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Der Israelit · 1868-01-15 · Heft 3 (15.1.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 3 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage z« Nr. 3 des Israelit. Leitender Artikel. Eine in Ser Synagoge?u Main? vor 105 Jahren gehaltene Predigt. (Schluß.) Die Predigt selbst lautet: „Wer kann die großen Thaten des allmächtigen Gottes aussprechen und alle seine löblichen Werke preisen! (Psalm 106, 2.) „Er ist der Schöpfer des Alls, Er setzt Könige ein auf Erden, und Sein ist die Herrschaft. „König Salomo legt dar im Buche Kohelet C. 3, daß diese Welt von der Erschaffung an bis zum Ende derselben von 14 guten und 14 bösen Zeiten, in 14 Versen begriffen, bestehe, von denen wir drei in die Betrachtung ziehen wollen: „Es ist eine Zeit zum Kriege und eine Zeit zum Frieden; „Es ist eine Zeit, geboren zu werden, und eine Zeit, zu sterben; „Es ist eine Zeit, zu klagen und eine Zeit, fröhlich zu sein. „Es find alio hier drei, gute und drei böse Zeiten geschildert. „Jene drei böse Zeiten sind über die Kurmainzer Israeliten mit aller Schwere hinweggegangen; furchtbare Abgaben, Beschränkungen und Steuern haben die hier und im ganzen Kurstaate wohnenden Israeliten seit langer Zeit derart bedrückt, daß es uns kaum möglich war, unsere Frauen und Kinder zu ernähren. Aber Noth folgte auf Noth. Seit mehr als sechs Jahren herrscht Krieg zwischen vielen Königen in den Ländern des Westens, die man Europa nennt, und cs wurde an uns erfüllt das Wort der heiligen Schrift: Und Israel verarmte gar sehr (Richter C. 6, V. 6). „Tie Führer und Leiter unserer Gemeinde wußten sich mehr weder nach rechts noch nach links zu wenden in Folge der großen Kriegsauflagen. Also ist an uns erfüllt worden zum Bösen: „Es ist eine Zeit des Krieges". „Aber nachher kam uns die Freudenbotschaft, daß Friede gewordin'in allen Ländern Europa's. Da hofften wir, daß auch uns die Verheißung König Salomo's zum Guten erfüllt werde: „Es ist eine Zeit des Friedens". „Da nun die erfreuliche Friedensbotschaft zu uns gedrungen, so erhofften wir Hilfe von unferm gnädigen Landesherrn, dem Kurfürsten, und es flehten zu ihm die Führer und Leiter der Gemeinde Mainz, sowie die aller Gemeinden des Kurstaates, daß er uns erleichtern möge die Last der Bedrückungen, der Steuern und Auflagen. Aber es war ihm nicht gegönnt, uns zu helfen, er erkrankte und starb. „ES ist eine Zeit, geboren zu werden und eine Zeit, zu sterben." Und als er gestorben war, da beklagten wir den Tod des Landesherrn, des Kurfürsten. „ES ist eine Zeit, zu klagen." Und so zogen über uns hinweg die drei bösen Zeiten, von denen König Salomo spricht; sie kamen rasch auf einander; aber von den guten Zeiten haben wir nicht eine erlebt. „Allein der Schöpfer. Sein Name werde gepriesen, gelobt sei Er und gelobt sei Sein großer Name, Er kennt die Noth Israels; denn so heißt es: Er, der bildet insgesammt ihr Herz, Er merkt auf all' ihr Thun, — Er ist's, der verwundet und wieder heilt, Er hat uns gezeigt auch bald eine Zeit zum Guten, die Zeit, fröhlich zu sein, von der König Salomo — über ihm walte der Friede — spricht. „Siehe, eine Stimme ertönte, eine Stimme, die nicht aufhörte, daß erwählt worden zum Herrscher über alle Mainzer Lande der große, berühmte Fürst, der seinen Namen zeichnet auf Papier mit Dinte und Feder (Di^iprn ina by intea Dmn *iipn) Emmerich Joseph, daß er Herr sei über alle Herren und Herrscher über alle Herrscher, daß et gleich einem Könige herrsche in allen Provinzen feines Reiches, als erhabener Kurfürst in allen Kurmainzischen Provinzen. „Da wir nun seit früheren Jahren gesehen und gehört haben, daß Emmerich 'Joseph liebevoll und barmherzig gegen die Armen und Bedrängten ist, so hat ein großer Trost unsere bekümmerten Herzen belebt, und so wollen wir denn erfüllen jetzt, daß es nach dem Ausspruche Salomo's auch eine Zeit zum Fröhlicksein gibt. „Jauchzen und Jubel herrscht im Lager Israels hier in unserer Gemeinde — Gott schütze sie — und in allen Prorinzen des Mainzer Landes! Danken und loben wollen wir den Ewigen und preisen Seinen großen Namen und beten wollen wir heute in der Synagoge, die da ist ein kleines Heiligthum (tayo tenpo) für unfern Herrn, den frommen Kurfürsten, deffen Majestät erhöhet werde und der da heißt: Emmerich Joseph. „Wir wollen ihn segnen mit allen Segnungen und Glückwünschen; möge er Glück haben, wohin er sich wende, möge Gott seine Tage und Jahre verlängern bis zu hundert Jahren. Amen l"

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