Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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36 nern, Frauen und Kindern. Ich sage auch von Kindern, denn diese besuchen nicht, wie es in vielen Städten der Fall ist, an Festtagen die christl. Schule. An wohlthätigen Vereinen hat die Gemeinde folgende aufzuweisen: 1) die «ternp man, deren Tendenz ist, arme Familien zur Zeit der Noth zu unterstützen und bei Leichenbestattungen die nöthigen Dienstleistungen resp. Unterstützungen darzureichen. Fast die ganze Gemeinde gehört derselben an. 2) ein Frauenoerein, der sich zur Aufgabe gemacht hat, zur Ausstattung armer Bräute beizutragen und arme Wöchnerinnen zu unterstützen. Beide Vereine erfüllen ihre Pflichten mit einem solchen Eifer und solcher Treue, daß sie wirklich verdienen, aus Nachkommen Abrahams zu bestehen, denn die Mitglieder derselben sind wahre n'inm '33. Bor zwei Jahren gründete ein hiesiges Gemeindemitglied eine Darlehenskaffe uns schenkte zu diesem Zwecke 100 Thlr. Hiervon sollen Darlehen an Unbemittelte zinsfrei gegeben werden; dadurch wird so manchem Familienvater Gelegenheit geboten, seine Familie ernähren zu können. Seit dieser Zeit ist der Fond dieser Kaffe um ein Bedeutendes durch Geldgeschenke anderer Gemeindemitglieder vergrößert worden. Ueber die Leistungen unserer Religionsschule will ich mir kein Urtheil erlauben: ich glaube jedoch, daß bei der zum Hebräischen nur knapp zugemeffenen Zeit, bei der großen, aus mehreren Abhteilungen bestehenden und nur von einem Lehrer unterrichteten Schülerzahl sie nach allen Richtungen hin befriedigen. Wie alljährlich fand auch in diesem Jahre am 5. Chanuka-Abend eine Chanukafeier in unserer Schule statt. Bei derselben wurde zuerst das Lied: nm nyo gesungen; hierauf wurde die Bedeutung desChanukafestes mit den Schülern durchgenommen, mehrere Gedichte vorgetragen, welche auf das Fest Bezug haben, und zum Schluffe kam eine Verloosung von Schulgegenständen, bei welcher jedes Kind gewann. Die Betheiligung von Seiten der Eltern war in diesem Jahre so stark, daß das Schulzintmer kaum Alle faffen konnte; das dient zum Beweise, daß das religiöse Gefühl hier noch stark in der Gemeinde wurzelt. Gebe der Allgütige, daß dieses Gefühl immer mehr erstarke! B. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Vorgestern fand in Korneuburg eine dort wohl seltene Feierlichkeit, die Trauung eines jüd. Brautpaares, statt. Der Prediger, welcher den Akt der Trauung vollzog, hielt eine den Umständen angemeffene Rede, in welcher er besonders darauf hinwies, daß vor einer kurzen Reihe von Jahren noch kein Jude es wagen durfte, in manchem Orte des flachen Landes von Niederösterreich zu übernachten, während heute die Schranken des Religionsunterschiedes bereits gefallen sind und die Gleichberechtigung aller Glaubensgenoffen binnen kürzester Zeit hergestellt werden dürfte. Die Spitzen der Behörden, zahlreiche Offiziere und viele Einwohner aller Confessionen wohnten der Feierlichkeit bei. In Korneuburg wohnen gegenwärtig 15 jüdische Familien. □ Pesth, 6. Jan. Wie man erfährt, hat das Pesther Wschselgericht in Anbetracht der vollzogenen Gleichstellung der Bürger isr. Confesston den Beschluß gefaßt, daß künftighin in Fällen, in welcher ein „I u d e neid" abgelegt werden soll, hierbei die bisher üblich gewesene Rabbinats-Assistenz wegzufallen habe. Prag. Bei ver hiesigen Credit-Bank wurden 9 Grafen und ein Jude, Herr Lippmann, zum Verwaltungsrath gewählt. Tarnow. In die Tarnower Bezirksvertretung wurde unser GlaubenSgenoffe, Herr vr. Rosenberg, gewählt. Brünn. In voriger Woche verstarb hier der Secretär des isr. Gemeinde, Med. vr. Bachrach, im rüstigen Mannesalter. Das Leichenbegängniß fand unter zahlreicher Theilnahme der sämmtlichen Bevölkerung. aller Confessionen, statt. Der Verstorbene hat unter Herrn Rabb. Hirsch als Secretär der jüd. Gemeinde zu Rikolsdurg wesentlich zur Ausarbeitung jenes Organisationsentwurfes beigetragen, der leider nicht zur Ausführung gekommen, aber jedenfalls vernünftiger als die erst unlängst in Brünn gefaßten Resolutionen war. K. Brünn. Nach der kürzlich erschienenen „statistischen Skizze" des Prof. Brachelli find im Kaiserthum Oesterreich 1,121,100 Israeliten. (Abdl.) □ Ärafau, 29. Dec. Die hiesige jüdische Gemeinde gedenkt einen polnischen Prediger aufzunehmen, und hat hierzu den Herrn Dankowicz aus Warschau berufen. Donaufürstenthümer. Aus Bukarest, 9. Januar, wird der „Pr." berichtet: In Balard ist es abermals zu Judenexceffen gekommen. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, die Juden hätten den Priester Varnav, der plötzlich erkrankt und gestorben war, vergiftet. Man fiel in Folge deffen über die Juden her, drang in ihre Wohnungen und richtete bei Einzelnen bedeutenden Schaden an. Die energischen Maßnahmen der Regierung verhinderten jedoch weitere Ausschreitungen. Der General Prokurator v. Fokschani hat sich sofort an den Thatort begeben, um die Untersuchung einzuleiten. ES scheint, daß der Urheber dieser Unruhen in der über den Ausfall der Wahlen verstimmten Reaktionspartei zu suchen ist.