Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1868)
- Date
- 1868-01-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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LS armer Student ist, und zwingen werde ich mein Kind wahrhaftig nicht." „Dafür bin auch ich nicht, lieber Süffel; ich glaube aber, Eliseba wird diese Verbindung mit Vergnügen begrüßen." Du glaubst, meine Liebe, Eliseba wird gern in die Verbindung mit Gabriel willigen? Auf was gründet sich Dein Glaube? „O, wir Frauen blicken tiefer in das Herz unsrer Kinder als ihr Männer." Und was bemerktest Du, meine Gute, tm Herzen Eliseba's? „Ich bemerkte, mein Lieber, seit den Ferien große Unruhe bei ihr um Gabriel. Zwanzig Mal sah ich sie jeden Abend an daS Fenster gehen, um zu sehen, ob der junge Mann von seinen Ausflügen noch nicht zurückkomme. Heute früh sagte sie zu mir: „Liebe Mamma, ich wollte, daß Gabriel'-Ferien bald zu Ende wären." Und warum, liebes Kind, wünschst Du dies? „Weil ich sehr bekümmert um ihn bin. Er bringt täglich seine Zeit von Morgens bis Abends allein auf Berg und Thal zu, wie leicht kann ihm ein Unglück zukommen!" „Aber liebe Eliseba, waS kümmert Dich Gabriel? er ist doch weder Dein Bruder, noch sonst ein Verwandte." „ Freilich, liebe Mamma, ist Gabriel weder mein Bruder, noch sonst ein Verwandte, er ist aber ein treuer, guter Mensch." „So sprach unser Kind und das Blut stieg ihr in'S Gesicht." „Deine Vermuthung, liebe Frommet, scheint gegründet zu sein, doch ich höre das Kind kommen, wir können uns nun ganz von der Wahrheit überzeugen. Deinem Mutterherzen überlaffe ich es, über diese delikate Sache mit ihr zu verhandeln; ich werde ruhigzuhören. In diesem Augenblick erschien Eliseba, grüßte freundlich ihre Eltern, die sie herzlich küßten. „Du kommst wie gewünscht, liebes Kind," sagte die Mutter, „ich und Dein Vater, haben uns so eben von Dir unterhalten." „Von mir, liebe Mamma, ich bin ganz überrascht, der Gegenstand Eurer Unterhaltung zu sein." „Und warum überrascht, liebe Eliseba, wenn wir UNS mit Deiner Zukunft beschäftigen? Dein Vater meint, eS sei Zeit, an Deine Verlobung zu denken." „O, ich bin noch zu jung, gute Eltern, auch wünsche ich immer bei Euch zu bleiben." „Das hindert nicht, bei uns zu bleiben. Der Vater hat die Absicht Dich mit dem Sohn des reichen Koppelmann zu verbinden; dieser ist ein hübscher junger Mann, und er wird Theilhaber des Geschäft'-." Bei diesen Wortm entfärbte sich Eliseba und sagte bittend zu ihrem Vater: „O, lieber Papa, ich bemerkte doch bereitder lieben Mamma, daß ich noch zu jung, sei um schon Braut zu werden." „Ich, hingegen," sagte Frau Frommet, „habe die Idee, Dich mit einem Studenten zu verloben, und zwar möchte ich gern Gabriel zum Schwiegersohn haben." Kaum waren diese Worte ausgesprochen, als sich Eliseba unter Weinen und Lachen in die Arme ihrer Mutter warf und rief, indem sie sich die Augen zuhielt: Gute, liebe Mamma, mit Gabriel, Ja! Vater und Mutter umarmten ihr Kind, und wünschten ihm Glück zu seiner Wahl. Darauf begab sich Herr Süffel auf das Zimmer dejungen Gabriel, um ihm die Einwilligung seiner Frau und Tochter anzukündigen. Er fand ihn noch träumend auf demselben Stuhle fitzen, auf dem er sich vor einigen Stunden hingeworfen. Er umarmte ihn mit dem herzlichen Ausruf: „Mein Sohn, mein lieber Sohn!" Dieser zärtliche Name, der die ganze Größe seine- Glückes enthielt, durchdrang Gabriel so sehr, daß er weinend dem edlen Süffel um den Hals fiel, um ihm für seine unaussprechliche Güte und Großmuth zu danken. Sein Hausherr erzählte ihm nun, wie seine gute Frau und seine liebe Tochter daS Vorhaben mit Freude billigten. Er möchte nun seinen Eltern nach CrailSheim schreiben, um auch ihre Einwilligung zu erhallen. Gabriel, vor Freude außer sich, bat Herrn Süffel, ihm zu gestatten, zuerst der Frau Süffel und der guten Eliseba seine innigste Dankbarkeit darzubieten. Herr Süffel nahm ihn mit sich, und stellte ihn seiner Frau und Tochter vor. Diese Scene war sehr rührend, Mutter und Tochter weinten vor Glück, und Gabriel fand keine Worte, seinen Dank auszudrücken. Seine Haltung jedoch war edel; er verneigte sich mit Anstand gegen die Mutter und näherte sich dann der erröthenden Eliseba. Bald darauf zog er sich auf sein Zimmer zurück, um seinen Eltern zu schreiben. Er zeigte ihnen das Vorhaben der Familie Süffel an und bat sie. sobald als möglich nach Nürnbenj zu kommen, um sich von feinem Glück selbst zu überzeugen und ihre Einwilligung dazu zu geben. m Kaum hatten die Eltern daS Schreiben ihres geliebten Sohnes erhalten, so reisten sie zu ihm und wurden von der Familie Süffel auf's Freundlichste empfangen. Die Rabbinerin von Crailsheim, entzückt von der Bescheidenheit der liebenswürdigen Eliseba, gab sogleich ihre Einwilligung, während der Rabbiner mit seiner Zustimmung zögerte. Sr sah in dieser Verbindung die Zerstörung seiner Lieblingsidee, daß l sein Sohn ihm einst als Rabbiner im Ehrenamte