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Der Israelit · 1868-01-08 · Heft 2 (8.1.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 2 (8.1.1868)
Date
1868-01-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 2 des Israelit. Leitender Artikel. Eine in der Synagoge?it Main? vor 105 Jahren gehaltene Predigt. Es liegt uns ein interessantes Schriftwerk vor, eine vom Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Mainz im Jahre 1763, also vor 105 Jahren, dem Kurfürsten Emmerich Joseph überreichte, in hebräischer und deutscher Sprache abgefaßte Adresse, die zugleich eine vom damaligen Rabbiner, Moyses Br and eis, am Wahltage gehaltene Predigt enthält. Das Ganze ist sehr schön — das Deutsche in Fraetur, das Hebräische in Quadratschrift — theilweise mit goldenen Buchstaben geschrieben; es ist ein Folio-Band, der 16 Blätter enthält. Das Buch hat zwei Titelblätter, an jeder Seite eins, ein hebräisches und ein deutsches; auf beiden befindet sich, sehr schön ausgeführt, das Familienwappen des Kurfürsten sammt dessen lateinischem Wahlspruch, in welchem großgedruckte Buchstaben die chr. Jahreszahl bezeichnen. Den deutsche Titel lautet: „(Me den Fünfften Julii 1763 an dem Freudensvollen Wahl Tag unserS gnädigsten Landes Herrn und Churfürsten Herrn, Herrn Emmerich Joseph auS dem Reichs HvHfreyherrlich««» Geschlecht V ». e t u? bach zu Bürresheim von dem allhiesigen Rabiner MoyseS Brandeis auf Begehren deren Vorgängern verfasste in der Synagoge allhier in Mayntz von sammtlicher getreuer Judenschast mit einer Illumination und Musik angestellten Dancksagung und Gebett so auf Hebräisch und Teutsch hier folget." Der hebräische Titel hat ähnlichen Inhalt; zu bemerken ist darin, daß „Kurfürst" mit -no Dum pojn „Fürst und wählender Herzog" übersetzt, und daß Bürresheim mit wiedergegeben ist. „Mainz" heißt nsud, wie es in den altjüdischen Schriften genannt wird und wie man hier noch heute in dern^ro schreibt. In andern altjüdischen Documenten haben wir den Namen der Stadt j'ajyo gelesen; wahrscheinlich liegt in diesem so vielfachen Wechsel der Namensschreibweise der Grund, daß man hier schon seit Jahrhunderten keinen bi schreibt, während noch in nonwi angezogen von no, Eben Hasser c. 128 — ein von Mainz aus datirtes m - Formular abgedruckt ist. Die Stadt hieß nacheinander pyn, pna, nsjjö; pjwd, pojyo; doch dies nur beiläufig. Ehe wir auf den Inhalt des vorliegenden Schriftstückes näher eingehen, wollen wir die darin erwähnten Persönlichkeiten beleuchten. Kurfürst und Erzbischof Emmerich Joseph, welcher in Mainz von 1763 bis 1774 regierte, war ein Vater seiner Unterthanen, als Staatsmann und Gelehrter gleich groß, als Mensch der Edelsten Einer; die Stadt Mainz hat ihm ein dankbares Andenken bewahrt und eine ihrer Straßen nach ihm „Emmerich-Joseph-Straße" benannt. Wiewohl katholischer Kirchenfürst, ist er doch als weltlicher Kurfürst allen seinen Unterthanen, den Juden wie den Protestanten, ein gerechter und wohlwollender Herr gewesen. lieber den Rabbinen, den Verfasser des vorliegenden Schriftstückes, wollen wir hier aus dem Memorialbuche der Mainzer Gemeinde einige Mittheilungen machen. Rabbi Moses Brandeis war ein Nachkomme des berühmten „hohen Rabbi Löb" von Prag, der da der Held so vieler Sagen geworden ist; der Lehrer seiner Jugend war der Präses der Prager Jeschibah, Rabbi Abraham Brodi. Da Rabbi Moses schon in früher Jugend von seinem Lehrer mit der „Morenu" beehrt wurde, so drang sein Ruf bis nach Fürth, wo ein reicher Mann, Namens Rabbi Gabriel, ihn zum Schwiegersohn erkor, in Fürth ein emon no gründete, es mit 10,000 fl. fundirte und Rabbi Moses an die Spitze desselben stellte, der zugleich das Rabbineramt pon Schnaitt ach verwal- ICIC. CfKUt iviuuv irtwtti anv|v» A».iv»uv«mvv w«> Bunzlau in Böhmen, wo seine erste Gattin starb und er sich zum zweiten Male mit der Tochter des R. Baruch Austerlitz von Prag, eines Enkels des berühmten jtnnsp und Pnmators von Prag, Rabbi Samuel Taußk, vermählte. Sechzehn Jahre lang lebte Rabbi Moses als Rabbiner in Bunzlau; während dieser Zeit wurde er bei allen wichtigen Anlässen nach Prag berufen, woselbst er manchmal ein halbes Jahr verweilte. Dahin strömten viele Schüler, um seine scharfsinnigen Vorträge zu hören, so daß man ihn nie mehr anders als Rabbi Moscheh Charis, d. i. der Scharfsinnige, nannte. Dieser große Ruf brachte ihm die Berufung nach Mainz, woselbst er als Stadt- und Land-Oberrabbiner 34 Jahre lang sungirte. Er starb am 23. Sivan 5527 (1767). Das Memorialbuch rühmt seine grenzenlose Frömmigkeit, sein unendliches Wissen und seine schrankenlose Wohlthätigkeit; noch im hohen Mter war seine Kraft ungeschwächt trotz mannigfacher Trauerfälle in seiner Familie. Ein erwachsener Sohn Namens Rabbr Simon starb kurz vor dessen Hochzeit am 24. Ador 1733; er hätte eine Tochter des berühmten Rabbi Jonathan Eibeschütz heirathen sollen; ein anderer erwachsener Sohn, Rabbi Gabriel, wurde,? als Trends Panduren die Prager

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