Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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42 „Und jetzt wollen wir in Begleitung von Nöten, Harfen und andern Musik-Instrumenten Loblieder singen am heutigen Tage, fröhlich zu sein zur Zeit des Frohsinns in der Freude des Gebets zu Dem, Der da thront bis in alle Ewigkeiten im hohen Himmel. Er,, Der achtet auf alle Seine Geschöpfe, möge annehmen mit Erbarmen das Gebet, das wir zu Ihm emporsenden für das lange Leben unseres erhabenen Herrn und Kurfürsten. Saget Alle darauf: Amen! „Die Worte unseres erhabenen, frommen Herrn, des Kurfürsten, mögen stets wohlgefällig ausgenommen werden von den mächtigsten Königen, von den Herzögen und Fürsten, und alle Provinzen, die nahen und die fernen, mögen eilig seinem Willen Nachkommen (j;dbuS nttfjtt lonp’). Seine Ehre werde erhöht und erhoben bis zu hundert Jahren. „Unser Gebet ertönt heute zum Heile unseres gnädigen Herrn, des Kurfürsten. Gott möge ihn segnen und behüten vor jedem Schaden, vor Schmerz und Roth. Und der König aller Könige, der Heilige, gelobt sei Er, gebe in sein Herz und in das Herz aller seiner Fürsten und Räthe, zu üben Gutes mit uns, da wir Schutz suchen unter seinen Fittigen und wohnen in seinem Schatten, wir Juden in allen Provinzen seines Reiches, in den Kurmainzischen Landen, und mit unfern andern Brüdern, den Söhnen Israels. Wir aber vertrauen zu Gott, gelobt sei Er und gelobt Sein großer Name, daß ausgenommen wird unser Flehen mit Erbarmen von unserm Vater im Himmel, denn das Herz der Könige ist in der Hand des Herrn. „Aber auch später werden wir nicht aufhören zu beten für unfern frommen Herrn, den Kurfürsten und für das hochwürdige Domcapitel und für die ganze Familie unseres gnädigen Herrn, des Kurfürsten, und für alle seine Freunde und Fürsten und Räthe und für sein langes Leben bis zu hundert Jahren, Amen!" * * * Nach dieser Predigt folgen 24 Verse aus dem 119. Psalm, deren Anfangsbuchstaben pjj/dn’ inoy *TDnn Dtf-ps-imp lauten. Dann folgt ein "pntp wie ein ähnlicher noch heute an hohen Festtagen in hiesiger Syragoge anstatt des gewöhnlichen nywn jnun gebetet wird. Ein Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gemeinde, der einerseits die seit Jahrhunderten überstandenen, schweren Leiden schildert, andererseits in überschwenglichen Ausdrücken den neugewählten Kurfürsten preist und die Hoffnung ausspricht, daß er der Judenschaft ein gnädiger Herr sein werde, bildet den Schluß. Das vorliegende Schriftstück, das wir im Vorstehenden beschrieben haben, gibt uns einen Einblick in die Zustände des vorigen Jahrhunderts. Damals hing Leben und Eigenthum der Unterthanen, namentlich aber der unterdrückten und geplagten Juden, von der Person des Fürsten ab, der mit fast unbeschränkter Willkür sie von Haus und Hof treiben oder doch sie beschränken und quälar konnte, 8er aber auch, wenn er gut und edeldenkend war, die Sonne des Glückes leuchten zu laffeu vermochte. In dem Regierungsantritte des vorletzten Kurfürsten von Mainz leuchtete den Juden ein Hoffnungsstrahl nach langer Leidensnacht. Dieser Strahl ward immer erwärmender und erquickender. Zu Emmerich Josephs Zeiten erholten sich die Mainzer Juden; aber da er 1774 starb, zog trübe Befürchtung in ihr Herz ein; denn sein Nachfolger, der Domherr von Erthal, galt allgemein als Judenfeind. Allein der Judenhaß des letzten Kurfürsten von Mainz war nur eine Maske gewesen, wie er es denn auch für gut gehalten hatte, einen streng kirchlichen Sinn herauszukehren, um seine Wahl zum Kurfürsten zu sichern. Nach seinem Regierungsantritte huldigte Kurfürst Erthal offen den damals sich verbrettenden Ideen der französischen Encyclopädisten und ward auch den Juden ein gar huldreicher Herr, der ihre Lage um Vieles verbefferte. Dankbar, wie unsere Glaubensgenossen sind, wurden sie in Folge deffen treue und begeisterte Anhänger des Kurfürsten, die nur mit tiefer Betrübniß den Kurstaat, nach fast tausendjähriger Selbstständigkeit des Mainzer Landes, vor den eindringenden Franzosen Zusammenstürzen sahen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 42. Janur. Wir begrüßen mit Freude eine neue ungarische Zeitung, „Magyar Szido" (der ungarische Jude), von welcher uns soeben die sechs ersten Nummern zugehen. Dieselbe, redigirt von dem talentvollen ungarischen Schriftsteller Albert Fakars, vertritt in würdiger Weise die Jntereffen des konservativen Judenthums. Leider ist uns der größere Theil der genannten Zeitschrift, welcher in ungarischer Sprache erscheint, unzugänglich. Da dieselbe jedoch auch Aufsätze und Nachrichten in deutscher Sprache veröffentlicht, so werden wir von diesen manche unsern geehrten Lesern mittheilen und sie mit „(M. 8z.)" bezeichnen. Mainz, den 12. Januar. Es liegen uns mehrere Briefe von hervorragenden Persönlichkeiten vor, welche das großartige Wirken unseres verehrten Glaubensgenossen, des Herrn Rttter Moritz von Fischer zu Herend bei Veßprim in Ungarn, rühmend anerkennen. Wir werden dieselben in nächster Nummer veröffentlichen.