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Der Israelit · 1868-01-15 · Heft 3 (15.1.1868) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 3 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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45 Die einzelnen Lebensmomente dieses ZwillingS- -paar'S find unbekannt; vlan weiß nur, daß beide Brüder, um's Jahr 1540, an der Spitze eines sehr bedeutenden Bankgeschäftes in Prag standen, und Edelleute, Fürsten und Könige zur Kundschaft hatten. Eine schreckliche Thal von Seilen eines Adeligen von Wien, bezeichnet das Geschäft der Gebrüder Fränkel. Dieser Edelmann, dessen vornehme Stellung in der Gesellschaft ihm hohes Ansehen gab, entlieh eine bedeutende Summe Geld auf ein Jahr bei Henoch und Jona. Als das Jahr vorüber war und der Schuldner weder seine Schuld zahlte noch sonst etwas von sich hören ließ, beschloß Henoch Fränkel sich mit dem Schuldschein zu ihm nach Wien zu begeben, um ihn zur Zahlung zu zwingen. Der Adelige empfing den Banquier von Prag mit geheuchelter Entschuldigung und versprach ihm, wenn er die Schuldverschreibung bei sich hätte, sie ihm gleich zu zahlen, henoch, der nichts Böses ahnte, zeigte ihm den Schuldschein. Als sich der Edelmann von der Echtheit der Schuldverschreibung überzeugt hatte, ersuchte er den Banquier, sich mit ihm an seine Geldkaffe zu begeben, um den Betrag seiner Schuld zu empfangen. Der ehrliche Gläubiger, der gar kein Mißtrauen hatte, ging mit seinem Schuldner durch den Garten in ein Hinterhaus, wo mehrere Knechte beschäftigt waren. —„Hier bringe ich Euch einen Verräther Eures gnädigen Herrn, schlagt ihn todt und verscharrt ihn, daß kein Mensch etwas von ihm erfährt!" Kaum hatte der Elende diese Worte ausgesprochen, als die Knechte den unschuldigen Henoch Fränkel zu Boden warfen, und ihn mit ihren Füßen zu Tode traten. Der Mörder bemächtigte sich seines Schuldscheines und nahm, was der Ermorvete sonst noch von Werthsachen bei sich hatte; dann ließ er ihn im Keller des Hinterhauses begraben. Er glaubte nun Raub und Mord auf immer der Vergessenheit übergeben zu haben; aber das Auge Gottes, das Alles sieht, offenbarte seine That auf wunderbare Art> wie folgt: Jona Fränkel, der seinen Bruder nicht zurückkommen sah, und auch keine Nachricht von ihm erhielt, befürchtete, daß ihm ein Unglück begegnet sei, und begab sich sogleich nach Wien. Dort machte er dem Gerichte die Anzeige von dem Verschwinden seines Bruders Henoch Fränkel, der nach Wien gekommen war, um von dem und dem Edelmann eine bedeutende Summe Geldes gegen einen ausgestellten Schuldschein, der verfallen war, einzukassiren. Das Gericht gab Ihm zwei Gerichtsdimer mit, um ihn zu jenem Edelmann zu begleiten, wo er sich nach seinem verlornen Bruder erkundigen wollte. Als sie in das Haus des Edelmann's kämm, und die Knechte Jona Fränkel erblickten, deffen Aehnlichkeit mit seinem Bruder so außerordentlich war, glaubten sie nicht anders, als er sei derselbe, den sie ermordet und begraben hätten. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich ihrer; sie fielen auf die Knie vor ihm und riefen: — „Gnade, o Gnade! Wir haben Dich nur auf Befehl unsres gnädigen Herrn ermordet!" Als Fränkel dieses hörte, so überfiel ihn eine tiefe Trauer über den Tod seines geliebten Bruders. Er faßte sich jedoch bald, um die Einzelheiten seines Todes zu erfahren. Er sprach zu den Knechten: —„ Wenn ihr mit diesen Herren auf's Gericht gehen wollt, um ihm die ganze Wahrheit meines Todes zu erzählen, so werde ich Euch nicht länger beunruhigen. " Diese standen sogleich auf und gingen mit den Gerichtsdimern nach dem Gericht, und Jona Fränkel folgte ihnen weinend nach, ohne daß Jemand im Hause des Edelmann's etwas von dem, was vorgefallen war, wußte. Als das Gericht die Aussage der Knechts vernommen hatte, befahl es gleich, den Edelmann gefänglich einzuziehen. Auch seine Knechte wurden verhaftet. Man stellte Haussuchungen an, und entdeckte die Leiche des Ermordeten im Keller. Der Edelmann suchte anfangs Alles zu leugnen, er wurde aber durch seine Knechte überführt, und er mußte mit seinem Kopfe sein schreckliches Vergehen bezahlen. Seine Erben wurden verurtheilt, dem Hinterbliebenen Fränkel die Schuld ihres Bater's abzutragen. Eine eidliche Erklärung des Banquier's ersetzte den vernichteten Schuldschein. Die Knechte, als Werkzeuge des Mörders, wurden mit lebenslänglichem Kerker bestraft. Die Leiche des unglücklichen Henoch's brachte man nach Prag, wo sie feierlich neben den Eltern des Getödteten begraben wurde. Die Trauer über dieses schreckliche Ereigniß war allgemein in der Stadt. Alt und Jung, Reich und Arm beweinten ihn, denn er war von Jedem geliebt und geachtet wegen der Reinheit und Güte seines Herzens, wegen der großen Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Besonders war die Familie Fränkel trostlos. Sie ließ dem Unvergeßlichen ein prachtvolles Monument vom feinsten weißen Marmor errichten, und spendete reiche Gaben für die Armen. Wer zur schönen Sommerzeit den alten, ehrwürdigen Friedhof von Prag betritt, welcher sich mit seinen bemoosten Denkmälern, seinen hundertjährigen Silberpappeln, seinen von der Länge der Zeit theilweise entlaubten Fliedergesträuche auszeichnet, wird einen überaus tiefen Eindruck mitfortnehmen, denn dieser Friedhof ist einer der ältesten in Oesterreich. Allein wundersam wird sich das Herz des Wanderer's bewegt fühlen, wenn er an dem äußersten Ende der alten, mit Epheu bekränztm Einfassungsmauern den stillen Platz erreicht, welcher von Trauerweiden umzäumt, in seiner Mitte die Hülle des so grauenvoll dahinge-

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