hildesheimer die deutsche Uebersetzung des Zeugnisses der Proselytin Frau Dr. Benedikt, das die „Presse" nach der „Neuzeit" reproducirt hat. Ich bestätige hiermit, daß das deutsche Zeugniß von Dr. Geiger selbst ausgefertigt und von dessen eigener Hand geschrieben ist." (Forts, folgt.)