Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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44 Die Ordnung wurde durch die Autoritäten gleich hergestellt. Es scheint dieser Vorfall mit den Wahlagitationen zusammenzuhängen. Amerika. New-Nork. Bei einer Versammlung der Vorsteherinnen der „Brwi Jeschurun", Damen-Wohlthätigkeitsgesellschaft, wurde folgender Bericht abgelegt. Während des vergangenen Jahres hat diese Gesellschaft 704 Kleidungsstücke unter die Armen vertheilt und 62 Wöchnerinnen die nöthigen Bedürfnisse verabreicht; im Laufe dieses Jahres wurde so viel Geld als in den 2 vorhergehenden Jahren zusammen ausgetheilt. Trotz der großen Auslagen hat die Gesellschaft noch einen Fond von 3000 Dollar (7,500 fl.), die auf Hypotheken stehen. Die Cassirerin berichtete, daß die Einkünfte 6127 Dollar (15,317 fl.) und die Ausgaben 5907 Dollar (14,767 fl.) betragen. (Jew. Meff.) Philadelphia. Das Vermächtniß des Herrn Gans aus Philadelphia lautet: Für den jüdischen Pflegeverein 5000 Dollar (12,500 fl.), für das jüdische Hospital 2500 Dollar (6250 fl.), für die Feuerungs-Gesellschaft 1000 Dollar (2500 fl.), für den Erziehungsverein 2500 Dollar (6250 fl.), für den jüdischen Unterstützungsverein 1000 Dollar (2500 fl.), zusammen 12,000 Dollar (30,000 fl.) (Jew. Mesi.) Wilmington. Am 8. vorigen Monats hielten die Israeliten eine Versammlung ab, die vom Rabbiner der Gemeinde, Herrn E. Meyers berufen wurde. Fast alle Israeliten, 3 oder 4 ausgenommen, wohnten dieser Versammlung bei, die zum Zwecke hatte, die Israeliten zu einer genauen Beobachtung des Sabbats und der Feiertage zu veranlaffen. Auf allgemeines Verlangen hielt Herr Rab. Meyers eine Anrede, in der er die Wichtigkeit des heiligen Sabbats klar und deutlich besprach; er zeigte hin auf die dringende Notwendigkeit, diesen Tag als Feiertag zu halten, und daß es ein großes Unglück für die Kinder wäre, wenn die Uebertretung deffelben kein Ende nehmen würde. Er stellte der Versammlung vor, wie lächerlich es sei, eine Gemeinde zu bilden und den Sabbat nicht zu beobachten. Die Anrede hat einen großen Einfluß auf die Zuhörer geübt, man beschloß im Allgemeinen, fernerhin die Geschäfte am Sabbat zu schließen, und viele Anwesenden Unterzeichneten ihren Namen, daß ste sich Mühe geben wollen, noch weitere Anhänger zu erhalten, die ihre Geschäfte an den Sabbaten und Feiertagen schließen. (Jew. Meff.) Feuilleton. Der Gefangene. Eine wahre Geschichte, von dem Helden derselben selbst ausgezeichnet. Mitgetheilt von E. (’armoly. (Fortsetzung.) III. Die Zwillinge. An einem schönen Abende, im Jahre 1505, genoß Gabriel Fränkel die Kühle vor seiner Thüre; er saß auf einem mit Eisen beschlagenen Lehnstuhle. Der reiche Kaufmann befand sich noch in jugendlichem Alter. Sein Anzug, der sich durch nichts, als durch eine tadellose Reinlichkeit vor dem der andern Bewohner der Stadt auszeichnete, zeigte an, daß die zeitlichen Güter seine Einfachheit nicht geändert hatten und die belebten Züge seines Gesichtes, voll Sanftmuth, verkündeten sein Herz. Er hatte den Pentateuch auf seinen Knieen ruhen; allein sei es, daß er über eine Stelle der fünf Bücher Moses nachdachte , oder daß weltlichere Gedanken seine Aufmerksamkeit von seiner Lektüre abzogen, seine Blicke schweiften umher, und waren bald mit unaussprechlichem Wohlwollen auf seine Frau gerichtet, die mit einer weiblichen Arbeit neben ihm saß, und bald mit inniger Liebe auf zwei Knaben von sechs bis sieben Jahren, die zu seinen Füßen spielten. Diese zwei Knaben, seine Kinder, waren ein Zwillingspaar. Man staunte über die große Aehnlichkeit der beiden Brüder. Sie wurden allgemein unter dem Namen Thäomim, die „Zwillinge", bekannt, und diese Benennung blieb den Fränkel's bis auf den heutigen Tag. Nicht alle THLomim jedoch waren Fränkel, weil Familien in Prag, die nicht aus dem Hause Levi waren, diesen Namen führten, der ein Kalenderzeichen ist und den Monat Sivan bezeichnet. Viele in diesem Monat Geborene nannten sich die Zwillinge. Henoch und Jona, so hießen die Zwillinge, blühten gleich Rosen. Ihr Gesicht war immer freundlich, ihr Herz heiter, ihr ganzes Wesen lebhaft und froh. Wenn man sie ansah, mußte man sich ihrer herzlich freuen, besonders da sie auch sehr gutmüthig, bescheiden und artig waren. Und so blühten sie glücklich zu Jünglingen heran, ihr Geist war gebildet, ihr Herz edel, ihr äußeres Wesen kräftig und empfehlend. Mit Wohlgefallen blickte man auf sie hin; mit freudiger Seele hofften besonders ihre gute Eltern das Beste von ihnen. Henoch und Jona hatten das zwanzigste Jahr erreicht. Ihre auffallende Aehnlichkeit ließ oft Eine« mit dem Andern verwechseln, und selbst Gabriel und Eliseba waren genöthigt, sie durch ein Zeichen zu unterscheiden.