Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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39 „Ich habe Euch nur eine geringe Belohnung zu Theil werden lassen," sprach der Kaiser zu Bilhard, -indem ich Euch mit dem Herzogthume Schwabe» belehnte. Ihr habt ein Recht, mehr zu fordern. Fordert nur, und wenn eS in meiner Macht steht , Eure Forderung zu gewähren, so soll es geschehen." „Mein Herr und Kaiser" sprach da der Herzog; „wohl habe ich einen Herzenswunsch, allein ich fürchte, Ihr versagt mir die Gewährung." „„Ei, sprecht nur, vielleicht trifft Euer Herzenswunsch mit dem meinigen zusammen."" „So gebt mir Eure Tochter zur Gemahlin!" „„Dachte ich's doch,"" rief der Kaiser erfreut. -„„Wennmeine Tochter einwilligt, so ist sie die Eure."" Da verließ Bertha hocherröthend ihren Sitz und sprach: „Mein Herz gehört schon, lange dem kühne« Helden, dem Retter des Vaterlandes; so nehmet denn auch meine Hand, edler Herzog!" Noch an demselben Tage wurde die Verlobung des hohen Paares auf's Prachtvollste gefeiert. Die Bürger von Rom erleuchteten ihre Häuser, und der Kaiser, die Kaiserin, das Brautpaar und das ganze kaiserliche Gefolge durchzogen die Stadt, um die prachtvolle Illumination in Augenschein zu nehmen. | Voraus schritten die Herolde und die andern iDiener des kaiserlichen Hauses. Den eigentlichen Zug leröffnete die Kaiserin mit der bräutlichen Tochter; IBeide auf reichverzierten weißen Zellern; daün folgte der iKaiser auf edlem Araberroß, ihm zur Seite der Schwiegersohn auf feurigem Hengste; dann kamen die Heer- Rührer des kaiserlichen Heeres, die Herzöge, Fürsten, Wrafen und Freiherren des deutschen Reichs. Viel Wolk war herbeigeeilt, den prächtigen Zug zu sehen. I Ehrfurchtsvoll schwieg die Menge in der Nähe «es Kaisers. Plötzlich rief Jemand mit lauter Stimme: g Jakob, Jakob!" Der herzogliche Bräutigam schaute »ch um und erkannte den Rufenden; es war Joseph, »ein ehemaliger Freund und Stubengenoffe. I Eine tiefe Röthe bedeckte des Herzogs Antlitz; dann Wandte er sich schweigend ab und ritt still vorüber. I Allein auch der Kaffer hatte den Ruf gehört und Was Erröthen seines Schwiegersohnes bemertt; eilig Winkte er zwei Ritter herbei und befahl ihnen, jenen Ru- «r geräuschlos und, ohne Aufsehen zu erregen, festzu- »ehmen und auf das Schloß zu führen. Der Herzog, m Gedanken versunken, war von all Dem Nichts ge- «ahr geworden. I Als der Kaiser in das Schloß zurückgekehrt war, keß er Joseph vor sich führen. I „Jude," sprach er z« ihm, „du bist des Todes, penn du mir irgend ein Wort der Unwahrheit sagst, vnv mm antworte mir: Wem galt heute Abend dein p#f?" „„Dem Manne an Eurer Seite!"" „Meinem Schwiegersöhne, dem Herzoge Bilhard von Schwaben?" »»Ich hörte ihn als solchen vom Volke bezeichnen!"" „Und warum riefst du: Jakob, Jakob!?" „„Weil das sein wahrhafter Name ist."" „Woher weißt Du das?" „„Wir wohnten in einem Zimmer, da wir Beide zusammen bei dem gelehrten Rabbbi von WormS de» Talmud studirten!"" „Wie, Herzog Bilhard ist kein geborener Prinz von Tombutku, soll gar ei» Jude sein?" „„So ist es, gnädigster Kaiser; er ist geboren zu Ensisheim am Rhein; sein Vater hieß Seligmann u»p ist schon seit vielen Jahren todt!"" „Woher hat aber der Unglückselige die große Macht? Er ist wohl ein Schwarzkünstler, ein Zauberer und steht gar mit dem Teufel im Bunde?" „„Nein, großmächtiqer Kaiser; er ist kein Zauberer; er hat die Kabalah studirt und durch diese erhabene Wiffeuschaft die Macht über die Dämonen erlangt."" Unruhig ging der Kaiser im Zimmer auf und ab; endlich riß er heftig an einer Glockenschnur; ei» Diener erschien und erhielt den Auftrag, den Herzog Bilhard herbeizurufen. Als der Herzog kam, deutete der Kaiser auf Joseph und fragte: „Kennt Ihr, Herr HerzSg, diesen da?" Der Herzog erschrak, als er Joseph erblickte; schnell aber faßte er sich und sagte ruhig: „Ich kenne ihn; er heißt Joseph und ist aus Trier; wir studirten mitsammen in Worms." „So habt Ihr mich schmählich betrogen!" fuhr da der Kaiser auf. „Gemach Herr Kaiser," entgegnete der Herzog mit fester Stimme, , Ihr sagt, ich habe Euch schmählich betrogen? Doch wem habe ich am Meisten dadurch genützt? Hättet Ihr selbst nicht die Hilfe des Juden verschmäht, wäre ich als solcher zu Euch gekommen? Hätten Eure stolze Vasallen sich unter den Befehl eines Juden gestellt? Wäret Ihr nicht auf dem Punkte unterzugehe«, als mein „schmählicher Betrug" Euch vom Abgrunde hinwegzog und Euch und die Euren rettete, Euch dem Leben und der Ehre und der vergötterten Macht wiedergab?" Der Herzog schwieg, und der Kaiser erwiderte Nichts. „Mein gnädiger Herr und Kaiser," nahm da der erstere wieder, aber diesmal mit sanftem Schmeicheltone, das Wort. „Was liegt Euch daran, ob ich der Sohn eines fabelhasten Königs oder der eines ehrlichen Juden bin? Solange ich mit meiner Macht und