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Der Israelit · 1868-01-29 · Heft 5 (29.1.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 5 (29.1.1868)
Date
1868-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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71 einen Ruf hat, nie ein Gymnasium besuchte, und doch als rabbinischer Schriftsteller und als Lehrer einen ausgezeichneten Ruf in Deutschland hat. Es ist dieser der Rabbiner von Würzbury, ein gewisier Bamberger, den die ganze jüdische Welt kennt. Nun muß ich aber bemerken, daß das Judenthum keineswegs so leicht und scheinweise mit der Bildung seiner Rabbiner vorgeht. Wer zum rabbinischen Studium sich hingezogen fühlt, der wird es wahrlich nicht deßhalb beginnen, um eS vielleicht heute oder morgen wieder wegzulegen, denn es ist das ein Studium, welches eine ungeheure Zeit verlangt. Es kann andererseits der nächste, beste jüdische Kaufmann die ausgezeichnetsten rabbinischen Studien besitzen, wie dies auch wirklich der Fall ist, er kennt durch und durch sein Religionsbekenntniß, seine heilige Schrift und seinen Talmud; er erscheint als Mann und Bekenner seines positiven Glaubens selbst als natürlicher Redner vor seiner Gemeinde und braucht deßhalb nicht Griechisch und Latein zu lernen. Ich für meine Person würde die Annahme des Antrags des Herrn v. Münch für einen harten Eingriff halten, welchen man dem Judenthum zusügt, von welchem ich bekanntlich kein Freund bin, durchaus nicht, aber man würde Manchen von rabbinischen Studien abhalten, der vielleicht in späterer Zeit das Ausgezeichnetste für seinen Glauben leisten würde. Darum würde ich Sie bitten, obgleich Herr v. Münch die beste Absicht hat, hier nicht in das Religionswesen des Judenthums ein zu greifen rc." Daß die an diesem Freitag gemachte Erfahrung keine sehr heitere Gemülhsstimmung bei jedem echtläubigen Israeliten, der davon Kunde erhielt, hereiführte, ist begreiflich; besonders wenn man erwägt, wie eigene Glaubensgenoffen es nicht scheuten, Mißtrauen gegen Israeliten hervorzurufen, wie deren Aeu- ^ßerungen dem Abg. Herrn v. Münch gegenüber wohl annehmen lassen dursten. Die Worte des gedachten Herrn lauten nämlich u. A. wie folgt: „Ich habe mich über diese Frage auch mit Jsrae- Uen benommen. Ein Theil derjenigen, mit denen ich Gelegenheit zu sprechen hatte, ist ganz entschieden für de Einstellung einer solchen erhöhten Vorbedingung, Äe sie von wir beantragt ist, wett sie selbst nicht rollen, daß ihre Candidaten gegen die christlichen Canadaten bevorzugt erscheinen, und weil sie selbst nicht wünschen, daß eine Bestimmung des Gesetzes gerade vün ihren Glaubensgenossen so leicht umgangen werde und ihnen hieraus ein Borwurf gemacht werde. Die Andern, die ich zu sprechen Gelegenheit hatte, sind ganz entschieden gegen diese Modification, deßhalb, weil sie die Gymnasialbildung nicht für die Rabbiner haben wollen rc." Sonntag waren nun die Herren Rabbiner Bamberger aus Würzburg, Billmann, Rosenbaum und Stern beisammen, um zu beratheu, ob und was mix zu thun sei, wobei auch gerade Herr Rabbiner Aub zu München Herrn Rabbiner Bamderger einen Besuch abstattete. Nach kurzer Zeit ließ auch Herr Rabbiner Dt. Hirschfeld aus Augsburg sich melden, und mau war erstaunt darüber. Dieser galante Herr Dr. erschien nun, suchte sich so gut als es gehen mochte, zu > vertheidigen, gab vor, daß sein Antrag aus Gymuafiab- > Absolutorium nur ein Compromiß gewesen sei, indem; er dadurch das Versprechen erhalten habe, daß die jetzigen Rabb. - Candidaten von dieser Anforderung befreit sein sollten, und er geglaubt habe, aus zwei liebeln das kleinere wählen zu sollen. Man fragte ihn hierauf, mit wem er denn eigentlich diesen Compromiß abgeschlossen habe? ob etwa mit dem Ausschuß oder gar mit der Kammer selbst?!! Darauf konnte er freilich nichts anderes erwidern, als daß er bloß mit einigen Israeliten diesen Compromiß eingegangen. Man fragte ihn ferner, wie er in socher hochwichtigen Sache, die bei hohem Ausschüsse bereits erledigt, eingreifen mochte, ohne mindestens dem Herrn Rabbiner zu München Kenntniß hievon zu geben? worauf er versicherte, Letzteres gethan zu haben, was aber sofort von dem anwesenden Herrn Rabbiner Aub in Abrede gestellt wurde. Dieser Austritt mag nun den anwesenden Herrn Rosenbaum aus Zell denn doch alterirt haben , denn sofort erklärte dieser dem Herrn Doetwl mit dürren Worten: „Wissen Sie, für was man icv Judenthume Ihre Heldenthat hält? für nichts als eine Denunciatron und m’DD. Ich w /erbe Sie öffentlich dafür anklagen und dann haben fr?ie Gelegenheit , sich öffentlich zu vertheidigen". Eiil'r feinfühlender Mann hätte höchstwahrscheinlich nach ei jner solchen Ansprache sich empfohlen, allein Herr vr.yl, Hirschfeld scheint eine etwas zähere Natur zu haben, zp Derselbe sing abermals an, sich zu vertheidigen mq-t dem Versprechen, denselben Nachmittag noch eine Ei, ngabe an die h. Kammer der Reichsräthe zu richten, - *t>orin er selbst erklären wolle, daß nur äußerst Seltenß^egabte im Stande seien, Gymnasial - Absolutorium mgeit gehürigem Fachstudium zu verbirden und daß er nur in der Voraussetzung sich dafür erklärt habe, dfi^rß hierdurch die dermaligen Nabb.-Candidaten hievonen befreit werden, da dies aber gar nicht zur Sprache he am, er selbst die Streichung dieser Modification beai. ntrage. ES wurde ferner beliebt, Nachmittags Herrn Rar Mriner Bamberger, Billmann, Stern und Rosenbcmm d» *efe Eingabe lesen zu lassen und einhändige« zu wolle». Genannte Herren traten Nachmittags zur bestimmtm Stunde zusammen und nach einigem Zuwarten brachte zwar Herr H. ein Schriftstück, dar aber nichts weniger als eine Eingabe war, sondern ein neuer Absud seines vormittägigen Gespräches. Hiermit konnte natürlich keiner sich als irgend befriedigt erklären, und nun bequemte sich endlich Herr Dr. H. zu einer wirkli-

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