Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1868)
- Date
- 1868-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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72 chen Eingabe an die h. Kammer der Reichsräthe in obigem Sinne. Diese Eingabe übergab nun der Herr Dr. dem Herrn Rosenbaum zum sachdienlichen Gebrauche. Letzterer aber zog es vor, einen Gebrauch hievon nicht zu machen, eingedenk der Worte r« nu’JD ->wvp (der Ankläger kann nicht alsVertheidiger fungiren), auch mag es demselben nicht als paffend erschienen sein, den Herrn Or. in Gemeinschaft mit Herrn Districts-Rabbiner Bamberger arbeiten zu lassen.*) Hierauf entwarf nun Herr Rabbiner Bamberger eine Eingabe an die h. Kammer der Reichsräthe, worin er in wahrheitsgetreuer Erörterung der Sache nachgewiesen, wie diese Modification mit dem wahren Berufe des Rabbiners als unvereinbar zu bezeichnen fein dürfte; begab sich dann persönlich zu mehreren hervorragenden Herren Reichsräthe«, und die deSfallfigen hohen Audienzen gewährten Herrn Rabbiner Bamberger höchstwohlthuende Empfindungen und Beruhigung. Nachdem nun erwähnte Eingabe eingereicht, glaubte Herr Rabbiner Bamberger diese hochwichtige Angelegenheit noch umständlicher beleuchten, und diese Beleuchtung einem ausgedehnteren Kreise zugängig machen zu sollen, weßhalb er eine deSfallsige Broschüre im Druck erscheinen ließ, und wurde dieselbe selbstverständlich an die entsprechenden Persönlichkeiten eingesandt. Diese Angelegenheit gelamgte nun zur Berathung bei dem hohen Ausschuß be£ Höchen Kammer der Reichsräthe und wurde — wie von' Herrn Rabbiner Bamberger petitionirt — erwähnte Modification von genanntem hohen Ausschüsse mit groHer Stimmenmehrheit zu streichen beschlossen.**) Ms di6S nun durch die Presse bekannt wurde, fing man non Seiten der Neologen an rastlos zu arbeiten, und man begnügte sich nicht mehr mit Privatleuten, sondern es wurden — wie die Süddeutsche Presse gemeldet — von dem israelitischen Vorstande zu München und noch einigen Gemeinden Eingaben an die h. Kammer der Reichsräthe eingereicht, worin die Bitte gestellt, um, dem Ausschußbeschluffe entgegen, allegirte Modification aufrecht erhalten zu wollen. Ungeachtet «M, daß sich in gedachter h. Kammer viele und höchst bedeutungsvolle Stimmen für unsere Sache in beredter und eindringlicher Weise vernehmen ließen, erhielt die Modification durch schwache Stimmenmehrheit (wie wir hören von 5 Stimmen) Zustimmung. Die Lehre, die hieraus zu ziehen, bedarf wohl nicht weit hergeholt zu werden. Denn, diese Sache ermahnt nachdrucksvollst bei der Wahl von Rabbinen und selbst blos von Cnltusvorständen mit aller Bor- und Umsicht zu Werke zu gehen, nur solche Männer zu wählen, deren Thora - Kenntniß und ungeheuchelte Religiosität sichere Garantie bieten, daß sie nur zum Segen und zum Heile unserer heiligen Religion wirken werden. Es steht denn doch wohl fest, daß ein Rabbiner noch Größeres zu leisten im Stande sein müsse, als eine einstudirte Predigt vorzutragen, wie ent Schauspieler seine einstudirte Rolle, und daß eS auch nicht genüge, wenn die CultuSvorsteher reiche und bedeutende Geschäftsleute sind, sondern daß sie das höchste Gut besitzen müssen, echte und ungeheuchelte Religiösität. Schließlich wird noch bemerkt, daß Alles oben Ausgesprochene nur unsere Mißbilligung gegen diejenigen unserer Glaubensgenossen ausdrücken soll, welche, wie oben bezeichnet, verfahren, weit entfernt aber, dies auf irgend ein Mitglied der hohen Kammer beziehen zu wollen. Bon nichtisraelitischer Seite kann es wohl in der besten Absicht angenommen werden, daß der Rabbinatscandidat Gymnasialstudien mit Fachstudien vereinigen könne, ohne letztere zu beeinträchtigen, und sicherlich sind jene Herren auch eben nur von der besten Absicht bei ihrer Abstimmung geleitet worden. Von einem Rabbiner oder auch nur CultuSvorstande aber kann und muß so viel Kenntniß seiner Religion verlangt werden, um Obenerörtertes selbst zu wissen, oder sich in solch wichtige Angelegenheiten nicht einzumischen. Indem wir hoffen, durch eine weitere Mittheilung auch die stenographischen Berichte, sowie das erwähnte Broschürcheu durch diese Blätter zu veröffentlichen, fügen wir den innigsten Wunsch bei, künftig nicht mehr in die unangenehme Nothwendtgkeit uns versetzt zu sehen, solcher Berichterstattung unsere Feder zu leihen, vielmehr stets Gelegenheit zu haben, nur Gutes und Erfreuliches zu berichten. *) Bei Abfassung dieser Zeilen verlautet, Herr Dr. H. habe | später doch noch eine Eingabe in unserem Sinne direct bei der j b. Kammer der Reichsräthe eingegeben, und, wenn dies wahr, so wolle sich der geneigte Leser dieser Zeilen über das Obenge- I sagte selbst seine Modification machen. **) Der Ausschuß der Reichsräthe besteht nämlich aus folgenden hohen Persönlichkeiten: Seine königl. Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, Seine königl. Hoheit Herzog Ludwig in Bayern, Herr Graf Ludwig zu Pappenheim, Herr Julius von Niethammer, Seine Durchlaucht Fürst Karl Friedrich von Wrede, Herr Graf Erasmus von Deroy, Herr Graf Ludwig von Lerchenseld- Kösering» Herr Präsident des prot. Oberconsistoriums Dr. Adolph von Harleß, Herr StaatSrath Freiherr Karl von Schrenk. Zeitungsnachrichten und Correspow denzen. Deutschland. □ München, 20. Jan. (Originalkorrespondenz). Aus dem Rechenschastsbericht des „Vereins zur Unterstützung auswärtiger israelitischer Armen" — DvniN nDJDH rron — für das Jahr 1867 komme ich der angenehmen Aufgabe nach, über die Thätigkeit desselben während dieses Jahres Bericht zu erstatten.