Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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37 Holland. Amsterdam. Die Herren A. Jsaacson, I. Duparc jr., I. I. Jacobs, D. van Gigch, S. H. de Beer (sämmtlich Israeliten) wurden zu Directoren auf Telegraphenbureaus und Herr Bloemendal zum Anterdirector 1. Tlasie ernannt. (N. Weekblad.) Haarlem. Die Herren Emrik und Binger von hier erhielten bei der vorjährigen Ausstellung zu Paris eine bronzene Medaille. (R. Weekblad.) Frankreich.? Paris, den 10. Januar. Es wird Ihren Lesern zur Freude gereichen, wenn ich Ihnen mittheile, daß einem unserer Glaubensgenossen eine hohe Auszeichnung zu Theil geworden ist. Herr B. Levy, Professor am College Louis le Grand dahier, gebürtig aus Thionville, ist zum Professor der deutschen Sprache beim kaiserl. Prinzen defignirt worden und unterrichtet bereits seit einigen Wochen seinen hohen Schüler zur Allerhöchsten Zufriedenheit. (Herr Levy -ist ein Schwager desBanqmer Rudolph Bamberger zu Mainz, Abgeordneter in der hessischen zweiten Kammer, und des bekannten politischen Schriftstellers vr. Ludwig Bamberger in Paris.) Paris. Wie wir bereits in einer der jüngsten Nummern unfern geehrten Lesern mitgetheilt haben, hat am 19. Dezember die jährliche Generalversammlung der „All. Jsr." stattgefunden. Die Versammlung war recht zahlreich und in vielen Beziehungen eine glänzende zu nennen; man sah in derselben viele hervorragende Männer, ebenso viele Frauen und Mädchen. Unter andern Notabililäten bemerkten wir folgende Herren: den Oberrabbiver des Central-Consistoriums, den Director des Rabbinerseminars, Albert Cohn, I. Günzburg, den Caid Nassim Semana, den Präsidenten des isr. ConsistoriumS von Lyon, den Pastor Petavel und dessen Sohn aus Neufchatel u. s. w. Herr Crsmieux, welcher im verflossenen Jahre die Function eines Vice-Präsidenten versah, präsidirte die Versammlung. (Unsere Leser werden wohl wissen, daß der selige Salomon Munk kurze Zeit vor seinem Tode zum Präsidenten der „Alliance" erwählt worden war; trotzdem derselbe verweigert hatte, die Präsidentschaft anzunehmen, hat man dennoch seine Stelle nicht besetzt uud der Präsidentensitz blieb bei der Generalversammlung leer.) Die Sitzung wurde mit dem Vorlesen des Berichtes über die Arbeiten der Gesellschaft eröffnet. Dieser Bericht, welcher mit einer seltnen Eleganz von dem Secretär der „Alliance," Herrn N. Leven, redigirt wurde, erweist zuerst den Verdiensten Salomon Munkes eine glänzende Ehrerbietung, bespricht dann die Deklagenswerthe Lage unserer Glaubensgenossen in verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas und die Schritte, welche die „Alliance" gethan, um ihnen zu Hilfe zu kommen. Die Unterdrückung, welche die Israeliten in den Donaufürstenthümern erduldet haben und noch erdulden, war vorzüglich der Gegenstand langer und interessanter Details. Es scheint, daß die Israeliten in diesen Ländern hauptsächlich vom Kaufmannsstande verfolgt werden, weil siebessereWaare zu einem billigeren Preise verkaufen, alS ihre Concurrenten. Hierauf gibt der Bericht Rechenschaft über die günstige Lage der Knaben- und Mädchenschulen, welche die „Alliance" im Orient und in Marocko gegründet hat; sechs neue Schulen wurden in diesem Jahre errichtet; in Paris werden mehrere junge Leute aus diesen Ländern herangebildet, um später in ihren Vaterstädten die religiöse und wissenschaftliche Erziehung zu leiten. Am Schluffe des Berichtes ist von der Mission nach Abeffynien und den Unterstützungen, welche jüdischen wissenschaftlichen und literarischen Werken bewilligt wurden, die Rede. Nach dem Vorlesen dieses Dokumentes, welches mehrmals durch lebhaftes Applaudiren unterbrochen worden war, erstattete der Cassirer Bericht über die finanzielle Lage. Diese Lage ist sehr günstig. Die Anzahl der Mitglieder ist dieses Jahr um 2700 gestiegen und repräsentirt im Ganzen die beträchtliche Ziffer von 6826. Die Activa der Gesellschaft hat fast die Summe von 50000 Francs erreicht; trotzdem hat sich ein kleines Deficit ergeben, da große Ausgaben zu bestreiten waren. Nach dem Rechenschaftsberichte wurde das Wort den Anwesenden, welche Bemerkungen und Vorschläge zu machen hatten, gegeben. Unter diesen Bemerkungen heben wir diejenige hervor, welche verlangt, daß die Eltern ihre neugebornen Kinder als Mitglieder der „Alliance" einschreiben lassen sollen. Herr Pastor Petavel hielt eine ebenso gediegene als rührende Rede. Er fühle sich glücklich, nachdem er der ersten Generalversammlung beigewohnt, nunmehr auch bei der siebten, dem Sabbat der „Alliance," gegenwärtig zu sein. Er sei gerührt von den Gefühlen der Liebe und der allgemeinen brüderlichen Eintracht, welche sich in dieser israelitischen Versammlung manifestiren, und von welchen er die Echos mit in sein Land zu seinen Glaubensgenossen bringen will. Mit donnerndem Applaus wurden diese edlen Worte ausgenommen. Herr Cr6mieux erhob sich und begann mit einer jener bewunderungswürdigen Reden, die seinen Namen berühmt gemacht haben. Auch er ertheilte zuerst dem Andenken Salomon Munk's Lob, sprach dann von der religiösen Toleranz, von den von den Israeliten gemachten Fortschritten, vom Verdienste der Frauen, von der Freiheit im Handel, welche ein Mittel ist zur Verbrüderung aller Völker, von seiner Audienz bei