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Der Israelit · 1868-02-05 · Heft 6 (5.2.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 6 (5.2.1868)
Date
1868-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage z« Rr. 6 des Israelit. 8eitrr«gSrrachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 24. Januar. DaS Haus der Abgeordneten setzte in seiner heutigen Sitzung die Berathung über den Etat des CultusministeriumS fort. Abg. Dr. Kosch kommt auf den Umstand zurück, daß im Departement des CultusministeriumS, wie in denjenigen des Justizministers, den Juden die Zugänglichkeit zu den öffentlichen Aemtern noch nicht gestattet wsrde. Zunächst habe er dem Cultusminister seine Anerkennung dafür auszusprechen, daß an der Universität zu Königsberg jetzt auch andere als nur evangelische Lehrer angestellt werden könnten. Aber auf den anderen Gebieten lägen die Dinge noch wie früher. Im verfloffenen Jahre habe der Regierungscommiffär erklärt, daß der Anstellung von jüdischen Lehrern an den Realschulen nichts mehr entgegenstehen solle; gleichwohl aber sei kurz darauf wieder im gegentheiligen Sinne verfügt worden. Die Doctoren Jntroscinsky und Warschauer, die schon seit langen Jahren als Hilfslehrer an der Realschule zu Posen unterrichteten, und deren besondere Tüchtigkeit insbesondere auch von ihren Vorgesetzten, allgemein anerkannt sei, könnten nicht zu einer definitiven Anstellung gelangen. Das konfessionelle Princip der Staatsregierung müffe verlaßen werden. Was solle man in den neuen Provinzen zu diesem Principe sagen? Das suum cuique müffe doch endlich auch den Juden in Preußen zu Theil werden. (Bravo!) Abg. Techow unterstützt die Ausführungen des Dr. Kosch. Der Magistrat zu Breslau wolle eine neue Realschule mit der Bedingung errichten, daß auch Juden an derselben angestellt werden könnten, worauf der Cultusminister jedoch nicht eingehen wolle. Was die Angelegenheit des Dr. JntroscinSky betreffe, die das Haus schon wiederholt beschäftigt habe, so müffe dieselbe doch endlich zum Abschluß kommen, damit man endlich bestimmt wisse, was in fraglicher Beziehung in Preußen gelte und was nicht. Den Juden gegenüber dürfe man nur sagen: gleiche Rechte, gleiche Pflichten l Abg. Dr. Kosch constatirt daS Schweigen der Vertreter der StaatSregierung in Bezug auf die von ihm in Anregung gebrachte Frage. Unterstaatssecretär Lehnert: Ich habe lediglich Leßhalb geschwiegen, weil in dem, was der Abg. Techow gesagt hat, bereits die Antwort «lag. Die Angelegenheit schwebt eben noch. (Heiterkeit.) Ich werde die Wünsche des Vorredners übrigens dem HerrnCultuSminister vortragen. Abg. Laßwitz: Wir haben in Breslau das Gebäude fertig hergestellt, die Kinder wollen hinein, aber die Staatsregierung läßt es nicht zu, weil die Schule vorher eine eonfessionelle werden soll. Möge die Staatsregierung wohl auf ihrer Hut sein, sie könnte mit ihrem confesfionellen Standpunkt den konfessionellen Frieden noch stören, und die Anzeichen machen sich bereits bemerklich. Unterstaatssecretär Lehnert: Von solchen Anzeichen wifle die StaatSregierung nichts, auch sei das Verhalten der Staatsregierung kein solches, daß es solche Erscheinungen Hervorrufen könnte. In Frankfurt a. M. sei eine jüdische Realschule. Störe die Regierung dieselbe? Wenn man wolle, könne man eine solche in Breslau errichten. Berlin, den 27. Januar. Heute früh um 6 Uhr ist der Abgeordnete Commercienrath Leonor Reichenheim nach mehrwöchentlicher Krankheit gestorben. Derselbe hat nur ein Alter von nicht ganz 54 Jahren erreicht. Berlin, 27. Januar. In der heutigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten zeigte der Präsident das gestern Vormittag 10 Uhr in Folge eines Nervenschlags erfolgte Ableben des Abg. Reichenheim an. Der Abg. Reichenheim war in der letzten Zeit immer kränklich und in den letzten Wochen von den Sitzungen des Hauses beurlaubt. Der Präsident widmet dem Verstorbenen einige Worte des Nachrufes. Seit 1859 war Herr Reichenheim ohne Unterbrechung Mitglied des Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Waldenburg-Reichenbach; der Commission für Handel und Gewerbe gehörte er seitdem beständig, der Budgetcommission seit 1862 an. Zum Schluffe fordert der Präsident daS Haus auf, sich, um das Andenken des Verstorbenen zu ehren, von den Plätzen zu erheben. Dies geschieht. Der Präsident zeigt dann noch an, daß das Begräbniß am Mittwoch Vormittags 10 Uhr erfolgen wird. Berlin, 29. Jan. Heute Morgen fand die Beerdigung des am 26. d. M. hier verstorbenen Abgeordneten, Commercien- und Stadtrathes Leonor Reichenheim unter ganz ungewöhnlicher Betheiligung statt. Vier- bis fünfhundert Personen hatten sich im SterbehauS eingefunden; die weiten Räume der Billa des Verstorbenen im Thiergarten reichten weithin nicht aus, das Trauergefolge zu faffen, welches durch den Garten und die berühmten Treibhäuser sich zu verthei-

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