Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1868)
- Date
- 1868-01-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447346--05790-2461314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
OCR text
28 noch alle Herzen der Familie Jakobs und noch heute gehorcht jeder Israelit, so gut wie damals in der Wüste, der Stimme Gottes, welche uns zurust: „Sie sollen mir ein Heiligthum bauen, daß ich wohne in ihrer Mitte." Die Synagoge zu Lissabon wird ldas melodische Echo der Gebete und Lobgesänge der alten portugiesischen Gemeinde wieder beleben. Sie wird am äußersten Westen Europas ein glänzendes und glorreiches Monument, die Fahne des Iudenthums sein, welche mit Stolz an der Seite der finstern Citadelle der spanischen Intoleranz weht. Sie wird für den Wanderer, der von barbarischen Ländern kommt, wie die Mesusah an der Thüre eines isr. Hauses sein, welche die göttliche Inschrift zeigt: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige /ist einzig." Sie wird eine herrliche Genugthuung und eine himmlische Freude für die Manen unserer berühmten; Märtyrer und eine Strafe ihrer grausamen und verMderten Verfolger werden. Sie wird endlich zur Ehre ' der ganzen europäischen Judenheit gereichen. Reichen wir unfern Brüdern in Lissabon eine brüderliche Hand, daß sie ein Haus zu Ehren unseres Gottes errichten können. (Univ. isr.) _Al ge riet!, Algier Von den Preisen, die im Jahre 1866 bis 1867 in der Provinz Oran unter die Institute vertheilt worden waren, wurden 2 derselben von einem iSr. Institute in Oran erworben; der eine wurde dem Leiter der Anstalt, Herrn Falk und der andere dem Oberlehrer, Herrn Leoch, zuertheilt. (Univ. isr.) SrenilletP». Der Kefangene. Eine wahre Geschichte, von dem Helden derselben selbst ausgezeichnet. Mitgetheilt von E. (Jarmoly. (Fortsetzung.) Eines Zages , als er so über Berg und Thal schritt und ganz in Gedanken an seine Kräuter und Pflanzen vertieft war, erreichte er einen dunklen Wald. Höchst ermüdet, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder, um auszuruhen und über seine neu gesammelten Kräuter nachzudenken. Es währte nicht lange, so unterlag er seiner Müdigkeit, und versank in einen tiefen Schlaf. Seine Seele war auch im Schlafe nicht unthätig. Ein lebhafter Traum beschäftigte ihn und brachte in seinem Innern eine große Freude hervor. Er befand sich — so träumte es ihm — in einem großen Garten, der voll der seltensten Pflanzen war. Vor ihm stand ein Mann, hochbejahrt, in seiner Hand eine Waage, in deren eine Schale er alle Pflanzen des Gartens legte, in die andere aber ein einzelnes Kraut that, und siehe, das einzelne Kraut überwog an Schwere alle andern Kräuter. Erfreut erwachte der Jüngling, denn das einzelne Kraut, das alle andern Kräuter überwog, war gerade einvon denen, die er an diesem Tage gesammelt hatte. Er eilte nach Hause, und erzählte dem Hausherrn, was ihm begegnet war und zeigte ihm das merkwürdige Kraut, welches er gefunden hatte. Als Herr Süffel dieses Kraut in der Hand Gabrielas erblickte, umarmte er ihn, küßte ihn und sprach: „Gelobt sei Gott, daß ich endlich das heilsamste Kraut gefunden habe, nach dem ich mein ganzes Leben suchte. Italien konnte es mir nicht liefern, und waS Venedig nicht besaß, blieb unbekannt. Mein Glück ist nun gemacht; ich werde es vervielfältigen; in allen meinen Gärten soll es angelegt werden, und reiche Ernten stehen mir bevor. Was sage ich: Reiche Ernten stehen mir bevor? Nein, mein lieber Gabriel, reiche Ernten stehen uns bevor. Ungerecht bin ich nie, be- «iLt qeaen Dich, «dler Jüngling! Seit lange beobachtete ich mit innerer Freude Deinen Eifer und deinen glücklichen Erfolg in der Kräuterkunde. Ich und meine Frau lieben Dich und haben uns der Hoffnung hingegeben, Dich nicht mehr von uns scheiden zu sehen. Du weißt, daß unsre geliebte Eliseba ein Mädchen schön von Bildung und schön von Ansehen ist. Sie wird Dich als Deine Gattin glücklich machen; gehe, schreibe Deine Eltern, sie möchten hierher kommen, um ihre Einwilligung zu dieser Verbindung zu geben." Gabriel, der nicht ohne innere Liebe die schöne Eliseba täglich bemerkt hatte, eilte mit raschen Schritten auf fein Zimmer, ohne ein Wort des Dankes gegen Herrn Süffel äußern zu können. Dort angelangt, warf er sich voller Freude auf einen Stuhl und überließ sich den angenehmsten Empfindungen, den süßesten Träumen. Während Gabriel sich so diesen ganz hingab, ging Herr Süffel zu seiner Frau, um ihr den glücklichen Fund Gabriels mitzutheilen und sie von seinem Vorhaben, ihn mit ihrer einzigen Tochter zu vermählen, in Kenntniß zu setzen. Die bescheidene Mutter fand den Vorschlag ihres Gatten sehr paffend und beglückwünschte ihn zu dieser Wahl. „Ich freue mich, liebe Frommet, sagte Herr Süssel, über Deine Zustimmung; wird aber unsre Eliseba ebenfalls mit dieser Partie zufrieden sein? Sie weiß, daß wir wohlhabende Leute sind, daß Gabriel ein