Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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35 bekennlniffes eingeliefert; nach Würzburg die weiblichen Individuen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. In die Staatserziehungsanstalt Bruckberg bei Ansbach kommen die männlichen israelitischen Sträflinge, welche 1. auf Grund des Art. 77 des Strafgesetzbuches (wo als jüngstes Alter 16 Jahre ausgesprochen bei Verbrechen) zu einer einen Monat überdauernden Freiheitsstrafe verurtheilt sind, 2. ohne auf Grund dieser Gesetzesbestimmung verurtheilt zu sein, eine das 18. Lebensjahr nicht überdauernde in der Gefangenanstalt zu erstehen haben. In die Gefangenanstalt Sulzbach die weiblichen isr. Sträflinge. In die zu Ebrach werden die männlichen isr. Sträflinge, die nicht zu obiger Kategorie gehören, aus den Regierungsbezirken diesseits des Rheins, eingeliefert. — □ Larrpheirn, im Januar. Vorgestern wurde unter lebhafter Bether'ligung der Wähler die Ergänzungswahl des Gemeinderaths vorgenommen, indem von etwa 700 Berechtigten mehr als 500 von ihrem Stimmrechte Gebrauch gemacht haben. Drei der Ausgetretenen wurden wieder erkoren, statt des -4. kam ein israelitischer Glaudensgenoffe aus der Wahlurne zum ersten Male dahier, obwohl 800 Angehörigen dieser Confession, die hier wohnen und Steuer bezahlen, längst eine Vertretung gebührt hätte; aber alle ihre bisherigen hierauf gerichteten Arfftrengungen waren vereitelt worden. — Eine andere Sache wurde kürzlich nach längeren Differenzen zwischen diesen beiden Parteien friedlich ausgetragen. Das Bedürfniß eines neuen israelitischen Schullokals war unabweisbar geworden: aber die darauf gerichteten Forderungen der Jsraeluen, welche wegen ihrer großentheils in einer Straße gebasten Wohnungen bezüglich der Wohnungen ein besonderes Interesse, und daher ron Anfang an den Bauplatz zum Neubau angeboren hatten, nur in der Weise von dem Gemeinderath ausgenommen worden, daß dieser ein vorhandenes älteres, den Israeliten ungelegenes Gebäude zu dielen Eckullokalen einrichlen zu wollen erklärte, was einen Kostenaufwand von über 3000 fl. erfordert hätte. Tie Betheiligten haben sich nun in der Weise vertragen, daß außer diesen 3000 Gulden die hiesige politische Gemeinde weitere 1OOO fl. bezahlt, und das Schulhaus mit Lehrerwohnung von den Israeliten seit st gebaut wird. — Aus Baden. Unter Hinweisung auf den Artikel aus Heidelberg in der Beilage zu Nr. 48 Ihres geschätzten Blattes, kann ich Ihnen heute mittheilen, daß der dort erwähnte Staats-Prokuratvr Regensb urger vor wenigen Wochen auf sein Ansuchen aus dem Staatsdienst entlassen worden ist. R. sollte in gleicher Eigenschaft nach Offenburg versetzt werden, und da er möglicher Weise Avancement erwartete, vielleicht auch Offenburg nicht mit Heidelberg vertauschen wollte, kam er um seine Entlassung ein, die ihm auch sofort ertheilt worden ist. Ob R. ein andere- Ergebniß seines Schrittes vermuthete, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Wir können diesen Vorfall nur bedauern, denn R. ist unstreitig ein begabter Kopf und tüchtiger Jurist, und er hätte sein gründliches und umfassendes Wissen im Dienste des Staates verwenden und verwerthen, aber auch seinen Glaubensgenossen Ehre machen können. Wenn aber R. seiner Zeit in den bedenklichen Fehler verfiel, daß er bei der leidigen Wnchergeschichte die Confession des Angeklagten hereinzog, und den Juden mehr als den Wucherer anzuklagen bemüht war, so wird er sich auch jetzt nicht darüber wundern können, wenn ihm der Vorwurf gemacht wird, er hätte als Jude den Beweis liefern müssen, daß sich jüdische StaatSdiener eben so willig den Anordnungen der Regierung fügen als jene anderer Confessionen. Ist es doch erst einige Jahre her, daß überhaupt Israeliten in den Staatsdienst berufen worden sind, und haben wir darum dieses Faktum sehr ungerne in die Geschichte der Emancipation registrirt. Als erfreulichen Gegensatz füge ich bei, daß für die nächste Schwurgerichtssitzung in Karlsruhe Herr Kreisgerichtsrath Heimerdinger (Israelit, Neffe des verstorbenen Oberraths Epstein) zum Vicepräfidenten ernannt worden ist. Frankfurt a. M, den 9. Januar. Das hiesige „Journal" schreibt: Die „Italienische Eorrespondenz" meldet die Ernennung des Herrn Artom, seitherigen Attaches der Pariser Gesandtschaft, zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Karlsruhe, an Stelle des Herrn Gianottt, der nach Stockholm geht. Es ist uns nicht recht klar, was die Versetzung dieser hervorragenden diplomatischen Capaeität, des früheren Cabinetschefs Cavours, an einen kleinen Hof bedeuten soll, da Artom auf dem Pariser Posten, dem wichtigsten für Italien, sicher unersetzlich sein wird. Ob er mit Nigra nicht mehr harmonirte und vielleicht zu selbstständige Ansichten halte? — (Bekanntlich ist Herr von Artom Jude.) Belgard (Pommern), im Januar. Wenn auch der weise Schelomoh sagt: nSi "pSSrv Fremde mögen dich loben und nicht dein eigener Mund, so halte ich es doch für nöthig, die Vorzüge, die unsere Gemeinde vor ihren Nachbargemeinden auSzeichnet, zu schildern, um diese zur Nachahmung anzuregen. Der religiöse Zustand unserer Gemeinde ist ein durchaus guter zu neunen. Seit 2Va Jahren ist in unserer Synagoge regelmäßig “ipai my Gottesdiest. Nur sehr kalte Tage oder das Verreisen vieler Gemeindemitglieder — unsere Gemeinde zählt nur 34 Mitglieder — unterbrechen manchmal denselben. An Sabbat- und Festtagen ist unsere Synagoge — «Sn sie ist zwar nur klein — gefüllt von MäU-