Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1868)
- Date
- 1868-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447348--05822-2461348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Znojmo 1× ep/1046086
OCR text
74 Seit dem Jahre 48 ist man hierzulande gewohnt zu sagen: Wien ist frei; nun dieses Freisein erstreckte sich dazumal im Anfänge in Bezug auf den Juden dahin, daß er in Wien frei, unbeanstandet von der Polizei sich aufhatten konnte; nun strömte damals von der ganzen Monarchie eine Menge Glaubensgenoffen dahin, auch von unserer Stadt zogen Viele, ja ein kleiner Bruchtheil der Gemeinde nach Wien, aber an ein freie- Leben in des Wortes wahrer Bedeutung, welches auch ein frei sich entfaltendes Gemeindeleben mvolvirt hätte, war nicht zu denken; gottlob diese Zeit ist vorüber I Es ist eine Zeit eingetreten, wo es möglich, daß vor Wochen die öffentliche Meinung in Oesterreich sich lebhaft damit beschäftigte, ob der Jude Winterstein Minister sein wird, oder nicht — da kann es uns kein Wunder nehmen, daß die Orthodoxen Wiens, diese große Partei in der Wiener Jsraelitengemeinde, anfängt, festen Fuß zu fassen, und das erste erfreuliche Resultat war die große schöne Synagoge derselben in der Schiffgaffe in Wien. Wie hoch jenes Resultat anzuschlagen sei, beweist am deutlichsten, wie sehr seinerzeit ein Wiener jüdisches Blatt sich darüber ärgerte, und auf die Preßburger, die Gründer dieses Gotteshauses losschrie und schrieb. — Nun hat diese Colonie der Preßburger ihrem unvergeßlichen Oberrabb. eine Adreffe, welche beinahe 100 Unterschriften bedeckte, alle von Preßburger D’na »tya, durch eine Deputation bestehend aus den Herren I. L. Freistadtl und David Pollak, den Erbauern benannter Synagoge, überreichen laffen; dieser schloß sich ein prächtiges Ehrengeschenk an, nämlich ein kostbarer Sammtpelz im Werthe von 500 fl. ö. W. Also obenbezeichneter Abend wurde zur Ueberreichung der Adreffe sammt Geschenk ausersehen; als nun unser theurer Lehrer, umgeben von seinen Schülern bei froher Tafel saß , traten die genannten Herren, begleitet von den Trägern des Ehrengeschenks, herein — eine feierliche Stille trat ein, und die Adreffe wurde nun verlesen. In einer glanzvollen Sprache legten die Verehrer des Gefeierten ihre Gefühle des Dankes und ihre Hochachtung gegen denselben in dieser Zuschrift nieder; ferner wurde in dieser Ehrenadreffe der großen Verdienste Erwähnung gethan, welche er sich als Lehrer in Israel, als Lehrer so vieler Tausende seiner Schüler in Ungarn in so hohem Maße erworben. Sichtlich ergriffen nahm der Herr Oberrabbiner nach Beendigung des Verlesens das Wort zu einer kurzen Erwiderung: Indem er von den Gesinnungen der Liebe und des Wohlwollens der Unterzeichner der Adreffe gegen ihn schon längst überzeugt sei, hätte es auch keines eclatanten Beweises bedurft, ihm diese Meinung aufs Neue beizubringen; auf deren Inhalt übergehend sagte er: Daß dies unverdientes Lob sei, da die Liebe bekanntlich — immer vergrößert; zu jenem Punkte der Adreffe gelangend^ wovon dem Verdienste, welches sich der Obrb. von P^ als Lehrer und Leiter so vieler tausend Schüler erworben, sprach er mit Thränen in den Augen: „Ja, es ist wahr, daß ich mit Gottes Hilfe Tausende und Tausende im Ungarlande zur Lehre Gottes und der hl. Religion herangebildet habe; die Mehrzahl von ihnen, ja beinahe Alle sind sie v'Obwi bw; die Verbreitung der heiligen Gotteslehre habe ich mir zum Ziele gesetzt; ich hoffe noch ferner dafür mit göttlichem Beistand zu wirken!" Nach kurzer Antwort von Seiten der Deputation stellte sich wieder die frühere Munterkeit der Tischgesellschaft ein, und die Wogen der Fröhlichkeit gingen hoch bis lange nach Mitternacht; Allen aber, die diesem feierlichen Act beigewohnt, wird er noch lange im Gedächtniffe bleiben. I. Lemberger. Brünn. Der jüngst verstorbene vr. Bachrach widmete sein ganzes nicht unbedeutendes Vermögen zu wohlthätigen Zwecken, und die verschiedenen Legale zeigen, daß der Manu für die mannichfachen Humanitären Bestrebungen unserer Zeit ein warmes Herz halte.. Außer einer Familienstiftung im Betrage von circa 14000 fl. unter dem Namen „Dr. Bachrach-Stiftung" vermachte er folgende Legate: je 500 fl. den Beerdigungs-Vereinen (Chewra Kadischa) zu Brünn und Nikolsburg, 500 fl. der brünner Religionsschule, 500 fl. der isr. Hauptschule zu Nikolsburg, 500 fl. für eine in Brünn zu begründende isr. Kleinkiliderbewahranstalt. Sollte ein solches Institut nach 20 Jahren noch nicht ins Leben gerufen worden sein, so fällt dieser- Betrag sammt den angewachsenen Zinsen der Brünner städtischen Kleinkinderbewahranstalt zu, 500 fl. dem jüdischen Hospital zu Carlsbad, mit der Bestimmung, daß ein Brünner oder Nikolsburger jüdischer Kranke bei der Aufnahme ins Spital den Vorzug habe, je ein 1854ger Loos k 250 fl , dem israel. wohlthätigen Frauenoerein in Brünn, dem christl. wohlthätigen Männerverein allhier, 2 Stück der gleichen Loosgattung der mährischen Jnvaliden-Stiftung für zwei Stiftungsplätze mit der Bestimmung, daß einer dieser Stiftungsplätze einem Israeliten ertheilt werde; je ein Donau- Dampfschifffahrts - Loos den barmherzigen Klöstern zu Brünn und Feldsberg. (Abld.) Znaim, den 17. Jan. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hat das Erscheinen der Berfaffungsgesetze, wenn auch in stiller Weise, würdig gefeiert. Auf Anregung der Kultusvorstehers H. Schmidl haben die hierortigen Israeliten ein Kapital von 100 fl. zusammengelegt, und solches einer Stiftung gewidmet, deren Zinsen am Jahrestage der Veröffentlichung der Staatsgrundgesetze einem armen Schulknaben ohne Rücksicht auf sein Religions-Bekenntniß gespendet werden sollen. Aus Nachod, 14. Januar wird berichtet: Ge-