Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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40 meiner Kunst Euch schützend zur Seite stehe, braucht Ihr weder den Verrath der Pfaffen noch den der Fürsten zu fürchten. — Kommt, laßt Euch nicht von Vorurtbn en beherrschen, die eines so mächtigen Fürsten unwürdig sind!" — „Aber Ihr seid niemals getauft!" stieß der Kaiser entsetzt hervor. „„Niemals! Allein, dem kann abgeholfen werden. Wer, wie ich, tief eingedrungen ist in die dunklen Tiefen des Wissens, dem kann die Form gleichgiltig sein, in welcher man den Allmächtigen verehrt!" Als Joseph, der bisher unbeachtet dagestanden, diese lästerlichen Worte aus dem Munde seines ehemaligen Freundes vernahm, seufzte er tief auf. Da trat dieser auf ihn zu und sprach zu ihm: „^Joseph, schwöre mir heiligem Schwure, daß du Niemandem unser Geheimniß verrathen wirst!" Und Josebh leistete den Schwur. „So, jetzt gehe," sagte der Herzog darauf. „Morgen magst du mich in meiner Wohnung aufsuchen und den Preis für dein Schweigen empfangen." Joseph sah den Kaiser fragend an; dieser winkte mit der Hand, und Joseph ging. „Gut," sprach der Kaiser dann, „ich nehme Euren Vorschlag an. Morgen in stiller Nacht soll in aller Heimlichkeit die Taufe an Euch vollzogen werden. Seid mir nur fürder ein guter Sohn und Unterthan." Gemeinsam gingen sie dann in den Gesellschaftssaal, wo ihnen die Kaiserin, die kaiserliche Braut und die versammelten Gäste mit Sehnsucht entgegenharrten. (Fortsetzung folgt.) Doge und Diktator. Als im Jahre 1797 der General Bonaparte nach seinem glänzenden Siegeszuge durch ganz Norditalien an die unterworfenen Gegner stolze Forderungen stellte und ihnen schwere Friedensbedingungen auferlegte, da verlangte er auch von der Republik Venedig, wiewohl diese während des Krieges eine neutrale Haltung bewahrt batte, Genugthuung für wirkliche oder vorgebliche Unbilden, die Frankreich und einzelnen französischen Bürgern zugefügt worden wären. Die positiven Forderungen, die er an dieses Verlangen knüpfte, zielten auf die Vernichtung der Selbstständigkeit des Landes ab; allein, da sie zunächst nur gegen die Uebermacht der Aristokratie gerichtet waren, fanden sie unter dem venetianischen Volke selbst zahlreiche Anhänger, während der Adel, auf solche Weise von zwei Seiten bedrängt, sie zu verwerfen nicht den Muth hatte. In dieser gefährlichen Lage, bei der Bedrohung von außen und der Zerrüttung im Innern, wäre dem Staate ein Mann nöthig gewesen, der den Zauber! gebrochen hätte, durch den die Neberlegenheit des ge-l nialen Eroberers die Geister gebannt hielt, der anj der Spitze einer allgemeinen nationalen Bewegung dahin gelangt wäre, das Begehren der Fremden zurück»^ weisen zu können. Oberhaupt der Republik war damals der Doge! M a n i n i. Züge des Stolzes und aristokratischen Selbstbewußtseins werden uns von ihm überliefert; das! Selbstvertrauen besaß er nicht, um auf eigene Gefahr! Etwas zur Rettung des Gemeinwesens zu unternehmen.! Vom Gesetze zum Schutze der Verfassung verpflichtet,! ließ er nichtsdestoweniger zu, daß die alte aristokra-I tische Staatsordnung gestürzt, daß seiner eignen Würde ein Ende gemacht wurde, und das Dogenamt erloschj nachdem es elf Jahrhunderte überdauert hatte. 12. Mai beschloß die herrschende Macht ihre eigne! Auflösung; vier Tage später zogen die Franzosen ohnq Schwertstreich in die Stadt ein, die unter einer fähigen und muthvollen Führer in ihrer natürliche Befestigung auch dem mächtigsten Feinde leicht eine» erfolgreichen Widerstand hätte leisten können. Wenigs Monate, und die stolze Republik der Lagunen wa^ dem österreichischen Scepter unterthan. Der Doge Manini, von dem wir gesprochen, halt in seinen Schutz, unter seine Klienten eine israelitisch! Familie ausgenommen und dieselbe bei dieser Gelegen! heit veranlaßt, ihren bisherigen Namen mit dem sea nigen zu vertauschen. Aus diesem Hause entspross bald nach dem Untergang der Republik von S. Marcj ein Sohn, der den altaristokratischen Namen des leh ten Dogen in neuem Glanze sollte aufleuchten laste» Im Jahre 1804 erblickte der große Patriot Daniel! Manin das Licht der Welt, der als Diktator vo! Venedig seine Vaterstadt in den Tagen der Freihe! mit Heldenmuth und Geistesgröße lange Zeit geg? die Belagerer vertheidigte, der in seinem Volk die Zu verficht auf die Wiederkehr der nationalen Selbststärj digkeit, der Unabhängigkeit vom Joche der Frenue neu entflammte. In einer bedeutenden Epoche d! neuesten Geschichte sühnte er die Schuld, welche di Patron seiner Familie in früher« Tagen hatte au sich kommen lasten; er tilgte den Flecken, der auf de! Namen Manin von damals her brannte. Vened! aber, das vor Jahrhunderten den gehetzten fpanischs Juden in seinem Gebiet eine Freistatt gewährte, nach dem Erlöschen des Glanzes, den seine alten schlechter auf den Staat verbreiteten, in einer ne» Zeit aus dem Kreise seiner jüdischen Bevölkerung nen größten Bürger erstehen sehen. Leonidas. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchbandlung. — Dampf»Schnellpressendrirrk I. Gottsleben in Mainz.