Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1868)
- Date
- 1868-01-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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so fokge; bis ihm Gabriel die Sprüche der Väter der Synagoge in's GedächtNiß rief: Liebe die Arbeit, h affe die Ehrenämter. Schön ist da- Studium der Lehre, in Verbindung mit einer landesüblichen Handthierung. Jedes Studium, getrenntvon allem Geschäft, zerfällt am Ende. Monate waren vergangen; der Hochsommer war herangekommen. Die Blülhen der Gärten hatten sich zur schönsten Farbenpracht entwickelt; besonders prangte daneu angelegte Kraut in feinem glänzenden Colorit. Herr Süffel konnte sich nicht satt daran sehen; mit Vergnügen berechnete er den großen Gewinn, den dieses seltne Kraut ihm bringen werde. Er hatte sich nicht geirrt; der Nutzen überstieg alle seine Voraus- Berechnungen. Bald darauf feierte der glückliche Gabriel seine Hochzeit,mit der schönen Eliseba. Alle Vorbereitungen zu der glänzenden Feierlichkeit waren getroffen. Einladungen an die würdigsten Repräsentanten der Wtffenschaft und Handelswelt von nah uud fern waren ergangen, und Alles war bemüht, sein Möglichstes dazu beizutragen, um das Fest zur schönsten und glänzendsten Feier zu gestalten. Der Rabbiner von Crailsheim vollzog die Trauung seines Sohnes mit einer schönen Rede, in der er die schönen Tugenden der Braut und des Bräutigam'S auf das Würdigste schilderte. Bald darauf ertönten die harmonischen Töne her, Musik, und Braut und Bräutigam wurden unter Dmfik und Gesang nach Hause geführt, wo lange, mit blendend weißen Tischdecken überzogne Tafeln mit zahlreichen Gold- und Silbergeschirren, glänzende» Flaschen und sonstigen Gefäßen die Gäste zum Festmahle einluden. Als die letzten Purpur- und Violettstreifen der untergehenden Sonne sich am Horizonte abzeichneten, wurden die Wandleuchter angezündet, und bald ergoß sich ein strahlendes Lichtmeer durch die der Freude geweihten Zimmer. Die sieben Tage der Hochzeitfeier waren beendet, die Gäste und mit ihnen die Eltern Gabriels verließen Nürnberg, und Süffel übergab seinem Schwiegersohn als Theilhaber die Leitung seines Geschäfts. Der Eifer und die Kenntnisse Gabriel's gaben der Handlung einen neuen Impuls, sie wurde die erste ihrer Art in Deutschland. Aber bald darauf drohte ihr durch die Versagung der Israeliten aus Nürnberg im Jahre 1499 gänzliche Zerstörung. Herr Süffel und seine Frau überlebten dieses Unglück nicht. Sie starben auf dem Wege nach Crailsheim, wohin sie sich auf Anrathen Gabriels mit ihm und seiner Familie begeben wollten. Der Jammer über den Verlust ihrer edlen Eltern war groß für Eliseba und Gabriel. Der Rabbiner von Crailsheim und seine würdige Gattin boten Alles auf, um ihre Kinder zu trösten. Bald erhob sich Gabriel aus seinen Leiden; sein schönes Geschäft wurde durch die Vertreibung aus Nürnberg nicht zerstört; es war bloS verlegt. Es konnte von Crailsheim aus eben so gut wie von jeder andern Stadt betrieben werden, was auch in der Thal geschah. Ebenso verlegte er es später mit Erfolg nach Prag, wie wir bereits erzählt haben. (Fortsetzung folgt.) Aie drei Aaöen. Was Du auf Erden willst erreichen, — Dir wird des edeln Strebens Ziel Nur nach des Schicksals harten Streichen Nach Prüfungen und Leiden viel. Noch keine Gabe ward beschieden Dem Erdensohn, wenn nicht zuvor Durch Leid und Schmerzen er hienieden Geläutert rang zum Sieg empor. Drei Gaben — wie die Weisen sagen — Der Herr einst Israel verlieh; Doch nur nach wermuth-bittren Tagen Der Güter Krön* erreichten sie. Das Gotteswort von Sinai's Höhen, Verkündet Wardts nach Knechtschaft, Leid, V Das heilige»LrMd, — doch mußten sehen Sie erst der Wüste Prüfungszeit. Und wer schwebt je zum ewigen Leben, Der nicht am Ziel sich sagen muß: Der Schmerzen hat's hier viel gegeben, Nur selten dauerte der Genuß? — Drei Gaben — wie die Weisen sagen — Der Herr einst Israel verlieh; Der Mensch erreichet ohne Klagen Und ohne Kampf wohl nimmer sie. Die Weisheit, Glück und ewiges Leben — Wer hat erreicht die edlen Drei, Und ward nicht in dem Vorwärtsstreben Geprüft durch Leiden mancherlei? Wie nur durch Feuer von den Schlacken Geläutert wird des Silbers Werth — Beugst Du den Schlägen Deinen Nacken: Die Prüfung erst den Mann bewährt. Ruppertshofen. Friebberg.